Die deutsche Hauptstadt steht kurz davor, sich einen prestigeträchtigen Platz im internationalen Radsportkalender zu sichern. Nach monatelangen Vorbereitungen befindet sich Berlins Bewerbung für den Tour de France-Start 2026 auf der Zielgeraden. Der Senat zeigt sich optimistisch, dass die weltberühmte Frankreich-Rundfahrt in zwei Jahren erstmals in Berlin starten könnte.
«Wir sind in sehr konstruktiven Gesprächen mit den Tour-Organisatoren», erklärt Sportsenatorin Franziska Giffey bei einem Pressetermin am Brandenburger Tor. «Die Signale stehen auf Grün. Berlin hat als internationale Sportmetropole alle Voraussetzungen für einen spektakulären Grand Départ.»
Sollte Berlin den Zuschlag erhalten, wäre es nach Köln (1965), Frankfurt am Main (1980), Berlin-West (1987), Düsseldorf (2017) und Hamburg (2021) die sechste deutsche Stadt, die als Austragungsort für den Start der Tour de France fungiert. Der sogenannte «Grand Départ» findet traditionell alle zwei bis drei Jahre außerhalb Frankreichs statt und gilt als begehrtes Sportevent.
Die Planungen für die Berliner Bewerbung laufen bereits seit 2023. Ein Organisationskomitee aus Vertretern des Senats, des Landessportbunds und der lokalen Radsportverbände hat ein umfassendes Konzept erarbeitet. Dieses sieht drei Etappen vor, die durch Berlin und Brandenburg führen würden.
Die erste Etappe könnte als Zeitfahren durch das Berliner Zentrum verlaufen – mit Start am Brandenburger Tor und Ziel am Olympiastadion. Die zweite Etappe würde die Fahrer durch die östlichen Bezirke und dann weiter nach Brandenburg führen. Für die dritte Etappe ist eine Route durch die Uckermark geplant, bevor das Peloton dann weiter nach Westen und schließlich nach Frankreich reist.
«Ein Tour-Start in Berlin wäre nicht nur ein sportliches Highlight, sondern auch ein wirtschaftlicher Gewinn für die ganze Region», betont Wirtschaftssenator Stefan Evers. Laut einer Machbarkeitsstudie könnten bis zu 500.000 Besucher zu dem Event anreisen, was einen Umsatz von etwa 150 Millionen Euro für die lokale Wirtschaft bedeuten würde.
Die Kosten für die Ausrichtung des Grand Départ werden auf rund 15 Millionen Euro geschätzt. Davon will das Land Berlin etwa zwei Drittel übernehmen, der Rest soll durch Sponsoren und Bundesmittel finanziert werden.
Im Berliner Abgeordnetenhaus gibt es breite Unterstützung für die Bewerbung. «Die Tour de France ist ein Weltereignis mit enormer Strahlkraft», sagt Dennis Buchner, sportpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion. «Mit dem Grand Départ können wir Berlin als Sportstadt weiter profilieren und gleichzeitig den Radverkehr in der Stadt fördern.»
Die endgültige Entscheidung über den Austragungsort des Grand Départ 2026 wird von der Tour-Organisation A.S.O. (Amaury Sport Organisation) voraussichtlich im Herbst dieses Jahres bekannt gegeben. Neben Berlin sind auch Amsterdam und Barcelona im Rennen.
Unterdessen laufen bereits die ersten Vorbereitungen für mögliche Straßensanierungen entlang der geplanten Streckenführung. «Wir wollen den Profis perfekte Bedingungen bieten und nutzen die Chance gleichzeitig, um die Radinfrastruktur nachhaltig zu verbessern», erklärt Verkehrssenatorin Ute Bonde.
Berlins Radsportfans zeigen sich begeistert von den Plänen. «Die Tour nach Berlin zu holen wäre ein Traum», sagt Thomas Müller, Vorsitzender des Berliner Radsportverbands. «Es würde dem Radsport in der Hauptstadt einen enormen Schub geben und vielleicht sogar den nächsten Jan Ullrich inspirieren.»
Falls der Zuschlag erteilt wird, plant der Senat ein umfangreiches Rahmenprogramm mit Radrennen für Amateure, Fahrradmessen und kulturellen Veranstaltungen rund um das Thema Fahrrad. Auch Schulen sollen eingebunden werden, um junge Menschen für den Radsport zu begeistern.
Die Tour de France ist nach den Olympischen Spielen und der Fußball-Weltmeisterschaft das drittgrößte Sportereignis der Welt. Jährlich verfolgen etwa 3,5 Milliarden TV-Zuschauer in 190 Ländern das dreiwöchige Radrennen. Ein Grand Départ in Berlin würde der Stadt also eine enorme internationale Aufmerksamkeit bescheren.