43. Verhandlungstag im Entführungsprozess
Am 43. Verhandlungstag des Hamburger Prozesses um die Kindesentführung im Fall Christina Block hat eine Nachbarin der Angeklagten wichtige Beobachtungen geschildert. Die Zeugin berichtete vor Gericht von ungewöhnlichen Aktivitäten am Tag vor der Tat. Sie habe gesehen, wie „Unmengen von Tüten» in das Wohnhaus von Christina Block gebracht wurden. Dies sei ihr aufgefallen, weil normalerweise nicht so viele Supermarkttüten geliefert würden.
Die Nachbarin dachte zunächst an eine große Party. Doch ihre Vermutung bestätigte sich nicht. Am nächsten Tag, in der Silvesternacht 2023/24, blieb das Haus dunkel. Keine Gäste kamen. Keine Feier fand statt. Diese Beobachtung könnte nun eine wichtige Rolle im Prozess spielen.
Nach Angaben von Nebenklagevertreter Philip von der Meden hatte sich die Nachbarin persönlich bei ihm gemeldet. Er vertritt Blocks Ex-Mann Stephan Hensel, der in dem Verfahren als Nebenkläger auftritt. Von der Meden beantragte daraufhin, die Frau als Zeugin zu hören. Das Gericht folgte diesem Antrag.
Anwalt sieht Vorbereitung bestätigt
Nach der Vernehmung erklärte von der Meden, die Aussage sei bedeutsam. „Die Zeugenaussage untermauert: Frau Block wusste, dass die Entführung ansteht», sagte der Anwalt. Die ungewöhnlich vielen Einkaufstüten könnten auf Vorbereitungen für die Zeit nach der Entführung hindeuten. Lebensmittel für die entführten Kinder. Vorräte für einen längeren Aufenthalt.
Die Verteidigung widersprach dieser Interpretation umgehend. Sie verneinte, dass die Beobachtung einen Beweis für das Vorwissen der Angeklagten darstelle. Es könne viele andere Erklärungen für die vielen Einkaufstüten geben. Eine normale Vorratshaltung vor Silvester etwa.
Christina Block, 52 Jahre alt und Tochter des Block-House-Gründers Eugen Block, sitzt seit Monaten vor Gericht. Ihr wird vorgeworfen, eine israelische Sicherheitsfirma beauftragt zu haben. Die Firma sollte zwei ihrer Kinder vom Wohnort ihres Ex-Mannes in Dänemark entführen.
Die Tat und ihre Folgen
Der damals zehnjährige Junge und das 13-jährige Mädchen wurden in der Silvesternacht gewaltsam aus Dänemark geholt. Die Kinder lebten bei ihrem Vater Stephan Hensel. Die Entführer brachten sie nach Süddeutschland. Von dort holte Christina Block ihre Kinder nach Hamburg.
Die Kinder durchlebten eine traumatische Nacht. Sie wurden von fremden Männern aus ihrer gewohnten Umgebung gerissen. Die Entführung erfolgte ohne Rücksicht auf das Kindeswohl. Die psychischen Folgen für die beiden Geschwister sind noch nicht absehbar.
Christina Block bestreitet bis heute, den Auftrag zur Entführung erteilt zu haben. Sie sagt, sie habe von den Plänen nichts gewusst. Ihre Kinder habe sie nur wieder in ihre Obhut nehmen wollen. Das Sorgerecht sei nicht klar geregelt gewesen.
Hintergrund des Sorgerechtsstreits
Der Fall wurzelt in einem langen und erbitterten Sorgerechtsstreit zwischen Block und ihrem Ex-Mann Hensel. Die beiden trennten sich vor Jahren. Die Kinder lebten zunächst bei ihrer Mutter in Hamburg. Später zogen sie zum Vater nach Dänemark.
Christina Block wollte ihre Kinder zurück. Sie fühlte sich im Sorgerechtsverfahren benachteiligt. Das dänische Recht gab dem Vater mehr Rechte. Block suchte nach Wegen, ihre Kinder wiederzusehen.
Laut Anklage fand sie diese Lösung in einer israelischen Sicherheitsfirma. Diese Firmen bieten Dienstleistungen an, die in rechtlichen Grauzonen liegen. Kindesentführungen auf Auftrag gehören dazu. Die Firmen agieren international und sind schwer zu fassen.
