Ein großflächiger Stromausfall hat den Berliner Südwesten seit Sonntagabend in eine schwierige Lage versetzt. Besonders betroffen sind Familien mit Schulkindern in den Bezirken Steglitz-Zehlendorf und Teilen von Charlottenburg-Wilmersdorf. Viele Schulen und Kitas müssen zu Wochenbeginn geschlossen bleiben oder können nur eine Notbetreuung anbieten.
Der Stromausfall begann am späten Sonntagabend nach einem Brand in einem Umspannwerk und betrifft rund 50.000 Haushalte. Die Reparaturarbeiten gestalten sich komplizer als zunächst angenommen. Nach aktuellen Angaben des Energieversorgers Stromnetz Berlin könnte es bis Mittwoch dauern, bis die Versorgung vollständig wiederhergestellt ist.
Die Bildungsverwaltung und der Bezirk Steglitz-Zehlendorf haben bereits reagiert. In einer gemeinsamen Mitteilung empfehlen sie Eltern, ihre Kinder wenn möglich zu Hause zu lassen oder alternative Betreuungsmöglichkeiten zu finden. Schulen und Kitas ohne Strom können oft weder angemessene Lernbedingungen noch sichere Betreuung garantieren.
«Die Situation stellt uns vor enorme Herausforderungen», erklärt Bezirksstadträtin Carolina Böhm. «Ohne Strom fehlt nicht nur die Beleuchtung, sondern auch warmes Wasser, Heizung und in vielen Fällen die komplette Küchentechnik für die Essensversorgung.»
Für Familien ohne alternative Betreuungsmöglichkeiten versuchen einige Schulen, eine Notbetreuung einzurichten. Diese findet teilweise in benachbarten Gebäuden statt, die nicht vom Stromausfall betroffen sind. Die John-F.-Kennedy-Schule und das Arndt-Gymnasium haben beispielsweise Räume in anderen Schulgebäuden organisiert, um zumindest eine Grundversorgung anzubieten.
Die Schulen kommunizieren über ihre Webseiten und Messenger-Dienste mit den Eltern, soweit dies unter den gegebenen Umständen möglich ist. Viele Eltern stehen jedoch vor erheblichen Problemen, da sie kurzfristig neue Betreuungslösungen finden müssen.
«Ich weiß nicht, wie ich das diese Woche organisieren soll», berichtet Maria Schmidt, Mutter zweier Grundschulkinder aus Zehlendorf. «Mein Mann und ich arbeiten beide Vollzeit, und unsere Eltern wohnen nicht in Berlin.»
Der Bezirk hat einen Krisenstab eingerichtet und arbeitet eng mit den Energieversorgern zusammen. Notfallnummern wurden geschaltet, um besonders hilfsbedürftige Menschen zu unterstützen. In einigen öffentlichen Gebäuden mit Notstromversorgung wurden Aufwärmstuben eingerichtet, wo Bürger ihre elektronischen Geräte aufladen und warme Getränke bekommen können.
Besonders betroffen sind auch ältere und kranke Menschen, die auf elektrische Geräte angewiesen sind. Das Deutsche Rote Kreuz und andere Hilfsorganisationen haben zusätzliche Helfer mobilisiert, um in den betroffenen Gebieten Unterstützung anzubieten.
Die Berliner Verkehrsbetriebe melden zudem Einschränkungen im öffentlichen Nahverkehr. Mehrere Buslinien können nicht wie gewohnt verkehren, da Ampeln ausgefallen sind und einige Straßen gesperrt wurden.
Der Berliner Senat hat zu Solidarität in der Nachbarschaft aufgerufen. «In solchen Situationen zeigt sich der Zusammenhalt einer Stadtgemeinschaft», betont Schulsenatorin Katharina Günther-Wünsch. «Wir bitten alle, die können, Nachbarn mit Kindern oder hilfsbedürftigen Personen zu unterstützen.»
Wie lange die Situation noch andauern wird, ist derzeit unklar. Die Techniker arbeiten mit Hochdruck an der Behebung des Schadens. Alle betroffenen Einrichtungen und Familien werden gebeten, sich regelmäßig über die aktuellen Entwicklungen zu informieren und Vorsichtsmaßnahmen zu treffen.
Für viele Familien im Berliner Südwesten beginnt die neue Woche damit unter erschwerten Bedingungen – und mit der Hoffnung, dass bald wieder Normalität einkehren wird.