In den neuen Räumlichkeiten an der Bottroper Straße herrscht geschäftiges Treiben. Die Essener Tafel hat nach ihrem Umzug Anfang 2024 ihre Kapazitäten deutlich erweitert und kann nun täglich rund 150 Menschen mehr mit Lebensmitteln versorgen. Das bedeutet konkret: Statt bisher 600 können jetzt etwa 750 bedürftige Menschen pro Tag Unterstützung erhalten.
«Der Umzug war eine logistische Herausforderung, aber er hat sich gelohnt», erklärt Jörg Sartor, Vorsitzender der Essener Tafel. «In den alten Räumen in der Steeler Straße stießen wir regelmäßig an unsere Grenzen. Hier haben wir nicht nur mehr Platz für die Lebensmittelausgabe, sondern auch bessere Kühlmöglichkeiten und einen reibungsloseren Ablauf.»
Die neuen Räumlichkeiten bieten mit 550 Quadratmetern fast doppelt so viel Fläche wie der alte Standort. Dies ermöglicht eine effizientere Lagerung der gespendeten Waren und verkürzt die Wartezeiten für die Bedürftigen erheblich. Statt wie früher teilweise über eine Stunde anzustehen, sind die Abläufe nun deutlich beschleunigt.
Besonders wichtig ist dies angesichts der steigenden Nachfrage. Die Zahl der Menschen, die auf die Unterstützung der Tafel angewiesen sind, hat in den letzten zwei Jahren in Essen um fast 30 Prozent zugenommen. Die Gründe dafür sind vielfältig: steigende Lebenshaltungskosten, wachsende Energiepreise und die allgemeine Inflation setzen viele Haushalte mit geringem Einkommen unter Druck.
«Wir sehen immer mehr Rentner, aber auch Alleinerziehende und sogar Menschen mit Jobs, die am Ende des Monats nicht mehr wissen, wie sie Essen auf den Tisch bringen sollen», berichtet Ehrenamtlerin Maria Schmidt, die seit fünf Jahren bei der Tafel mithilft. «Der neue Standort hilft uns, dieser wachsenden Gruppe besser zu dienen.»
Die verbesserte Infrastruktur kommt auch den rund 120 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern zugute, die das Herz der Essener Tafel bilden. Die Arbeitsabläufe sind nun ergonomischer gestaltet, die Wege kürzer und die Arbeitsbedingungen insgesamt angenehmer.
Die Stadt Essen hat den Umzug mit einem Zuschuss von 50.000 Euro unterstützt. «Die Tafel leistet unverzichtbare Arbeit für unsere Stadt», betont Sozialdezernent Peter Fischer. «Mit der neuen Unterkunft können wir sicherstellen, dass mehr Menschen in Not Unterstützung erhalten.»
Doch trotz der Verbesserungen bleibt die Situation angespannt. Die Menge der Lebensmittelspenden hält nicht immer mit dem steigenden Bedarf Schritt. «Wir benötigen dringend weitere Unterstützung», appelliert Sartor. «Ob Geldspenden, Lebensmittel oder Zeit – jede Hilfe zählt.»
Besonders gefragt sind haltbare Lebensmittel wie Konserven, Nudeln, Reis und Mehl. Aber auch frisches Obst und Gemüse sowie Milchprodukte werden dringend benötigt. Lokale Supermärkte und Bäckereien gehören zu den wichtigsten Unterstützern, doch auch Privatpersonen können helfen.
Ein weiterer positiver Aspekt des neuen Standorts ist die zentrale Lage mit guter Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr. Dies erleichtert vielen Bedürftigen den Zugang zur Tafel erheblich. «Für viele unserer Nutzer ist selbst das Geld für Fahrkarten knapp», erklärt Sartor. «Die gute Erreichbarkeit macht einen großen Unterschied.»
Die Essener Tafel plant für die kommenden Monate zusätzliche Angebote in den neuen Räumlichkeiten. Neben der reinen Lebensmittelausgabe sollen künftig auch Beratungsangebote zu Themen wie Energiesparen, gesunde Ernährung und finanzielle Hilfen angeboten werden.
«Wir verstehen uns nicht nur als Lebensmittelversorger, sondern auch als Ort der Begegnung und Unterstützung», betont Sartor. «Die Tafel ist für viele nicht nur eine Notwendigkeit, sondern auch ein sozialer Anker.»