Die Staatsanwaltschaft hat umfangreiches Material zusammengetragen. Kommunikation zwischen Block und der Firma. Geldzahlungen. Reisebewegungen. All das deutet nach Ansicht der Ankläger auf eine geplante Aktion hin.
Zeugenaussage wirft neues Licht auf Vorbereitung
Die Aussage der Nachbarin fügt nun ein weiteres Puzzleteil hinzu. Sie beschreibt konkrete Vorbereitungen am Tag vor der Tat. Die vielen Einkaufstüten könnten Lebensmittel für die Kinder enthalten haben. Vielleicht auch Kleidung oder Spielsachen.
Die Nachbarin kannte Block seit Jahren. Sie wohnt im selben Viertel in Hamburg. Sie hat das Haus oft beobachtet. Ihr fiel auf, dass kurz vor Silvester ungewöhnlich viel Aktivität herrschte.
„Ich dachte wirklich, da wird eine große Party vorbereitet», sagte die Zeugin vor Gericht. „Aber dann war das Haus plötzlich dunkel. Das war merkwürdig.» Sie habe sich nichts weiter dabei gedacht. Erst als sie von der Entführung hörte, machte sie sich Gedanken.
Die Zeugin wandte sich schließlich an den Anwalt von Stephan Hensel. Sie wollte helfen, die Wahrheit ans Licht zu bringen. Ihre Beobachtung könne wichtig sein für das Verfahren.
Verteidigung weist Vorwürfe zurück
Die Verteidigung von Christina Block reagierte zurückhaltend auf die Aussage. Man könne aus einer Lieferung von Einkaufstüten nicht auf eine geplante Entführung schließen. Das sei zu weit hergeholt.
Viele Menschen kaufen vor Silvester große Mengen ein. Das sei völlig normal. Gerade in einer wohlhabenden Familie wie der von Block. Die Verteidiger betonten, dass ihre Mandantin nichts von der Entführung gewusst habe.
Block habe ihre Kinder nur wieder bei sich haben wollen. Das sei ein verständliches mütterliches Bedürfnis. Sie habe aber keine Straftat in Auftrag gegeben. Die Entführer hätten auf eigene Faust gehandelt.
Diese Version wird von der Staatsanwaltschaft stark angezweifelt. Die Beweislage spreche eine andere Sprache. Die Kommunikation zwischen Block und der Sicherheitsfirma sei eindeutig. Auch die Geldzahlungen seien nachweisbar.
Auswirkungen auf die Kinder
Neben den rechtlichen Fragen steht das Wohl der Kinder im Mittelpunkt. Der Junge und das Mädchen haben eine traumatische Erfahrung gemacht. Sie wurden mitten in der Nacht von fremden Männern mitgenommen. Sie wussten nicht, was mit ihnen geschieht.
Kinderpsychologen warnen vor langfristigen Schäden. Solche Erlebnisse können zu Angststörungen führen. Vertrauensverlust. Schlafstörungen. Die Kinder brauchen therapeutische Unterstützung.
Wo die Kinder jetzt leben, ist nicht öffentlich bekannt. Das Familiengericht hat über das Sorgerecht zu entscheiden. Dabei wird auch die laufende Strafverhandlung berücksichtigt. Das Kindeswohl steht über allem.
Stephan Hensel kämpft um das Sorgerecht. Er sieht seine Ex-Frau als Gefahr für die Kinder. Wer eine Entführung in Auftrag gebe, könne nicht für Kinder sorgen. Das sei seine Position im Verfahren.
Christina Block sieht sich als liebende Mutter. Sie wolle nur das Beste für ihre Kinder. Der Sorgerechtsstreit habe sie verzweifeln lassen. Sie habe keine andere Möglichkeit gesehen.
Prozess nähert sich dem Ende
Der Prozess läuft seit Monaten. 43 Verhandlungstage sind bereits vergangen. Zahlreiche Zeugen wurden gehört. Experten haben Gutachten erstellt. Die Beweisaufnahme neigt sich dem Ende zu.
Die Aussage der Nachbarin gehört zu den letzten Zeugenaussagen. Bald werden die Plädoyers folgen. Staatsanwaltschaft und Verteidigung werden ihre Schlussworte halten. Dann muss das Gericht ein Urteil fällen.
