Nach dem massiven Stromausfall in Berlin-Köpenick hat der Senat eine wichtige Entscheidung getroffen. Die Stadt wird die Hotelkosten für betroffene Bürger übernehmen. Fast 30.000 Haushalte und 2.000 Gewerbebetriebe waren mehrere Tage ohne Strom.
Der Stromausfall begann am vergangenen Dienstag und dauerte für viele Anwohner bis zum Freitag an. Als ein Bagger bei Bauarbeiten versehentlich ein Hauptstromkabel durchtrennte, wurde die Versorgung in weiten Teilen des Stadtteils unterbrochen.
«In einer solchen Notlage lassen wir die Köpenicker nicht allein», erklärte Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller. «Die Stadt steht in der Verantwortung, für ihre Bürger zu sorgen, besonders wenn die grundlegende Infrastruktur ausfällt.»
Anfangs gab es Unklarheit darüber, wer für die Kosten aufkommen würde. Die Baugesellschaft, deren Bagger den Schaden verursachte, wies zunächst die Verantwortung zurück. Nach intensiven Beratungen entschied der Senat nun, die Unterbringungskosten für alle betroffenen Bürger zu übernehmen, die während des Stromausfalls in Hotels übernachten mussten.
«Die Menschen brauchten eine warme Unterkunft, besonders ältere Bewohner und Familien mit kleinen Kindern», sagte Köpenicks Bezirksbürgermeister Oliver Igel. «Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt war die Lage in vielen Wohnungen unhaltbar.»
Das Bezirksamt Köpenick hat ein vereinfachtes Verfahren eingerichtet, mit dem Betroffene ihre Hotelkosten zurückerstattet bekommen können. Bürger müssen lediglich ihre Hotelrechnung und einen Nachweis ihres Wohnsitzes in den betroffenen Straßen vorlegen.
Neben der Hotelkostenübernahme plant der Senat weitere Unterstützungsmaßnahmen. Für Gewerbetreibende soll es Entschädigungen für Umsatzausfälle geben. Restaurants und Geschäfte im Zentrum von Köpenick verzeichneten erhebliche Verluste. Viele mussten tagelang schließen, Kühlwaren verdarben und elektronische Kassensysteme fielen aus.
«Der wirtschaftliche Schaden ist enorm», berichtet Bäckermeister Thorsten Weber, dessen Betrieb in der Salvador-Allende-Straße liegt. «Drei Tage ohne Strom bedeuteten für uns nicht nur fehlende Einnahmen, sondern auch verdorbene Ware und Teigmassen, die wir wegwerfen mussten.»
Die Aufräumarbeiten und Reparaturen an der beschädigten Stromleitung dauerten mehrere Tage. Techniker des Energieunternehmens Vattenfall arbeiteten rund um die Uhr, um die Versorgung wiederherzustellen. Der Stromausfall gehörte zu den längsten und umfangreichsten in der Geschichte Berlins.
Experten für Infrastruktursicherheit warnen, dass der Vorfall die Verletzlichkeit moderner Städte zeigt. «Ein einziger Baggerunfall kann das Leben von zehntausenden Menschen beeinträchtigen», erklärt Dr. Claudia Werner vom Institut für Städtebau. «Wir müssen unsere kritische Infrastruktur besser schützen und Notfallpläne verbessern.»
Der Senat kündigte an, den Vorfall gründlich aufzuarbeiten und Lehren daraus zu ziehen. Ein Expertengremium soll Vorschläge erarbeiten, wie Berlin bei künftigen Stromausfällen schneller reagieren kann. Auch präventive Maßnahmen wie bessere Kennzeichnung unterirdischer Leitungen und strengere Vorschriften bei Bauarbeiten werden geprüft.
Für die Bürger von Köpenick ist die Zusage der Kostenübernahme eine Erleichterung. «Es ist gut zu wissen, dass die Stadt uns nicht im Stich lässt», sagt Rentnerin Helga Krause, die zwei Nächte im Hotel verbringen musste. «Der Stromausfall hat gezeigt, wie abhängig wir von Elektrizität sind. Ohne Heizung, Licht und warmes Wasser fühlt man sich hilflos.»
Die Erfahrungen aus Köpenick sollen nun in die Katastrophenschutzplanung der Hauptstadt einfließen. Notunterkünfte, mobile Stromgeneratoren und bessere Kommunikationsstrukturen stehen auf der Agenda des Senats. Auch die Zusammenarbeit zwischen Energieversorgern, Behörden und Hilfsorganisationen soll verbessert werden.
«Berlin lernt aus dieser Krise», versichert Innensenator Andreas Geisel. «Wir werden besser vorbereitet sein, wenn so etwas wieder passiert.»