Das Ritual der Weihnachtsansprache hat gestern Abend eine besondere Note bekommen. Friedrich Merz stand erstmals als Bundeskanzler vor der Kamera. Die blau-weiße Dekoration im Hintergrund wirkte vertraut, seine Botschaft jedoch trug eine neue Handschrift. Der Kanzler sprach von «herausfordernden Zeiten», die Deutschland und Europa durchleben.
Die Wortwahl des Kanzlers bewegte sich zwischen nüchterner Analyse und vorsichtigem Optimismus. «Wir haben in diesem Jahr schmerzhafte, aber notwendige Entscheidungen getroffen», erklärte Merz mit Blick auf die Haushaltskonsolidierung. Der demografische Wandel und die industrielle Transformation standen im Mittelpunkt seiner Ausführungen. Bemerkenswert war sein Appell an die jüngere Generation: «Ihr tragt die Zukunft unseres Landes – aber wir lassen euch damit nicht allein.» Die Ansprache verzichtete weitgehend auf parteipolitische Akzente. Stattdessen betonte Merz die Bedeutung gesellschaftlichen Zusammenhalts. Wirtschaftsexperte Prof. Schmidtke kommentierte: «Der Kanzler hat einen realistischen Ton angeschlagen, ohne in Alarmismus zu verfallen.»
Ich erinnere mich an meine erste Berichterstattung über eine Kanzler-Weihnachtsansprache vor zwanzig Jahren. Damals wie heute spürte man das Bemühen, die Nation in schwierigen Zeiten zu einen. Der Unterschied: Die Krisen haben sich verändert, die Sorgen sind komplexer geworden.
Die Ansprache schloss mit einem Dank an alle, die sich ehrenamtlich engagieren. In Zeiten, in denen politische Gräben tiefer erscheinen, war dies vielleicht die wichtigste Botschaft des Abends: Gemeinschaft entsteht durch Handeln, nicht durch Worte allein. Ob Merz› erster weihnachtlicher Appell verfängt, werden die kommenden Monate zeigen.