Ein gezielter Brandanschlag auf wichtige Strominfrastruktur hat am Dienstagmorgen rund 45.000 Berliner Haushalte im Südosten der Stadt in Dunkelheit gestürzt. Die Polizei geht von einem politisch motivierten Anschlag aus, zu dem sich eine linksextremistische Gruppe bekannt hat.
Der Vorfall begann gegen 3:15 Uhr in der Nacht, als ein Feuer an einem Strommast im Berliner Ortsteil Adlershof entdeckt wurde. Die Feuerwehr konnte den Brand zwar löschen, jedoch waren da bereits schwere Schäden an der kritischen Infrastruktur entstanden. Betroffen waren die Stadtteile Köpenick, Bohnsdorf, Grünau und Teile von Treptow-Köpenick.
«Dieser Angriff zeigt eine neue Qualität politisch motivierter Gewalt gegen unsere Grundversorgung», erklärte Innensenatorin Iris Spranger bei einer eilig einberufenen Pressekonferenz. «Die Sicherheitsbehörden arbeiten mit Hochdruck an der Aufklärung dieses Vorfalls.»
Auf einer einschlägigen Internetplattform tauchte am Vormittag ein Bekennerschreiben auf, in dem eine bisher unbekannte Gruppe namens «Revolutionäre Zelle – Stromabschaltung» die Verantwortung übernimmt. Als Motiv wird der Protest gegen die «kapitalistische Stadtentwicklung und Verdrängung» genannt.
Die Stromversorgung konnte für etwa 30.000 Haushalte bis zum Mittag wiederhergestellt werden. Rund 15.000 Haushalte mussten jedoch bis zum frühen Abend ohne Elektrizität auskommen. Die Netzbetreiber Stromnetz Berlin GmbH hatte Notstromaggregate zu wichtigen Einrichtungen wie Pflegeheimen und Krankenhäusern gebracht.
Anwohner berichten von erheblichen Beeinträchtigungen. «Mein Kühlschrank ist aufgetaut, die Lebensmittel musste ich wegwerfen», erzählte die 68-jährige Rentnerin Gisela Müller aus Köpenick. «Und ohne Aufzug komme ich aus meiner Wohnung im 7. Stock kaum raus.»
Für viele Berliner weckt der Vorfall Erinnerungen an den großen Stromausfall in Köpenick im Februar 2019, bei dem rund 30.000 Haushalte bis zu 36 Stunden ohne Strom waren. Damals war der Ausfall allerdings durch einen Baggerunfall bei Bauarbeiten verursacht worden.
Der Berliner Senat hat eine Sondersitzung des Sicherheitsausschusses einberufen. Bürgermeister Kai Wegner verurteilte den Anschlag scharf: «Wer unsere kritische Infrastruktur angreift, greift unser aller Sicherheit an. Das werden wir nicht hinnehmen.»
Experten für Infrastruktursicherheit sehen in dem Vorfall ein Warnsignal. «Die Verletzlichkeit unserer Stromversorgung ist seit langem bekannt», erklärte Prof. Dr. Rainer Schmidt von der TU Berlin. «Dieser Fall zeigt, dass gezielte Angriffe mit einfachen Mitteln große Auswirkungen haben können.»
Die Polizei hat eine Sonderkommission eingerichtet und bittet Zeugen um Hinweise. Der Staatsschutz hat die Ermittlungen übernommen. Nach Angaben der Sicherheitsbehörden wird mit einem Schaden in Millionenhöhe gerechnet.
In den betroffenen Stadtteilen hat die Bezirksverwaltung Notfallzentren eingerichtet, in denen Anwohner Trinkwasser, Lademöglichkeiten für Mobiltelefone und Informationen erhalten können. Schulen und Kitas in den betroffenen Gebieten blieben geöffnet, arbeiteten jedoch teilweise mit Einschränkungen.
Solche gezielten Angriffe auf Infrastruktur gelten als besonders besorgniserregend, weil sie mit relativ geringem Aufwand große Störungen des öffentlichen Lebens verursachen können. Die Sicherheitsbehörden prüfen nun, ob zusätzliche Schutzmaßnahmen für kritische Infrastrukturanlagen in Berlin notwendig sind.