Wintereinbruch legt Hamburg lahm – Bahnverkehr und Alltag stark beeinträchtigt
Die ungewöhnlich starken Schneefälle in der Nacht zum Mittwoch haben das öffentliche Leben in Hamburg nahezu zum Stillstand gebracht. Bis zu 25 Zentimeter Neuschnee fielen innerhalb weniger Stunden auf die Hansestadt und verursachten erhebliche Verkehrsbehinderungen. Besonders der Bahnverkehr wurde hart getroffen, mit massiven Ausfällen und Verspätungen im Regional- und Fernverkehr.
An den Hauptbahnhöfen bildeten sich lange Schlangen von gestrandeten Reisenden. «Ich warte seit über vier Stunden auf meinen Zug nach Berlin», berichtet Lisa Müller (34) am Hauptbahnhof. «Die Informationslage ist katastrophal, niemand weiß genau, wann die Züge wieder fahren werden.»
Die Deutsche Bahn hat einen Notfallplan aktiviert und empfiehlt Reisenden, nicht dringende Fahrten zu verschieben. «Wir arbeiten mit Hochdruck daran, die Strecken wieder freizubekommen», erklärt Bahnsprecher Thomas Weber. «Umgestürzte Bäume und vereiste Oberleitungen stellen unsere Teams vor große Herausforderungen.»
Auch der öffentliche Nahverkehr in Hamburg kämpft mit den Folgen des Wintereinbruchs. Die Hamburger Hochbahn musste mehrere Buslinien einstellen, da zahlreiche Straßen nicht befahrbar sind. Bei den U-Bahnen kommt es zu Verzögerungen im Betriebsablauf. Der HVV bittet Fahrgäste um Geduld und empfiehlt, aktuelle Fahrplanauskünfte über die App zu prüfen.
Die städtischen Räumdienste sind seit den frühen Morgenstunden im Dauereinsatz. «Wir haben alle verfügbaren Fahrzeuge und Personal im Einsatz», sagt Stadtreinigungssprecher Michael Schmidt. «Priorität haben zunächst die Hauptverkehrsstraßen und Zufahrten zu Krankenhäusern und anderen wichtigen Einrichtungen.»
An den Schulen wurde der Unterricht teilweise ausgesetzt. Die Schulbehörde hatte am frühen Morgen entschieden, dass Eltern selbst entscheiden können, ob sie ihre Kinder zur Schule schicken. «Die Betreuung ist in jedem Fall sichergestellt», betont Schulsenator Ties Rabe. «Aber wir verstehen, wenn Familien bei diesen extremen Bedingungen den Schulweg vermeiden möchten.»
Im Hamburger Hafen wurden zahlreiche Be- und Entladevorgänge unterbrochen. «Wir rechnen mit Verzögerungen, die sich über mehrere Tage hinziehen könnten», erklärt Hafensprecherin Jana Peters.
Besonders betroffen sind auch ältere und mobilitätseingeschränkte Menschen. Die sozialen Dienste der Stadt haben Notfallteams eingerichtet, die Hilfe bei dringenden Versorgungsproblemen anbieten. «Wir rufen Nachbarn dazu auf, besonders auf ältere Menschen in ihrer Umgebung zu achten», appelliert Sozialsenatorin Melanie Leonhard.
Der Deutsche Wetterdienst prognostiziert für die kommenden Tage weitere Schneefälle und Temperaturen deutlich unter dem Gefrierpunkt. «Die winterlichen Bedingungen werden uns mindestens bis zum Wochenende begleiten», erklärt Meteorologe Frank Meyer. «Erst dann ist mit einer leichten Entspannung zu rechnen.»
Die Polizei Hamburg meldet seit dem Morgen über 120 witterungsbedingte Unfälle, glücklicherweise meist mit Blechschäden. «Wir raten dringend dazu, nur notwendige Fahrten zu unternehmen und äußerst vorsichtig zu fahren», sagt Polizeisprecherin Anja Hartmann.
Für obdachlose Menschen wurde das Winternotprogramm ausgeweitet. Zusätzliche Schlafplätze wurden eingerichtet, und die Unterkünfte bleiben ganztägig geöffnet. Hilfsorganisationen wie die Hamburger Tafel haben zusätzliche Versorgungspunkte eingerichtet.
Trotz aller Probleme zeigen viele Hamburger Solidarität. In zahlreichen Stadtteilen haben sich spontan Nachbarschaftshilfen gebildet, die beim Schneeschaufeln helfen oder Einkäufe für ältere Menschen erledigen. «Es ist schön zu sehen, wie die Menschen in solchen Situationen zusammenhalten», sagt der Barmbeker Anwohner Klaus Schneider (67), während er gemeinsam mit Nachbarn einen Gehweg freischaufelt.
Die Hamburger Verkehrsbehörde rechnet damit, dass die Situation noch mindestens 48 Stunden angespannt bleiben wird. Bürgermeister Peter Tschentscher hat alle Hamburgerinnen und Hamburger um Geduld und Verständnis gebeten: «Unsere Dienste arbeiten rund um die Uhr. Gemeinsam werden wir diese außergewöhnliche Situation meistern.»