Letzte Woche stand ich vor einem leeren Büroturm in der Stadt. Die Fenster dunkel, niemand drin. Gleichzeitig suchen Tausende verzweifelt nach bezahlbarem Wohnraum. Paradox, oder? Genau dieses Problem beschäftigt jetzt Münchens neuen OB Dominik Krause. Er will leer stehende Büros massiv in Wohnungen umwandeln. Allein in den sieben größten deutschen Städten könnten so 100.000 Menschen ein Zuhause finden.
Die Idee klingt brillant. Statt neu zu bauen, nutzt man Bestehendes. Gut fürs Klima, gut für den Wohnungsmarkt. München hat über eine Million Quadratmeter leere Büros. Krause rechnet mit mindestens 10.000 möglichen Wohnungen. „Die Stadtverwaltung soll künftig aktiv auf Eigentümer zugehen», versprach er im Wahlkampf. Frankfurt macht’s bereits vor. Dort entstanden seit 2015 rund 10.000 Wohnungen aus Gewerberäumen.
Doch die Realität ist kompliziert. Der Umbau kostet oft so viel wie ein Neubau. Badezimmer müssen rein, Leitungen verlegt, Grundrisse verändert werden. Meine Nachbarin ist Architektin. Sie erzählte neulich vom Brand- und Schallschutz. Das treibe die Kosten enorm. Ergebnis? Meist teure Eigentumswohnungen oder winzige Micro-Apartments. In Konstanz verkaufen sie gerade umgebaute Telekom-Büros im gehobenen Preissegment.
Die Bundesregierung wollte helfen. Das Förderprogramm „Gewerbe zu Wohnen» sollte 2025 starten. Jetzt heißt es: Juli 2026. 300 Millionen Euro stehen bereit. Bürokratische Hürden bleiben trotzdem. Bürogebäude gelten als „Sonderbauten». Die Anforderungen sind hoch.
Vielleicht hilft der neue Bauturbo. Städte dürfen vom Planungsrecht abweichen, wenn Wohnraum entsteht. Krause will das in München nutzen. Aber Gewerbegebiete haben eigene Regeln. Lärm, Gerüche, Verkehr – das alles muss passen. Die Umwandlung von Büros in Wohnungen bleibt kompliziert. Trotzdem: besser anpacken als nur darüber reden.