Der sanfte Morgennebel liegt noch über den Straßen, während zwei junge Väter ihre Kinder zur Kita bringen. Zeit für Beruf und Familie – ein Luxus oder Notwendigkeit? Die aktuelle Debatte um das Teilzeitrecht in Deutschland bewegt Menschen quer durch alle Lebensbereiche. Während die Bundesregierung über Einschränkungen nachdenkt, regt sich Widerstand von Experten und Betroffenen gleichermaßen.
Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, warnt eindringlich vor übereilten Eingriffen. «Eine Einschränkung des Teilzeitrechts würde vor allem Frauen treffen und könnte dem Arbeitsmarkt mehr schaden als nützen», erklärt er im Gespräch mit dem Handelsblatt. Die Zahlen geben ihm recht: Fast 10 Millionen Menschen in Deutschland arbeiten in Teilzeit, die meisten davon Frauen mit Betreuungspflichten.
Meine Nachbarin Christina, Grafikdesignerin und Mutter zweier Kinder, hat ihre Erfahrung geteilt. «Ohne Teilzeit müsste ich ganz aufhören zu arbeiten. Die Betreuungsangebote reichen einfach nicht aus.» Diese Realität spiegelt sich in Studien wider, die zeigen, dass nicht «Lifestyle-Teilzeit» dominiert, sondern familiäre Verpflichtungen.
Statt das Teilzeitrecht einzuschränken, plädieren Wirtschaftsexperten für den Ausbau der Kinderbetreuung und flexiblere Arbeitsmodelle. Die Vier-Tage-Woche wird in ersten Unternehmen getestet. Vielleicht liegt die Lösung nicht in weniger Wahlfreiheit, sondern in mehr Möglichkeiten, Beruf und Privatleben in Einklang zu bringen. Eine gesellschaftliche Frage, die weit über die Wirtschaft hinausreicht.