Die eisigen Temperaturen der vergangenen Tage haben dem Baldeneysee in Essen eine dünne Eisschicht verpasst. Was für Spaziergänger malerisch aussieht, wurde gestern für die Rettungskräfte zur Herausforderung. Am frühen Nachmittag löste eine Beobachtung am Ufer einen Großeinsatz aus.
«Wir erhielten gegen 14:30 Uhr einen Notruf. Eine Passantin hatte etwas im Wasser treiben sehen und befürchtete, es könnte sich um einen Menschen handeln», berichtet Einsatzleiter Michael Weber. Innerhalb weniger Minuten waren Feuerwehr, DLRG und Polizei mit rund 30 Einsatzkräften vor Ort.
Die dünne Eisschicht auf dem See machte die Erkundung besonders schwierig. «Das Eis war etwa zwei Zentimeter dick – zu dünn, um es zu betreten, aber stark genug, um unsere Boote zu behindern», erklärt Weber. Die Rettungstaucher mussten besonders vorsichtig vorgehen, um die Eisdecke kontrolliert zu durchbrechen.
Ein Polizeihubschrauber unterstützte die Suche aus der Luft. Mit Wärmebildkameras versuchten die Einsatzkräfte, mögliche Personen im Wasser zu lokalisieren. Nach einer intensiven zweistündigen Suche gab es jedoch Entwarnung.
«Was die Zeugin gesehen hatte, war vermutlich ein größerer Ast oder ein Stück Treibholz», so Polizeisprecher Thomas Müller. «Wir haben den gesamten Bereich gründlich abgesucht und können mit hoher Sicherheit sagen, dass sich keine Person in Gefahr befand.»
Die Feuerwehr Essen nutzt den Einsatz, um erneut vor den Gefahren zugefrorener Gewässer zu warnen. «Die aktuellen Eisdicken sind trügerisch», betont Brandamtsrat Werner Schmidt. «Sie wirken oft stabiler als sie tatsächlich sind. Bitte betreten Sie unter keinen Umständen gefrorene Seen oder Teiche.»
Gerade am Baldeneysee, wo die Strömung unter dem Eis die Eisdicke ungleichmäßig werden lässt, besteht besondere Gefahr. Die Experten der DLRG raten: Bei Eisunfällen sollten Zeugen sofort den Notruf wählen und nicht selbst Rettungsversuche unternehmen, da sie sich dabei selbst in Lebensgefahr begeben könnten.
Der gestrige Einsatz zeigt, wie ernst die Rettungsdienste jede Meldung nehmen. «Lieber einmal zu viel ausrücken als einmal zu wenig», sagt Weber. «Wer etwas Verdächtiges beobachtet, sollte nicht zögern, den Notruf 112 zu wählen.»
Für die kommenden Tage rechnen die Meteorologen mit leicht steigenden Temperaturen. Das dürfte die Eisschicht auf dem Baldeneysee weiter schwächen und die Gefahr erhöhen. Die Stadtverwaltung Essen plant, in den nächsten Tagen zusätzliche Warnschilder aufzustellen.