In Stuttgart-Ost zeigte sich an Heiligabend, wie stark der Zusammenhalt in der Nachbarschaft sein kann. Als ein Brand im Keller eines Mehrfamilienhauses ausbrach, rückten zahlreiche Einsatzkräfte der Feuerwehr aus. Was als gefährlicher Notfall begann, endete in einer besonderen Geste der Dankbarkeit.
Am 24. Dezember wurden die Bewohner eines Mehrfamilienhauses im Stuttgarter Osten durch einen Kellerbrand aus ihrem Weihnachtsfrieden gerissen. Der Rauch breitete sich schnell im Treppenhaus aus, was die Situation besonders gefährlich machte. Die alarmierte Feuerwehr rückte mit einem Großaufgebot an.
«Als wir ankamen, war das Treppenhaus bereits stark verraucht. Unser erstes Ziel war es, die Bewohner in Sicherheit zu bringen und dann den Brandherd zu lokalisieren», erklärt Einsatzleiter Michael Reuter von der Stuttgarter Feuerwehr.
Die Einsatzkräfte konnten den Brand nach intensiven Löscharbeiten unter Kontrolle bringen. Glücklicherweise wurde niemand verletzt, aber die Feuerwehrleute mussten viele Stunden vor Ort bleiben, um Glutnester aufzuspüren und die Sicherheit des Gebäudes zu gewährleisten.
Weihnachtsmenü für die Helfer
Was dann geschah, berührte die erschöpften Einsatzkräfte: Anwohner aus der Nachbarschaft, die vom Einsatz erfahren hatten, brachten den Feuerwehrleuten spontan Teile ihres Weihnachtsessens vorbei.
«Plötzlich standen Nachbarn mit Tupperdosen voller Braten, Knödel und Plätzchen vor uns. Eine Familie brachte sogar eine große Thermoskanne mit Glühwein», berichtet Feuerwehrmann Thomas Weber. «So etwas erleben wir nicht oft, besonders nicht an Heiligabend, wenn alle eigentlich mit ihren Familien feiern.»
Die Bewohner des betroffenen Hauses und Nachbarn aus umliegenden Gebäuden hatten sich abgesprochen und gemeinsam entschieden, ihre Weihnachtsessen zu teilen. «Die Feuerwehrleute müssen an Weihnachten arbeiten, um uns zu schützen. Da war es für uns selbstverständlich, etwas zurückzugeben», sagt Anwohnerin Maria Schmidt.
Dankbarkeit auf beiden Seiten
Für die Einsatzkräfte, die eigentlich mit einem besonders belastenden Dienst an Heiligabend gerechnet hatten, wurde es ein unvergesslicher Moment. «Nach stundenlanger harter Arbeit im Rauch und mit schwerer Ausrüstung war dieses spontane Weihnachtsessen wie ein Geschenk», erklärt Weber.
Der Einsatzleiter der Feuerwehr Stuttgart betont, wie wichtig solche Gesten für die Motivation der Mannschaft sind: «Unsere Leute rücken an allen Tagen im Jahr aus, auch an Feiertagen. Zu sehen, dass die Bürger unsere Arbeit wertschätzen, gibt uns viel Kraft.»
Nach Angaben der Feuerwehr Stuttgart entstand bei dem Brand ein Sachschaden von etwa 50.000 Euro. Die Brandursache wird noch untersucht, erste Erkenntnisse deuten auf einen technischen Defekt hin.
Gemeinschaftsgefühl in der Krise
Dieser Vorfall zeigt, wie Krisen Menschen zusammenbringen können. In einer Zeit, in der viele über schwindenden gesellschaftlichen Zusammenhalt klagen, demonstrierte die Nachbarschaft in Stuttgart-Ost, dass Gemeinschaftssinn noch immer lebendig ist.
«In der Not rücken Menschen zusammen. Diese spontane Aktion hat nicht nur den Feuerwehrleuten geholfen, sondern auch uns als Nachbarschaft verbunden», berichtet Schmidt. «Einige von uns kannten sich vorher kaum, haben sich aber beim Zusammenstellen des Essens kennengelernt.»
Die Feuerwehr Stuttgart bedankte sich über ihre Social-Media-Kanäle für die außergewöhnliche Unterstützung und erhielt daraufhin zahlreiche positive Kommentare. «Solche Momente erinnern uns alle daran, warum wir diesen Beruf gewählt haben», sagt Einsatzleiter Reuter.
Für die Bewohner des betroffenen Hauses war der Brand zwar ein Schock am Weihnachtsfest, doch die spontane Hilfsbereitschaft und das Gemeinschaftsgefühl brachten auch etwas Licht in diesen schwierigen Tag.