Ein plötzlicher Wintereinbruch hat Berlin in ein weißes Chaos verwandelt. Das Sturmtief, das seit gestern über die Hauptstadt zieht, brachte erhebliche Schneemengen mit sich und legte weite Teile des öffentlichen Lebens lahm.
In der Nacht fielen etwa 15 Zentimeter Neuschnee, was für Berlin ungewöhnlich viel ist. Die Temperaturen sanken auf minus drei Grad. Die Kombination aus Schneefall und starken Windböen führte zu gefährlichen Straßenverhältnissen und erheblichen Verkehrsbehinderungen im gesamten Stadtgebiet.
«So einen plötzlichen Wintereinbruch haben wir seit Jahren nicht erlebt», erklärt Meteorologe Thomas Weber vom Deutschen Wetterdienst. «Die Intensität hat viele überrascht, obwohl wir bereits seit Tagen vor dem Sturmtief gewarnt hatten.»
Die Berliner Verkehrsbetriebe melden massive Einschränkungen. Auf mehreren U-Bahn-Linien kommt es zu Verspätungen, die Busse fahren nur eingeschränkt. Besonders betroffen sind die Außenbezirke, wo einige Straßen komplett unpassierbar sind. Die S-Bahn kämpft mit vereisten Weichen und umgestürzten Bäumen auf den Gleisen.
Am Flughafen BER mussten etwa 60 Flüge gestrichen werden. Die Räumfahrzeuge kommen mit der Schneeräumung kaum hinterher. «Wir arbeiten seit den frühen Morgenstunden im Dauereinsatz», sagt Flughafensprecher Hans Müller. «Unsere Teams geben alles, um den Flugbetrieb aufrechtzuerhalten.»
Die Berliner Stadtreinigung hat alle verfügbaren Kräfte mobilisiert. 450 Mitarbeiter sind mit 210 Fahrzeugen im Einsatz, um die wichtigsten Verkehrsadern freizuhalten. «Wir konzentrieren uns zunächst auf die Hauptstraßen und den öffentlichen Nahverkehr», erklärt Einsatzleiter Frank Schulz. «Nebenstraßen müssen leider warten.»
In den Krankenhäusern steigt die Zahl der Patienten mit Verletzungen durch Stürze auf glatten Gehwegen. Das Unfallkrankenhaus Berlin meldet einen Anstieg von etwa 30 Prozent gegenüber normalen Wintertagen.
«Bitte bleiben Sie zu Hause, wenn es nicht unbedingt nötig ist, rauszugehen», appelliert Berlins Innensenatorin Iris Spranger an die Bevölkerung. «Unsere Einsatzkräfte tun ihr Bestes, aber die Lage ist angespannt.»
Die Feuerwehr hatte seit Mitternacht über 300 Einsätze zu bewältigen, hauptsächlich wegen umgestürzter Bäume und abgebrochener Äste. In Lichtenberg wurde eine Frau leicht verletzt, als ein Ast auf ihr Auto fiel.
Nicht nur der Verkehr ist betroffen. In einigen Bezirken kam es zu Stromausfällen, als schneebeladene Äste auf Stromleitungen stürzten. Besonders in Köpenick und Teilen von Treptow waren mehrere tausend Haushalte zeitweise ohne Strom.
Die Schulen in Berlin bleiben heute geöffnet, aber viele Eltern entschieden sich, ihre Kinder zu Hause zu lassen. «Die Sicherheit geht vor», sagt Schulleiterin Martina Krause von der Gustav-Falke-Grundschule in Wedding. «Wir haben Verständnis für alle Eltern, die ihre Kinder heute nicht schicken.»
Für die Obdachlosen in der Stadt ist die Situation besonders gefährlich. Die Kältehilfe hat zusätzliche Notunterkünfte eingerichtet. «Alle Betten sind belegt», berichtet Sozialarbeiter Michael Kraft. «Wir verteilen warme Getränke und Schlafsäcke an diejenigen, die trotzdem draußen bleiben.»
Während die meisten Berliner mit den Unannehmlichkeiten kämpfen, genießen einige den unerwarteten Winterzauber. In Parks und auf freien Flächen haben sich spontan Schlittenfahrer und Schneemann-Bauer eingefunden. Im Volkspark Friedrichshain nutzen mutige Wintersportler die schneebedeckten Hügel zum Rodeln.
«Es ist doch mal eine schöne Abwechslung», meint die 67-jährige Rentnerin Helga Schmidt, während sie ihren Enkel beim Schlittenfahren beobachtet. «Man muss das Beste daraus machen.»
Laut Wettervorhersage soll der Schneefall heute Nachmittag nachlassen, doch die Temperaturen bleiben frostig. «Für die kommenden Tage erwarten wir Dauerfrost«, sagt Meteorologe Weber. «Der Schnee wird uns also noch eine Weile erhalten bleiben.»
Die Verkehrsbetriebe und die Stadtreinigung bereiten sich auf weitere anstrengende Tage vor. «Wir werden rund um die Uhr im Einsatz sein», versichert Einsatzleiter Schulz. «Aber ich bitte um Geduld – bei diesen Mengen kann nicht alles sofort geräumt werden.»
Die Polizei rät allen Verkehrsteilnehmern zu besonderer Vorsicht: Winterreifen sind Pflicht, Abstand halten lebenswichtig und unnötige Fahrten sollten vermieden werden.
Für aktuelle Informationen empfiehlt die Senatsverwaltung, die Webseite der BVG und die sozialen Medien der Berliner Behörden im Auge zu behalten.