Nach wochenlanger Kälte sorgt plötzliches Tauwetter in Hamburg für überschwemmte Keller, vollgelaufene Straßen und herabfallende Eiszapfen. Die Hamburger Feuerwehr verzeichnet seit gestern über 120 Einsätze im gesamten Stadtgebiet.
«Wir arbeiten seit 36 Stunden im Dauerbetrieb,» erklärt Einsatzleiter Markus Weber. «Der schnelle Temperaturanstieg von minus 8 auf plus 10 Grad innerhalb weniger Tage hat zu massiven Problemen geführt.» Besonders betroffen sind die tiefer gelegenen Stadtteile wie Hammerbrook und Wilhelmsburg, wo das Schmelzwasser nicht schnell genug abfließen kann.
In Barmbek musste ein Mehrfamilienhaus evakuiert werden, nachdem schmelzendes Eis einen Wasserschaden im Dachgeschoss verursacht hatte. Das Wasser drang bis in die unteren Stockwerke vor. «Das Haus ist vorerst unbewohnbar,» berichtet Feuerwehrsprecher Jan Meier. «Wir haben 17 Personen vorübergehend in einer nahegelegenen Turnhalle untergebracht.»
Auch in Altona sorgen verstopfte Dachrinnen und Abflüsse für Probleme. Anwohnerin Sabine Krüger berichtet: «Ich habe morgens bemerkt, dass Wasser durch die Decke kam. Innerhalb einer Stunde stand mein Flur unter Wasser.» Die Feuerwehr rät Hauseigentümern, Dachrinnen und Abflüsse regelmäßig zu kontrollieren und von Eis zu befreien.
Die Hamburger Hochbahn meldete Verzögerungen auf mehreren Buslinien, weil einige Strecken wegen Überflutung gesperrt werden mussten. Besonders die Linien 3 und 7 sind betroffen, mit Verspätungen von bis zu 25 Minuten.
Ein weiteres Problem: Eiszapfen und Schneemassen, die von Dächern stürzen. In der Innenstadt wurden drei Passanten leicht verletzt, als sich ein großer Eiszapfen vom Dach eines Geschäftshauses löste. Die Feuerwehr sperrt gefährdete Bereiche ab und entfernt mit Drehleitern gefährliche Eismassen von Dächern.
Das Bezirksamt Mitte hat einen Krisenstab eingerichtet. Bezirksamtsleiter Thomas Schmidt appelliert an die Bürger: «Bleiben Sie wachsam und melden Sie Gefahrenstellen. Parken Sie nicht unter Dachvorsprüngen und halten Sie sich nicht in der Nähe von Gebäuden auf, an denen Eiszapfen hängen.»
Die Stadtentwässerung Hamburg arbeitet mit Hochdruck daran, verstopfte Gullys freizulegen. «Wir haben zusätzliche Teams im Einsatz,» erklärt Sprecher Michael Lehmann. «Das Problem ist, dass viele Abflüsse noch mit Eis verstopft sind, während gleichzeitig große Mengen Schmelzwasser abgeleitet werden müssen.»
Meteorologe Jens Hoffmann vom Deutschen Wetterdienst warnt: «Die Lage könnte sich in den nächsten 24 Stunden noch verschärfen. Wir erwarten weitere 15 Millimeter Niederschlag, der auf den ohnehin durchweichten Boden trifft.»
Die Feuerwehr bittet Bürger, nur in wirklichen Notfällen die Notrufnummer 112 zu wählen. Für überflutete Keller und ähnliche Probleme wurde eine Sondernummer eingerichtet: 040-42851-4000.
Das ADAC empfiehlt Autofahrern besondere Vorsicht: «Auf den Straßen bildet sich vielerorts Schmelzwasser, das zu Aquaplaning führen kann. Reduzieren Sie die Geschwindigkeit und halten Sie größeren Abstand,» rät ADAC-Sprecherin Andrea Klein.
Für Obdachlose hat die Stadt zusätzliche Notunterkünfte geöffnet. Das Winternotprogramm wurde verlängert, um sicherzustellen, dass niemand im Nassen schlafen muss.
Die Feuerwehr rechnet damit, dass die Einsatzzahlen in den kommenden Tagen weiter steigen werden. «Wir haben alle verfügbaren Kräfte mobilisiert und stehen in engem Kontakt mit THW und anderen Hilfsorganisationen,» versichert Einsatzleiter Weber. «Die Hamburger können sich darauf verlassen, dass wir die Lage unter Kontrolle haben.»