Wer gestern Morgen in Düsseldorf auf Bus oder Bahn wartete, stand buchstäblich im Regen. Die Haltestellen waren voll. Die Anzeigetafeln blieben dunkel. Ver.di hatte zum Warnstreik aufgerufen. Nicht nur in der Landeshauptstadt, sondern im gesamten Bergischen Land blieb der öffentliche Nahverkehr weitgehend lahmgelegt.
Ich selbst erlebte das Chaos am Hauptbahnhof. Eine ältere Dame fragte ratlos nach der nächsten Straßenbahn. Ein Student versuchte verzweifelt, sein Fahrrad aus dem überfüllten Parkhaus zu bekommen. Die Stimmung schwankte zwischen Verständnis und Frust. «Wir kämpfen für faire Löhne und bessere Arbeitsbedingungen», erklärte ein Gewerkschaftsvertreter vor Ort. «Ohne anständige Bezahlung werden wir keine Fachkräfte halten können.»
Tatsächlich steckt hinter dem Streik mehr als ein Lohnkonflikt. Der Nahverkehr kämpft seit Jahren mit Personalmangel. Viele Fahrer arbeiten im Schichtdienst unter hohem Druck. Die Pandemie hat die Situation verschärft. Gleichzeitig sollen sie die Verkehrswende stemmen. Ein Widerspruch, der nun auf dem Rücken der Fahrgäste ausgetragen wird.
Was bleibt, ist die Erkenntnis: Wir brauchen einen funktionierenden Nahverkehr. Aber der hat seinen Preis. Wer Klimaschutz ernst meint, muss in die Menschen investieren, die uns täglich bewegen. Der Warnstreik war ein lautes Signal. Nun sind Politik und Arbeitgeber am Zug.