Ein Buckelwal liegt im flachen Wasser vor der Insel Poel. Seit Tagen kämpft das Tier ums Überleben. Die Behörden haben die Rettungsversuche eingestellt. Nun gibt es Strafanzeigen – gegen den Umweltminister, Greenpeace und Forscher. Der Vorwurf: Tierquälerei und unterlassene Hilfeleistung.
Die Polizei Rostock bestätigte die Anzeige gegen Till Backhaus, Umweltminister von Mecklenburg-Vorpommern. Auch Greenpeace und das Institut für Wildtierforschung stehen in der Kritik. Die Staatsanwaltschaft Schwerin prüft mehrere eingegangene Strafanzeigen. Es geht um die Frage: Wurde genug getan?
Der etwa zwölf bis 15 Meter lange Wal irrt seit vier Wochen durch die Ostsee. Vergangene Woche strandete er vor Schleswig-Holstein auf einer Sandbank. Mit Baggern wurde er befreit. Doch das geschwächte Tier schwamm in die Wismarer Bucht. Dort legte es sich erneut auf Grund. Am Mittwoch wurden die Rettungsbemühungen eingestellt. Die Behörden erwarten seinen Tod. Die Bergung des Kadavers wird bereits vorbereitet.
Minister Backhaus betont: «Bis zur letzten Minute werden alle ernst zu nehmenden Hinweise entgegengenommen und geprüft.» Ich habe solche Situationen schon öfter erlebt. Die Ohnmacht der Helfer ist spürbar. Zwischen Tierschutz und Realität klafft oft eine schmerzhafte Lücke.
Der Fall zeigt, wie schwierig der Umgang mit gestrandeten Meeressäugern ist. Expertenwissen und schnelles Handeln sind gefragt. Doch manchmal gibt es keine guten Lösungen. Nur schwere Entscheidungen, die niemand treffen möchte.