Der Alltag geriet gestern im Kölner Süden komplett aus dem Takt. Eine Weltkriegsbombe unter der A59 legte den Verkehr lahm. Als die Nachricht kam, saß ich selbst im Stau. Handys klingelten, Nachrichten wurden weitergeleitet. Die 500-Kilo-Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg wurde bei Routineuntersuchungen entdeckt.
Der Kampfmittelräumdienst sperrte sofort einen Kilometer rund um den Fundort ab. Tausende Pendler steckten fest, Anwohner mussten ihre Häuser verlassen. «Solche Funde sind in Köln leider keine Seltenheit», erklärte Feuerwehrsprecher Mark Lepple vor Ort. «Die Stadt gehörte zu den am stärksten bombardierten Gebieten im Krieg.» Eine ältere Dame mit Einkaufstüten fragte mich nach dem Weg zur nächsten Notunterkunft. Die improvisierte Gemeinschaft in der Turnhalle war beeindruckend. Menschen teilten Snacks, luden Handys für einander auf.
Die Entschärfung dauerte drei Stunden. Ein Techniker arbeitete präzise am rostigen Zünder. Gegen Abend rollte der Verkehr langsam wieder an. Menschen kehrten in ihre Wohnungen zurück. Die Erleichterung war spürbar. Manchmal braucht es solche Unterbrechungen, um zu erkennen, wie fragil unser durchgetakteter Alltag ist. Unter unseren Straßen schlummern noch viele Relikte der Vergangenheit. Sie erinnern uns daran, wie wertvoll unser friedlicher Alltag tatsächlich ist.