Stromausfall im Berliner Südwesten: Über 200.000 Menschen seit Stunden ohne Strom
Ein massiver Stromausfall legt seit heute Morgen große Teile des Berliner Südwestens lahm. Laut Angaben der Berliner Stadtwerke sind rund 210.000 Menschen in den Bezirken Steglitz-Zehlendorf, Tempelhof-Schöneberg und Teilen von Charlottenburg-Wilmersdorf betroffen. Viele Geschäfte, Schulen und Behörden mussten schließen, der Verkehr ist erheblich gestört.
«Wir arbeiten mit Hochdruck an der Behebung des Problems, aber es handelt sich um einen komplexen Schaden an einem wichtigen Umspannwerk in Steglitz», erklärte Stadtwerke-Sprecherin Claudia Meier. Der Ausfall begann gegen 6:30 Uhr und könnte nach ersten Schätzungen noch bis in die Abendstunden andauern.
Umfassende Auswirkungen auf das öffentliche Leben
Die Folgen des Stromausfalls sind weitreichend. In den betroffenen Gebieten stehen U-Bahnen still, Ampeln funktionieren nicht, und viele Geschäfte bleiben geschlossen. Das Universitätsklinikum Benjamin Franklin arbeitet mit Notstromaggregaten, während kleinere Arztpraxen ihre Patienten nach Hause schicken mussten.
«Ich stehe seit zwei Stunden im Stau, weil keine einzige Ampel funktioniert», berichtet der Steglitzer Anwohner Martin Krause. «Die Polizei versucht, den Verkehr zu regeln, aber es herrscht komplettes Chaos.»
Besonders problematisch ist die Situation für ältere und pflegebedürftige Menschen. Das Seniorenwohnheim «Abendsonne» in Zehlendorf musste Notfallpläne aktivieren. «Unsere Aufzüge funktionieren nicht, und wir müssen sicherstellen, dass medizinische Geräte weiterlaufen», berichtet Heimleiterin Sabine Winter.
Technische Ursache und Krisenmanagement
Nach ersten Erkenntnissen der Stadtwerke wurde der Stromausfall durch einen Brand im Umspannwerk Steglitz ausgelöst. «Es handelt sich um einen technischen Defekt in einer Hauptleitung, der zu einer Überlastung und schließlich zu einem Brand führte», erklärt Netzwerkingenieur Thomas Berger.
Die Berliner Feuerwehr ist mit mehreren Einheiten im Einsatz. «Wir haben den Brand unter Kontrolle gebracht, aber die Reparaturarbeiten an der Elektrik werden Zeit brauchen», sagt Einsatzleiter Jörg Wiesner.
Die Bezirksämter haben Notfallzentren eingerichtet. In der Sporthalle der Paul-Natorp-Schule in Schöneberg und im Rathaus Zehlendorf können Bürger Informationen erhalten und ihre Mobilgeräte aufladen.
Kritik an der städtischen Infrastruktur wird laut
Der großflächige Stromausfall befeuert die Debatte um die alternde Infrastruktur Berlins. «Dieser Vorfall zeigt einmal mehr, wie dringend wir in unsere Stromnetze investieren müssen», kritisiert Stadtentwicklungsexpertin Prof. Dr. Mareike Schulz von der Technischen Universität Berlin.
Die Bürgerinitiative «Zukunftsfähiges Berlin» fordert schon lange eine Modernisierung der Energieinfrastruktur. «Wir warnen seit Jahren vor genau solchen Szenarien», sagt Sprecher Daniel Hoffmann. «In einer digitalen Gesellschaft ist ein stabiles Stromnetz lebenswichtig.»
Bürger helfen sich gegenseitig
Inmitten des Chaos zeigen viele Berliner Solidarität. In der Schloßstraße haben Anwohner eine improvisierte Teeküche aufgebaut, um Passanten mit heißen Getränken zu versorgen. Mehrere Cafés, die über Notstromaggregate verfügen, bieten kostenlose Ladestationen an.
«Es ist beeindruckend, wie die Menschen zusammenhalten», berichtet Kiez-Aktivistin Leyla Yilmaz. «Ein Nachbar hat seinen Diesel-Generator aufgestellt, damit die Leute aus der Umgebung ihre Handys laden können.»
Die Polizei meldet bisher keine größeren Zwischenfälle, hat aber ihre Präsenz in den betroffenen Gebieten verstärkt. «Wir sind mit zusätzlichen Streifen unterwegs und helfen, wo wir können», erklärt Polizeisprecherin Katrin Neumann.
Ausblick und Empfehlungen
Die Stadtwerke hoffen, bis zum Abend zumindest Teile des betroffenen Gebiets wieder mit Strom versorgen zu können. «Wir arbeiten mit einem Stufenplan. Priorität haben kritische Infrastrukturen wie Krankenhäuser und Pflegeheime», so Stadtwerke-Vorstand Michael Lehmann.
Bis zur vollständigen Behebung empfehlen die Behörden:
- Unnötige Fahrten in die betroffenen Gebiete vermeiden
- Elektrische Geräte vom Netz nehmen, um Schäden beim Wiedereinspeisen zu verhindern
- Nachbarn unterstützen, besonders ältere und hilfsbedürftige Menschen
- Batteriebetriebene Radios nutzen, um sich über den aktuellen Stand zu informieren
- Ruhe bewahren und Notrufe nur in echten Notfällen tätigen
Die Krisenstäbe der Bezirke und des Senats tagen fortlaufend und informieren über die sozialen Medien und Aushänge an den Notfallzentren über die weitere Entwicklung.