Die Landshuter Allee in München gehört zu den am stärksten befahrenen Straßen der Stadt. Seit Anfang der Woche gilt dort wieder Tempo 50. Die erst vor einigen Monaten eingeführte Tempo-30-Regelung wurde aufgehoben. Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) hatte diese Entscheidung nach einer Überprüfung der Verkehrssituation getroffen.
An der vielbefahrenen Straße im Münchner Westen hatte die Stadtverwaltung im September 2023 Tempo 30 eingeführt. Ziel war es, die Luftqualität zu verbessern und die Stickoxid-Belastung zu senken. Doch die erhofften positiven Effekte blieben aus. Im Gegenteil: Die Maßnahme führte zu unerwarteten Problemen.
«Die Tempo-30-Regelung auf der Landshuter Allee hat nicht die gewünschten Ergebnisse gebracht», erklärte Oberbürgermeister Reiter bei der Bekanntgabe. «Wir haben festgestellt, dass der Verkehr nicht flüssiger wurde und die Schadstoffbelastung nicht wie erhofft gesunken ist.»
Die Entscheidung basiert auf umfangreichen Datenerhebungen des Referats für Klima- und Umweltschutz. Messungen zeigten, dass die Luftwerte sich nicht verbessert hatten. Gleichzeitig kam es zu mehr Staus und längeren Wartezeiten für die täglich etwa 110.000 Fahrzeuge, die die Straße nutzen.
Besonders betroffen waren auch die Busse des öffentlichen Nahverkehrs. «Die MVG meldete Verspätungen auf mehreren Linien, die durch die Landshuter Allee fahren», berichtet ein Sprecher der Stadtwerke München. «Das wirkte sich negativ auf den gesamten Fahrplan aus.»
Anwohner reagieren gemischt auf die Rückkehr zu Tempo 50. Maria Huber wohnt seit 15 Jahren an der Landshuter Allee und hatte auf eine dauerhafte Geschwindigkeitsbegrenzung gehofft: «Für uns bedeutet das wieder mehr Lärm, gerade nachts. Die drei Monate mit Tempo 30 waren spürbar ruhiger.»
Andererseits zeigen sich Pendler wie Stefan Müller erleichtert: «Mein Arbeitsweg hat sich in den letzten Monaten um fast 20 Minuten verlängert. Das summiert sich über die Woche zu viel verlorener Zeit.»
Die Stadt München betont, dass das Thema Luftreinhaltung weiterhin hohe Priorität genießt. Alternative Maßnahmen werden bereits geprüft. Dazu gehören verbesserte Ampelschaltungen, die Förderung emissionsarmer Fahrzeuge und der weitere Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs.
«Wir müssen intelligentere Lösungen finden, die sowohl der Umwelt als auch dem Verkehrsfluss zugutekommen», so Reiter. «Manchmal führen gut gemeinte Maßnahmen nicht zum Ziel. Dann müssen wir den Mut haben, sie zu korrigieren und neue Wege zu gehen.»
Die Rückkehr zu Tempo 50 ist bereits mit neuen Schildern markiert. Die Polizei kündigt an, in den kommenden Wochen verstärkt die Einhaltung der Geschwindigkeitsbegrenzung zu kontrollieren, da sich viele Autofahrer an das langsamere Tempo gewöhnt haben könnten.
Der Münchner Stadtrat will das Thema in seiner nächsten Sitzung nochmals diskutieren. Besonders die Fraktion der Grünen hatte sich für eine Beibehaltung von Tempo 30 ausgesprochen und kritisiert die Entscheidung des Oberbürgermeisters als «vorschnell und nicht nachhaltig».
Verkehrsexperten sehen den Fall der Landshuter Allee als Beispiel dafür, wie komplex Verkehrsplanung in Großstädten ist. «Es gibt keine Patentlösungen», erklärt Professor Michael Schmidt von der Technischen Universität München. «Jede Maßnahme muss sorgfältig auf ihre Wirkungen überprüft werden – manchmal sind die Ergebnisse überraschend.»