Nach dem Schusswaffeneinsatz durch Polizeibeamte bei einer Festnahme im Bochumer Stadtgebiet hat die Staatsanwaltschaft Dortmund nun ein öffentliches Hinweisportal eingerichtet. Der Vorfall, bei dem ein 28-jähriger Mann verletzt wurde, ereignete sich am vergangenen Mittwoch im Stadtteil Wattenscheid. Die unabhängigen Ermittlungen werden von der Polizei Dortmund geführt, um eine neutrale Aufarbeitung zu gewährleisten.
Laut den bisher vorliegenden Informationen kam es gegen 15:30 Uhr zu dem polizeilichen Einsatz, bei dem Beamte einen Mann festnehmen wollten. Während der Festnahme fielen Schüsse. Der 28-Jährige erlitt Verletzungen und wurde umgehend in ein Krankenhaus gebracht, wo er medizinisch versorgt wurde. Sein Zustand ist nach aktuellen Angaben stabil.
«Bei solchen Vorfällen ist es Standard, dass eine andere Polizeibehörde die Ermittlungen übernimmt», erklärt Oberstaatsanwalt Carsten Dombert von der Staatsanwaltschaft Dortmund. «Dies dient der Neutralität und Transparenz des Verfahrens.»
Die Hintergründe, die zum Einsatz der Schusswaffe führten, sind Gegenstand der laufenden Ermittlungen. Die beteiligten Polizeibeamten wurden bereits befragt, ihre Aussagen werden nun ausgewertet. Gleichzeitig werden Spuren vom Tatort untersucht und weitere Zeugen vernommen.
Über das eingerichtete Hinweisportal können Zeugen nun Fotos und Videos vom Geschehen hochladen oder ihre Beobachtungen mitteilen. Dies soll helfen, den genauen Ablauf zu rekonstruieren. Die Ermittlungsbehörden bitten ausdrücklich alle Personen, die etwas beobachtet haben oder über relevantes Material verfügen, sich zu melden.
Anwohner berichten von einer angespannten Situation vor dem Schusswaffeneinsatz. «Es ging alles sehr schnell», sagt eine Frau, die in der Nähe wohnt. «Erst hörte ich laute Stimmen, dann die Schüsse. Danach waren überall Polizeiautos.»
Der Vorfall sorgt für Diskussionen in der Bochumer Bevölkerung. Die Stadt hat auf Anfrage mitgeteilt, dass Anwohner, die durch das Ereignis belastet sind, psychologische Unterstützung in Anspruch nehmen können.
Bei der zuständigen Polizei Dortmund heißt es: «Wir untersuchen den Fall mit höchster Sorgfalt. Dazu gehört auch die Frage, ob der Einsatz der Schusswaffe verhältnismäßig war.» Die Beamten prüfen, ob der 28-Jährige selbst bewaffnet war und ob von ihm eine Bedrohung ausging, die den Schusswaffengebrauch rechtfertigen könnte.
Die Polizei Bochum wollte sich aufgrund der laufenden unabhängigen Ermittlungen nicht näher zum Vorfall äußern. Ein Sprecher betonte jedoch, dass Schusswaffengebrauch bei Polizeieinsätzen in Deutschland selten vorkommt und stets das letzte Mittel darstellt.
Bürgermeisterin Maria Schmidt zeigt sich betroffen: «Solche Vorfälle sind für alle Beteiligten belastend – für die Anwohner, den Verletzten und auch für die Polizeibeamten. Wir müssen nun die Ergebnisse der Untersuchung abwarten.»
Die Staatsanwaltschaft rechnet mit ersten umfassenden Ergebnissen in den kommenden Tagen. Bis dahin bittet sie die Bevölkerung, von Spekulationen abzusehen. Zeugen können sich direkt über das Hinweisportal oder telefonisch bei der Polizei Dortmund melden.