Sie kennen das Gefühl. Ein Samstagnachmittag im Rhein-Energie-Stadion ist fast ausverkauft. Sie sind einer der Glücklichen mit einem Ticket. Rund um Sie singen 50.000 Menschen. Vor dem Stadion stehen Tausende weitere. Sie hoffen auf eine Restkarte oder lauschen dem Stadiondonner von draußen. Seit Jahren gehen Fans bei jedem Heimspiel des 1. FC Köln leer aus. Das soll sich ändern. Der neue Vereinspräsident Jörn Stobbe hat ein großes Ziel. Er will aus der aktuellen Arena ein Stadion für 75.000 Menschen machen.
Das Rhein-Energie-Stadion in Köln-Müngersdorf platzt aus allen Nähten. Die Nachfrage nach Tickets übersteigt das Angebot bei weitem. Der Verein sieht in der Vergrößerung eine wirtschaftliche Notwendigkeit. Präsident Stobbe, seit September 2025 im Amt, sagt deutlich, was er vom aktuellen Zustand hält. „Wir lieben es, aber es ist ein bisschen in die Jahre gekommen. Und es ist ganz einfach zu klein“, erklärte er dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Für ihn ist ein kleiner Schritt keine Option. Ein Ausbau müsse wirtschaftlich Sinn ergeben. Das bedeute nicht 55.000 oder 60.000 Plätze. Es bedeute 75.000 Plätze.
Doch der Weg zu diesem großen Stadion ist voller Hindernisse. Alle bisherigen Pläne sind daran gescheitert. Die größten Probleme liegen in der Lage. Das Stadion steht mitten im Wohngebiet von Müngersdorf. An Spieltagen staut sich der Verkehr in den umliegenden Straßen. Der Lärm der Fans erreicht die Anwohner direkt. Zusätzlich gibt es Auflagen zum Landschafts- und Denkmalschutz. Die benachbarten historischen Gebäude müssen berücksichtigt werden. Die aktuelle Baugenehmigung erlaubt nur 50.000 Plätze. Schon 2017 kamen Gutachter zu einem ernüchternden Urteil. Eine deutliche Vergrößerung sei am jetzigen Standort kaum umsetzbar.
Ein weiteres Problem ist die Eigentumsfrage. Das Stadion gehört nicht dem 1. FC Köln. Eigentümer ist die städtische Kölner Sportstätten GmbH. Der Verein ist nur Pächter. Er kann keine baulichen Entscheidungen alleine treffen. Er muss die Stadt und ihre Tochtergesellschaft überzeugen. Eine spätere Studie sah zwar technische Möglichkeiten für einen Ausbau. Sie bezifferte die Kosten für 75.000 Plätze auf rund 215 Millionen Euro. Kosten für verbesserte Verkehrsanbindungen oder Parkplätze waren darin noch nicht enthalten. Diese Mischung aus politischen, rechtlichen und finanziellen Risiken hat jeden Anlauf gestoppt.
Präsident Stobbe geht das Thema jetzt systematisch an. Der Verein hat eine interne Stadionkommission eingesetzt. Sie hat zwölf Monate Zeit. In dieser Zeit soll sie alle kritischen Fragen klären. Dazu gehören:
- Die Statik des alten Stadions
- Neue Betriebsgenehmigungen
- Wirksamer Lärmschutz
- Die Organisation der Fan-An- und Abreise
- Die Verkehrsbelastung
- Die Einhaltung der Auflagen
Der „Express“ berichtete über diese Planungen. Erst nach dieser Grundlagenarbeit kann man seriös über Machbarkeit und Kosten sprechen.
Stobbe hat auch über die Finanzierung nachgedacht. Eine Möglichkeit wäre die Gründung einer eigenen Vereins-Immobiliengesellschaft. Auch Crowdfunding oder ein externer Finanzierungspartner sind denkbar. Der Präsident stellt dabei eine klare Bedingung. Ein Geldgeber dürfe im sportlichen Bereich des Vereins kein Mitspracherecht erhalten. Auch überhöhte Pachtgebühren lehnt er ab. „Wenn jemand kommt und sagt, er baut uns ein Stadion, 20 Jahre Pacht à zehn Millionen Euro – den würden wir sofort wieder wegschicken“, sagte Stobbe.
Der Widerstand vor Ort ist groß und organisiert. Der Bürgerverein Köln-Müngersdorf und die Bürger-Interessen-Gemeinschaft Junkersdorf stellen sich gegen eine Vergrößerung. Ihre Argumente sind die gleichen wie seit Jahren. Die Verkehrs- und Lärmbelastung für die Anwohner ist an Spieltagen schon jetzt extrem hoch. Antje Frings, Vorsitzende des Bürgervereins Köln-Müngersdorf, brachte die Haltung auf den Punkt. „Die jetzige Größe des Stadions ist meiner Ansicht nach das Höchste der Gefühle“, sagte sie dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Sollte der FC wirklich mehr Platz brauchen, dann solle er an den Stadtrand umziehen.
Diese Forderung nach einem kompletten Neubau an anderer Stelle ist für den Verein keine Option. Die emotionale Bindung der Fans zum Stadion in Müngersdorf ist enorm. Es ist die Heimat seit 1923. Ein Umzug wäre für viele ein Bruch der Tradition. Die Vereinsführung setzt deshalb alles auf den Ausbau am alten Standort. Sie muss aber die berechtigten Sorgen der Nachbarn ernst nehmen und Lösungen finden.
Bis Ende 2026 will die Stadionkommission ihre Arbeit abschließen. Dann wird man genauer wissen, ob ein Ausbau auf 75.000 Plätze realistisch ist oder ob die Hürden unüberwindbar bleiben. Bis dahin ist vieles Spekulation. Für die Fans bedeutet das vor allem weiterhin Geduld. Der Traum vom größeren Stadion lebt. Ob er Wirklichkeit wird, ist jedoch völlig offen. Die Ticketknappheit bei Heimspielen des 1. FC Köln wird so schnell nicht enden.
| Problem | Beschreibung |
|---|---|
| Verkehrsbelastung | Stau in der Umgebung an Spieltagen |
| Lärmbelastung | Fans verursachen Lärm, der Anwohner stört |
| Platzmangel | Aktuell nur 50.000 Plätze erlaubt |
| Eigentumsfrage | Stadion gehört der Stadt, FC Köln ist Pächter |
| Politische Widerstände | Gegner des Stadionausbaus vor Ort |
| Kostenschätzung | Ungefähr 215 Millionen Euro für den Ausbau |