In einer überraschenden Wendung hat die Dresdner Stadtverwaltung ihre Pläne für ein zweites großes Verwaltungszentrum auf Eis gelegt. Die seit Jahren diskutierte Erweiterung der städtischen Büroflächen wird nicht wie ursprünglich geplant umgesetzt. Stattdessen verfolgt das Rathaus nun einen dezentralen Ansatz mit mehreren kleineren Standorten.
«Die aktuelle wirtschaftliche Lage und der angespannte Haushalt zwingen uns zum Umdenken», erklärt Oberbürgermeister Dirk Hilbert bei einer Pressekonferenz im Rathaus. «Ein Großprojekt in der ursprünglich geplanten Dimension können wir uns derzeit nicht leisten.»
Die Entscheidung fiel nach intensiven Beratungen im Stadtrat. Mit zwölf zu neun Stimmen votierte das Gremium gegen den Bau des geplanten Verwaltungszentrums, das rund 1500 Mitarbeiter beherbergen sollte. Die geschätzten Baukosten waren zuletzt auf über 200 Millionen Euro gestiegen – eine Summe, die angesichts der aktuellen Haushaltslage nicht zu stemmen sei.
Statt eines zentralen Großprojekts setzt die Stadt nun auf einen «Netzwerk-Ansatz». Bestehende Verwaltungsgebäude in verschiedenen Stadtteilen sollen modernisiert und teilweise erweitert werden. In Johannstadt, Blasewitz und Pieschen sind kleinere Erweiterungsbauten geplant.
«Dieser dezentrale Ansatz hat mehrere Vorteile», erläutert Baubürgermeister Stephan Kühn. «Wir können flexibler auf Veränderungen reagieren, die Baumaßnahmen schrittweise umsetzen und müssen nicht alles auf einmal finanzieren.» Zudem bleibe die Verwaltung näher an den Bürgern in den verschiedenen Stadtteilen.
Der Stadtrat hatte das ursprüngliche Projekt bereits 2018 angestoßen, als die steigenden Mitarbeiterzahlen in der Verwaltung mehr Bürofläche erforderlich machten. Seitdem haben sich jedoch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen deutlich verändert. Die Corona-Pandemie, steigende Baukosten und neue Prioritäten im städtischen Haushalt führten zum Umdenken.
Die Opposition im Stadtrat kritisiert die Entscheidung. «Hier wurden jahrelang Planungskosten in Millionenhöhe verschwendet», beklagt CDU-Fraktionsvorsitzende Heike Schmidt. «Ein zentrales Verwaltungsgebäude hätte langfristig Synergien geschaffen und wäre wirtschaftlicher gewesen.»
Dagegen begrüßen Bürgerinitiativen die neue Strategie. «Wir haben immer für eine bürgernahe Verwaltung gekämpft», sagt Peter Müller vom Bündnis «Dresden für alle». «Mehrere kleinere Standorte in den Stadtteilen sind besser erreichbar und stärken die lokale Identität.»
Die Gewerkschaft ver.di, die die Interessen der städtischen Mitarbeiter vertritt, reagiert zurückhaltend. «Entscheidend ist, dass die Arbeitsbedingungen in allen Verwaltungsgebäuden gut sind», betont Gewerkschaftssekretärin Jana König. «Ob ein großes oder mehrere kleine Gebäude – wichtig sind moderne Arbeitsplätze und eine gute technische Ausstattung.»
Der neue Plan sieht vor, dass in den nächsten fünf Jahren schrittweise in die bestehenden Verwaltungsgebäude investiert wird. Rund 80 Millionen Euro sind dafür im Haushalt vorgesehen – deutlich weniger als die Kosten für den Neubau. Zusätzlich sollen Homeoffice-Möglichkeiten ausgebaut werden, was den Flächenbedarf langfristig reduzieren könnte.
«Die Pandemie hat gezeigt, dass flexible Arbeitsmodelle funktionieren», erläutert Personalamtsleiter Thomas Weber. «Viele Verwaltungstätigkeiten können auch von zu Hause erledigt werden. Das werden wir bei der künftigen Raumplanung berücksichtigen.»
Für die Dresdner Bürger bedeutet die Entscheidung, dass die Behördengänge weiterhin an verschiedenen Standorten erledigt werden müssen. Die Stadtverwaltung verspricht jedoch, die digitalen Angebote auszubauen, sodass viele Amtsgeschäfte künftig online erledigt werden können.
«Dresden geht einen pragmatischen Weg», fasst Oberbürgermeister Hilbert zusammen. «Wir passen unsere Pläne an die wirtschaftlichen Realitäten an und bleiben dabei nah an den Bürgern. Das ist vernünftig und zukunftsfähig.»
Die freigewordenen Mittel sollen nun verstärkt in Schulen, Kitas und die Verkehrsinfrastruktur fließen – Bereiche, in denen Dresden ebenfalls Investitionsbedarf hat. Eine Entscheidung, die bei vielen Stadträten über Parteigrenzen hinweg auf Zustimmung stößt.