Die Stuttgarter Stadtlandschaft wird in den kommenden Jahren um ein architektonisches Highlight reicher. Der Gemeinderat hat den Bau eines neuen «Hauses für Film und Medien» beschlossen, das im Europaviertel entstehen soll. Das Projekt mit Baukosten von 115 Millionen Euro verspricht, die Medienlandschaft der Landeshauptstadt grundlegend zu verändern.
«Wir schaffen einen zentralen Ort für Kreative und setzen ein Zeichen für die Bedeutung der Kultur- und Kreativwirtschaft in Stuttgart», erklärt Oberbürgermeister Frank Nopper bei der Vorstellung des Projekts. Der Neubau soll verschiedene Medieninstitutionen unter einem Dach vereinen und als Begegnungsstätte für Filmschaffende, Journalisten und Medienproduzenten dienen.
Auf sieben Etagen und rund 11.000 Quadratmetern werden unter anderem das Filmbüro Baden-Württemberg, die Filmakademie und mehrere Medienwerkstätten einziehen. Herzstück des Gebäudes wird ein modernes Kino mit 250 Plätzen sein, das sowohl für Filmvorführungen als auch für Veranstaltungen genutzt werden kann.
Das Projekt stößt jedoch nicht überall auf Begeisterung. Die hohen Kosten haben im Gemeinderat für intensive Diskussionen gesorgt. «In Zeiten knapper Kassen müssen wir jede Investition kritisch hinterfragen», betont Stadtrat Thomas Weber von der CDU-Fraktion. Dennoch überwog bei der Abstimmung die Überzeugung, dass das Medienhaus ein wichtiger Baustein für die kulturelle und wirtschaftliche Entwicklung der Stadt ist.
Die Kreativbranche in Stuttgart umfasst derzeit etwa 900 Unternehmen mit rund 7.500 Beschäftigten und erwirtschaftet einen jährlichen Umsatz von über 800 Millionen Euro. «Mit dem neuen Medienhaus stärken wir diesen Wirtschaftszweig nachhaltig», erläutert Wirtschaftsbürgermeister Thomas Fuhrmann. Studien zeigen, dass solche Kreativzentren als Katalysatoren für Innovation wirken und weitere Unternehmen anziehen können.
Besonders positiv bewerten viele Filmschaffende die geplanten Arbeitsmöglichkeiten. «Endlich bekommen wir Räume, in denen wir zusammenarbeiten, uns austauschen und gemeinsam Projekte entwickeln können», freut sich Filmemacherin Lisa Müller vom Verband der Filmschaffenden Baden-Württemberg. Die offene Struktur des Gebäudes mit flexiblen Arbeitsbereichen, Studios und Schnittplätzen soll die Vernetzung fördern.
Der Standort im Europaviertel, unweit des Hauptbahnhofs und direkt an der Stadtbibliothek, wurde bewusst gewählt. «Wir schaffen ein Kultur- und Medienquartier, das die Stadtentwicklung positiv beeinflussen wird», erklärt Baubürgermeister Peter Pätzold. Die Nähe zu anderen kulturellen Einrichtungen wie der Bibliothek soll Synergieeffekte schaffen.
Architekt Daniel Libeskind, der den Wettbewerb für den Entwurf gewonnen hat, plant ein auffälliges Gebäude mit einer markanten Glasfassade. «Das Haus für Film und Medien wird ein architektonisches Statement setzen und die dynamische Entwicklung der Medienbranche widerspiegeln», beschreibt Libeskind seine Vision.
Kritisch sehen manche Bürger die Prioritätensetzung. «Während in manchen Stadtteilen Schulen und Kindergärten sanierungsbedürftig sind, fließen die Millionen in ein prestigeträchtiges Projekt», bemängelt Anwohnerin Heike Schmidt bei einer Bürgerversammlung. Die Stadtverwaltung betont jedoch, dass das Medienhaus langfristig auch wirtschaftliche Vorteile für die gesamte Stadt bringen werde.
Der Baubeginn ist für Frühjahr 2024 geplant, die Fertigstellung für Ende 2026. Während der Bauphase will die Stadt die Anwohner durch regelmäßige Informationsveranstaltungen einbeziehen. «Wir nehmen die Bedenken ernst und werden versuchen, die Belastungen so gering wie möglich zu halten», verspricht Baubürgermeister Pätzold.
Mit dem Haus für Film und Medien setzt Stuttgart auf eine zukunftsorientierte Infrastruktur, die Kreative anzieht und vorhandene Talente in der Region hält. Ob sich die hohe Investition langfristig auszahlt, wird sich in den kommenden Jahren zeigen. Fest steht: Die Medienlandschaft der Landeshauptstadt wird sich durch dieses ambitionierte Projekt grundlegend verändern.