An der Tankstelle wird die Realität täglich schmerzhafter. Gestern Mittag schaute ich zu, wie die Zahlen an der Säule hochschnellten. 2,76 Euro für Diesel in Berlin. Meine Nachbarin, Lkw-Fahrerin, schüttelte nur den Kopf. Die neuen Regeln sollten helfen. Doch sie scheinen das Gegenteil zu bewirken.
Seit Mittwoch dürfen Tankstellen Preise nur noch mittags erhöhen. Senkungen jederzeit möglich. Klingt gut auf dem Papier. In der Praxis? Ein bundesweiter Preissprung punkt zwölf Uhr. Von 2,29 auf 2,41 Euro Diesel innerhalb von dreißig Minuten. Das ist keine Entlastung. Das ist koordiniertes Chaos.
Der ADAC spricht aus, was viele denken: «Mineralölkonzerne machen einen Risikoaufschlag.» Ein Preisexperte warnt vor systematischer Ausnutzung. Früher gab es Preisspitzen morgens. Jetzt mittags. Nur vorhersehbarer. Ein Sprecher formuliert es deutlich: «Das Bundeskartellamt muss Konzerne zur Mäßigung bewegen.»
Brandenburg zeigt das regionale Gefälle deutlich. Frankfurt Oder kommt auf 2,28 Euro Super. Falkensee verlangt 2,48 für Diesel. Die Hauptstadt toppt alles. Warum trifft es Diesel besonders hart? Weil Landwirtschaft, Logistik und Bau darauf angewiesen sind. Ein Bauer kann nicht weniger Felder bestellen. Ein Lkw-Fahrer muss liefern.
Deutschland importiert ein Drittel seines Diesels. Das macht uns abhängig. Dazu kommt der gestiegene CO2-Preis seit Januar. Und im Hintergrund lauert die größere Gefahr: Der Iran-Konflikt könnte zehn Millionen Fass täglich vom Weltmarkt nehmen. Oxford Economics prophezeit eine globale Rezession bei Eskalation.
Die Politik diskutiert währenddessen. Pendlerpauschale, Energiesteuer, Preisdeckel wie in Polen. Berlins Bürgermeister Wegner fordert auf X: «Eine Preisobergrenze wäre ein sofortiges Instrument.» Warschau zeigt, dass es gehen kann. Mit täglichen Preisgrenzen am Rohölpreis orientiert.
Nur wirken muss es bald. Sonst tanken wir nicht nur teuer. Sondern irgendwann gar nicht mehr. Die Frage ist nicht ob, sondern wann gehandelt wird. Meine Nachbarin wartet jedenfalls nicht mehr lange.