Die winterlichen Temperaturen in Hamburg haben in den vergangenen Tagen für eine dünne Eisschicht auf vielen Gewässern gesorgt. Was für viele verlockend aussieht, birgt jedoch lebensgefährliche Risiken. Die Hamburger Feuerwehr warnt eindringlich davor, die Eisflächen zu betreten.
«Es gibt derzeit kein tragfähiges Eis auf Hamburger Gewässern», erklärt Feuerwehrsprecher Jan Peters. «Die Eisdecken sind viel zu dünn, um das Gewicht eines Menschen zu tragen.» Trotz des Frostes der letzten Tage haben sich noch keine sicheren Eisflächen bilden können.
Besonders besorgniserregend für die Einsatzkräfte: Seit Beginn der Kälteperiode wurden bereits mehrere Personen beobachtet, die Eisflächen auf Alster, Stadtparksee und kleineren Teichen betraten. «Wir sehen immer wieder Menschen, besonders Kinder und Jugendliche, die das Risiko unterschätzen», berichtet Polizeihauptkommissarin Lena Weber, die an der Außenalster Streife läuft.
Die Gefahr ist nicht zu unterschätzen. Ein Einbruch ins kalte Wasser kann innerhalb von Minuten zu Unterkühlung führen. Die niedrigen Wassertemperaturen von derzeit etwa drei Grad führen schnell zur Bewegungsunfähigkeit und erhöhen das Ertrinkungsrisiko dramatisch.
Die Stadtreinigung Hamburg hat an beliebten Gewässern bereits Warnschilder aufgestellt. Zusätzlich patrouillieren Polizeistreifen verstärkt an den bekannten Hotspots wie Alster, Stadtparksee und den Teichen in Planten un Blomen.
Experten schätzen, dass mindestens sieben bis zehn Tage mit durchgehenden Minustemperaturen nötig wären, um auf größeren Gewässern eine tragfähige Eisschicht zu bilden. «Dafür waren die Temperaturen bisher nicht niedrig genug und vor allem nicht konstant genug», erklärt Klimaforscher Dr. Martin Schneider vom Hamburger Umweltinstitut.
Besonders gefährlich sind Bereiche, wo das Wasser in Bewegung ist. «An Zu- und Abflüssen ist das Eis immer dünner. Auch unter Brücken bildet sich kaum tragfähiges Eis», warnt Feuerwehrmann Peters. Doch selbst auf kleineren, stehenden Gewässern ist das Eis derzeit viel zu dünn.
Was tun im Notfall? Die Feuerwehr rät: «Wenn jemand einbricht, nicht hinterherlaufen! Sofort den Notruf 112 wählen, den genauen Standort durchgeben und nach Möglichkeit vom Ufer aus Hilfestellung mit Ästen oder Seilen geben.» Wer selbst einbricht, sollte versuchen, sich flach auf die Eiskante zu legen und sich in Richtung Ufer zu bewegen.
Die Hamburger Schulen wurden bereits vom Bildungsamt angewiesen, Kinder über die Gefahren aufzuklären. Eltern sollten ebenfalls mit ihren Kindern darüber sprechen.
Bürgermeister Tschentscher appellierte bei einem Pressetermin: «Hamburg hat wunderschöne Gewässer, die im Winter besonders reizvoll aussehen. Aber bitte bleiben Sie an Land – kein Wintervergnügen ist es wert, sein Leben zu riskieren.»
Die Feuerwehr hofft, dass die Hamburger die Warnungen ernst nehmen. Denn die Rettung von ins Eis eingebrochenen Personen ist nicht nur für die Betroffenen lebensgefährlich, sondern stellt auch für die Rettungskräfte ein erhebliches Risiko dar.