In den frühen Morgenstunden des vergangenen Mittwochs wurde die Düsseldorfer Innenstadt zum Schauplatz einer beunruhigenden Gewalttat. Auf der Luegallee im beliebten Stadtteil Oberkassel fielen mehrere Schüsse auf ein Taxi. Der 33-jährige Fahrer erlitt schwere Verletzungen und befindet sich nach einer Notoperation mittlerweile außer Lebensgefahr. Die Polizei hat eine Mordkommission eingerichtet und geht nun einer brisanten Spur nach: Das Opfer soll der Neffe eines bekannten Drogenbarons sein.
«Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren», erklärt Polizeisprecherin Martina Förster. «Wir gehen von einer gezielten Tat aus, nicht von einem zufälligen Angriff auf einen Taxifahrer.» Diese Einschätzung sorgt für Erleichterung in der Taxibranche, die zunächst einen Angriff auf einen Kollegen während der Berufsausübung befürchtete.
Nach Informationen aus Ermittlerkreisen soll das Opfer verwandtschaftliche Beziehungen zu einem führenden Kopf der organisierten Drogenkriminalität unterhalten. Der Onkel des Verletzten gilt als wichtige Figur im internationalen Drogenhandel und ist den Behörden seit Jahren bekannt. Er verbüßt derzeit eine mehrjährige Haftstrafe in einem ausländischen Gefängnis.
Zeugenaussagen deuten darauf hin, dass mindestens zwei Personen an der Tat beteiligt waren. Sie sollen mit einem dunklen Fahrzeug vom Tatort geflüchtet sein. «Wir bitten Anwohner und Passanten, die in der Nacht zum Mittwoch zwischen 2 und 4 Uhr verdächtige Beobachtungen gemacht haben, sich dringend bei uns zu melden«, appelliert die Polizeisprecherin.
Die Luegallee, eine belebte Einkaufsstraße in Oberkassel, ist für solche Gewalttaten untypisch. «Hier spazieren tagsüber Familien mit Kindern, abends besuchen Menschen die Restaurants. Eine Schießerei passt überhaupt nicht zu diesem Viertel», sagt Andreas Weber, Inhaber eines Cafés in der Nähe des Tatorts. Die Anwohner zeigen sich beunruhigt, dass die Auseinandersetzungen im Drogenmilieu nun auch in ihrem Stadtteil ausgetragen werden.
Das Düsseldorfer Drogendezernat bestätigt einen Anstieg der Gewalt in diesem Bereich. «Wir beobachten seit einigen Monaten verstärkte Rivalitäten zwischen verschiedenen Gruppierungen», erklärt Kriminalhauptkommissar Thomas Schulz. «Der Kampf um Marktanteile im Rauschgifthandel wird zunehmend gewalttätiger ausgetragen.»
Der verletzte Taxifahrer war nach bisherigen Erkenntnissen nicht als aktiver Drogenhändler bekannt, könnte jedoch aufgrund seiner familiären Verbindungen ins Visier geraten sein. «In diesen Kreisen gilt oft das Prinzip der Sippenhaft. Wenn man an die Hauptfiguren nicht herankommt, nimmt man deren Angehörige ins Visier», erläutert ein Ermittler, der anonym bleiben möchte.
Oberbürgermeister Stephan Keller zeigte sich bestürzt: «Solche Gewalttaten haben in unserer Stadt keinen Platz. Wir werden alles tun, um die Sicherheit unserer Bürgerinnen und Bürger zu gewährleisten.» Die Polizei hat ihre Präsenz in Oberkassel verstärkt, um das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung zu stärken.
Für die Ermittler steht nun die Frage im Mittelpunkt, ob der Angriff mit aktuellen Konflikten im Drogenmilieu zusammenhängt. Eine Spurensicherung am Tatort hat mehrere Patronenhülsen sichergestellt. Das beschädigte Taxi wird derzeit kriminaltechnisch untersucht, um weitere Hinweise auf die Täter zu erlangen.
Die Taxizentrale Düsseldorf betont, dass der Vorfall nach derzeitigem Ermittlungsstand nicht mit der Tätigkeit als Taxifahrer in Verbindung steht. «Unsere Fahrerinnen und Fahrer können ihren Dienst wie gewohnt versehen. Es handelt sich um eine Auseinandersetzung im persönlichen Umfeld des Opfers», erklärt Geschäftsführer Rainer Müller.
Die Polizei bittet Zeugen, sich unter der Rufnummer 0211-8700 zu melden. Besonders wichtig sind Hinweise zum Fluchtfahrzeug und zu verdächtigen Personen, die sich vor oder nach der Tat in der Nähe der Luegallee aufgehalten haben.