In Düsseldorf konnten gestern Experten des Kampfmittelräumdienstes zwei amerikanische Fliegerbomben aus dem Zweiten Weltkrieg erfolgreich entschärfen. Die 5-Zentner-Bomben waren bei Bauarbeiten im Stadtteil Derendorf entdeckt worden. Rund 13.000 Anwohnerinnen und Anwohner mussten für die Dauer der Entschärfung ihre Wohnungen verlassen.
Der Einsatz lief ohne Komplikationen ab. Nach mehreren Stunden gaben die Behörden gegen 14:30 Uhr Entwarnung. «Wir sind erleichtert, dass alles so reibungslos funktioniert hat», erklärte Einsatzleiter Thomas Schmidt. «Die Sicherheit der Bevölkerung steht bei solchen Einsätzen immer an erster Stelle.»
Die Stadt Düsseldorf hatte einen Evakuierungsradius von 500 Metern rund um den Fundort festgelegt. Etwa 70 Personen nutzen die eingerichtete Notunterkunft in der Theodor-Fliedner-Schule. Viele andere Betroffene kamen bei Freunden oder Verwandten unter.
Besonders lobenswert war die Unterstützung durch die Bevölkerung. «Die meisten Anwohner haben sich vorbildlich verhalten und ihre Wohnungen rechtzeitig verlassen», betonte Sozialdezernentin Monika Weber. «Unsere Einsatzkräfte mussten nur in wenigen Fällen an Türen klingeln, um Menschen an die Evakuierung zu erinnern.»
Der Nahverkehr war während der Entschärfung erheblich eingeschränkt. Mehrere Buslinien wurden umgeleitet, und auch der Zugverkehr am nahegelegenen Bahnhof musste vorübergehend eingestellt werden. Die Deutsche Bahn meldete jedoch nur geringe Verspätungen im Regionalverkehr.
Fundbomben aus dem Zweiten Weltkrieg sind in Düsseldorf keine Seltenheit. Im vergangenen Jahr mussten Experten bereits acht Blindgänger entschärfen. Allein während des Krieges wurden über 200.000 Bomben auf die Stadt abgeworfen, von denen schätzungsweise zehn Prozent nicht explodierten.
«Wir rechnen auch in den kommenden Jahren mit weiteren Funden», erklärt Stadtarchivar Dr. Klaus Meyer. «Besonders bei größeren Bauprojekten werden regelmäßig Blindgänger entdeckt. Die Stadt hat mittlerweile viel Erfahrung im Umgang mit solchen Situationen.»
Die Stadt Düsseldorf führt seit Jahren eine Luftbildkartierung durch, um potenzielle Gefahrenstellen zu identifizieren. Bei Neubauprojekten in betroffenen Gebieten werden daher vorab Bodenuntersuchungen durchgeführt.
Für die Anwohner war die Evakuierung trotz der Routine eine Belastung. «Es ist natürlich nicht angenehm, plötzlich die Wohnung verlassen zu müssen», berichtet die 67-jährige Anwohnerin Helga Krüger. «Aber wir wissen ja, dass es zu unserer Sicherheit ist. Die Stadt hat uns rechtzeitig informiert und alles gut organisiert.»
Besonders ältere und mobilitätseingeschränkte Bewohner wurden durch Hilfsdienste unterstützt. Das Deutsche Rote Kreuz stellte Transportmöglichkeiten bereit und betreute Menschen in der Notunterkunft. «Wir hatten etwa 20 Helferinnen und Helfer im Einsatz», berichtet DRK-Einsatzleiter Michael Brandt. «Es gab keine nennenswerten Zwischenfälle.»
Nach der erfolgreichen Entschärfung wurden die Bomben abtransportiert und werden nun fachgerecht entsorgt. Die Sperrungen in der Stadt wurden schrittweise aufgehoben, sodass die Bewohner bereits am frühen Nachmittag in ihre Wohnungen zurückkehren konnten.
Oberbürgermeister Thomas Geisel dankte allen beteiligten Einsatzkräften sowie den Bürgerinnen und Bürgern für ihre Kooperation: «Solche Einsätze funktionieren nur, wenn alle zusammenarbeiten. Ich bin stolz darauf, wie unsere Stadtgesellschaft auch in solchen Ausnahmesituationen zusammenhält.»