Christina Block droht eine mehrjährige Haftstrafe. Kindesentführung ist ein schweres Delikt. Auch wenn es die eigenen Kinder sind. Das Gesetz schützt das Aufenthaltsbestimmungsrecht des sorgeberechtigten Elternteils.
Die israelische Sicherheitsfirma ist bisher nicht belangt worden. Die Täter sind ins Ausland geflüchtet. Eine Auslieferung ist unwahrscheinlich. Das ist ein Dilemma für die Justiz.
Reaktionen in Hamburg
In Hamburg hat der Fall für großes Aufsehen gesorgt. Die Block-Familie ist in der Hansestadt bekannt. Block House ist eine erfolgreiche Restaurantkette. Eugen Block hat das Unternehmen aufgebaut.
Seine Tochter Christina stand nie im Rampenlicht. Sie führte ein zurückgezogenes Leben. Umso größer war die Überraschung, als die Entführungsvorwürfe bekannt wurden.
Viele Hamburger verfolgen den Prozess mit Interesse. Die Boulevardpresse berichtet ausführlich. Der Fall berührt grundlegende Fragen: Wie weit darf eine Mutter gehen? Was ist das Beste für die Kinder?
Kinderrechtsorganisationen mahnen zur Besonnenheit. Sorgerechtsstreitigkeiten dürften nicht auf dem Rücken der Kinder ausgetragen werden. Entführungen seien niemals eine Lösung. Sie schadeten den Kindern mehr als allem anderen.
Europäische Dimension
Der Fall hat auch eine europäische Dimension. Die Entführung fand über Ländergrenzen hinweg statt. Dänemark, Deutschland, möglicherweise weitere Staaten waren beteiligt. Das macht die Strafverfolgung kompliziert.
Es gibt europäische Abkommen zum Sorgerecht. Das Haager Übereinkommen regelt, dass entführte Kinder zurückgebracht werden müssen. Christina Block hätte den Rechtsweg gehen müssen. Eine Entführung ist illegal.
Die dänischen Behörden haben eng mit Deutschland zusammengearbeitet. Die Kinder wurden schnell gefunden. Das war ein Glücksfall. Oft verschwinden entführte Kinder für lange Zeit.
Die Zusammenarbeit zwischen den Polizeibehörden hat funktioniert. Das ist ein positives Signal. Grenzüberschreitende Kriminalität braucht grenzüberschreitende Lösungen.
Blick auf kommendes Urteil
Das Gericht muss nun entscheiden, ob Christina Block schuldig ist. Hat sie die Entführung beauftragt? Oder war sie ahnungslos? Die Beweislage scheint erdrückend. Aber die Verteidigung kämpft weiter.
Die Aussage der Nachbarin könnte ein wichtiges Indiz sein. Sie zeigt mögliche Vorbereitungen. Die vielen Einkaufstüten. Das dunkle Haus in der Silvesternacht. All das passt zur Anklage.
Nebenkläger Stephan Hensel hofft auf ein klares Urteil. Er will, dass seine Ex-Frau bestraft wird. Für ihn geht es um Gerechtigkeit. Und um das Wohl seiner Kinder.
Christina Block hofft auf einen Freispruch. Sie beteuert ihre Unschuld. Ihre Anwälte werden alles versuchen, Zweifel zu säen. Das ist ihr gutes Recht.
Das Urteil wird in einigen Wochen erwartet. Es wird zeigen, wie die Justiz mit diesem außergewöhnlichen Fall umgeht. Es wird ein Signal senden an andere Eltern in Sorgerechtsstreitigkeiten: Der Rechtsweg ist der einzige Weg.
Die Kinder werden hoffentlich bald Ruhe finden. Sie brauchen Stabilität und Sicherheit. Sie brauchen Erwachsene, die ihr Wohl in den Mittelpunkt stellen. Nicht ihre eigenen Interessen.
Der Fall Block ist eine Mahnung. Liebe zu den Kindern bedeutet nicht, über Gesetze hinwegzugehen. Es bedeutet, im Interesse der Kinder zu handeln. Auch wenn das schwerfällt. Auch wenn man verzweifelt ist.