In diesem Sommer haben viele Düsseldorferinnen und Düsseldorfer wieder gespürt, wie die Temperaturen in der Stadt länger und heißer steigen als auf dem Land. Besonders betroffen sind dicht bebaute Gebiete mit viel Asphalt und Beton, die die Hitze speichern. Die Stadt Düsseldorf hat auf diese wachsende Herausforderung längst reagiert. Ein zentrales Element ist das Programm , das grüne und blaue Infrastruktur schaffen soll – also mehr Pflanzen und mehr Wasser im Stadtbild. Jetzt zeigen sich an drei konkreten Standorten, wie diese Pläne Wirklichkeit werden. An der Remscheider Straße in Flingern-Nord sind die Arbeiten gerade abgeschlossen worden. Am Kolpingplatz in Derendorf und an der Dormagener Straße in Rath stehen ähnliche Maßnahmen noch bevor.
Doch was bedeutet in der Praxis? Es geht weit über das Pflanzen einiger Bäume hinaus. Konkret werden hier öffentliche Räume so umgestaltet, dass sie besser mit den Folgen des Klimawandels umgehen können. Dazu gehören:
- Das Entsiegeln von Flächen
- Das Anlegen von Mulden zur Bewässerung von Grünflächen
- Das Pflanzen von hitzeresistenten Bäumen und Sträuchern
- Die Schaffung von schattigen Aufenthaltsorten
- Die Entlastung der Kanalisation bei starken Regenfällen
- Die Erhöhung der Lebensqualität für Anwohnerinnen und Anwohner
Das fertige Projekt an der Remscheider Straße in Flingern-Nord dient dabei als anschauliches Beispiel. Hier wurde ein bisher stark versiegelter Platz an der Ecke zur Siegfriedstraße komplett neu gestaltet. «Wir haben über 300 Quadratmeter Asphalt- und Pflasterfläche entfernt», erklärt ein Sprecher des Garten-, Friedhofs- und Forstamtes. Das sei ein wichtiger Schritt gegen das Aufheizen. Stattdessen entstanden großzügige, bepflanzte Flächen mit speziellen Bäumen wie Zerreichen und Hopfenbuchen, die Trockenheit besser vertragen. Ein besonderes Augenmerk lag auf dem Regenwasser. Statt es in den Kanal abzuleiten, wird es nun in unterirdischen Speichern gesammelt und zur Bewässerung der neuen Grünanlagen genutzt. Ein neuer, heller Belag auf den verbliebenen Wegen reflektiert zudem mehr Sonnenlicht und heizt sich weniger auf. Für die Menschen im Viertel gibt es jetzt neue Sitzgelegenheiten im Schatten.
Die beiden anstehenden Projekte folgen einer ähnlichen Philosophie, sind aber an die Gegebenheiten vor Ort angepasst. Am Kolpingplatz in Derendorf, einem zentralen Knotenpunkt, soll die bisherige Betonwüste aufgebrochen werden. Geplant sind ebenfalls die Entsiegelung von Flächen, die Pflanzung neuer Bäume und die Schaffung eines attraktivere Aufenthaltscharakters. Die Herausforderung hier ist der enge Raum und die zahlreichen unterirdischen Leitungen. An der Dormagener Straße in Rath hingegen liegt der Fokus stärker auf der Regenwasserbewirtschaftung. In dem Wohngebiet sollen Versickerungsmulden angelegt werden, die bei Starkregen wie Schwämme wirken und das Wasser langsam an den Boden abgeben. Auch hier sind mehr Grün und Schatten für die Anwohner vorgesehen.
Die Finanzierung dieser Maßnahmen ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Die Gesamtkosten für die drei Standorte belaufen sich auf rund 1,2 Millionen Euro. Ein erheblicher Teil davon, etwa 65 Prozent, stammt aus Fördermitteln des Bundes im Rahmen der «Kommunalrichtlinie zur Klimaanpassung». Die restlichen 35 Prozent trägt die Landeshauptstadt Düsseldorf aus eigenen Haushaltsmitteln. «Diese Förderung zeigt, dass der Bund die Dringlichkeit des Themas auf kommunaler Ebene erkannt hat», sagt Umweltdezernent Jochen Kral. Für die Stadt sei es eine kluge Investition in die Zukunft, da sie langfristig Folgekosten durch Hitzeschäden oder Überflutungen verringere.
Die Reaktionen aus der Bevölkerung sind bisher überwiegend positiv, wie erste Eindrücke an der Remscheider Straße zeigen. «Der Platz war vorher eine trostlose, heiße Fläche. Jetzt wird es hier im Sommer richtig angenehm sein», meint Anwohnerin Sarah M. (42). Sie hofft, dass der neue Grünbereich auch von Jugendlichen angenommen und gepflegt wird. Einige Anlieger hatten anfangs Bedenken wegen der Bauzeit und möglicher Parkplatzverluste. Das Gartenamt betont, dass in enger Abstimmung mit den Bezirksvertretungen und durch gezielte Information vor Ort versucht wurde, diese Konflikte zu minimieren. «Klimaanpassung ist ein Dialogprozess. Wir müssen den Menschen genau erklären, warum eine entsiegelte Fläche für sie langfristig wertvoller ist als ein weiterer Stellplatz», so ein Stadtplaner.
Im Vergleich zu anderen Großstädten wie Köln oder Frankfurt ist Düsseldorf mit solchen konkreten Umbauten im öffentlichen Raum früh dran. Viele Kommunen haben zwar bereits Hitzeaktionspläne, doch die Umsetzung in die Fläche geht oft nur langsam voran. Düsseldorf profitiert hier von einer langfristigen Strategie, die im «Masterplan Klimafolgenanpassung» von 2019 festgeschrieben ist. Dieser sieht insgesamt über 60 Maßnahmen vor – von Dachbegrünungen über Frischluftschneisen bis hin zu Projekten wie an der Remscheider Straße.
Für die Bürgerinnen und Bürger bedeutet das: Wer sich für die Details der Planungen interessiert oder eigene Ideen einbringen möchte, hat regelmäßig Gelegenheit dazu. Die konkreten Planungen für den Kolpingplatz und die Dormagener Straße werden in den zuständigen Bezirksvertretungen (Derendorf und Rath) vorgestellt und diskutiert. Die Sitzungstermine sind auf der Website der Stadt Düsseldorf öffentlich einsehbar. Das Umweltamt weist zudem darauf hin, dass auch private Grundstückseigentümer von Förderprogrammen für Entsiegelung und Begrünung profitieren können.
Die abgeschlossenen Arbeiten an der Remscheider Straße sind somit mehr als nur eine lokale Verschönerung. Sie sind ein sichtbares Signal dafür, dass die Klimaanpassung in Düsseldorf konkrete Formen annimmt. Sie zeigen, wie Straßen und Plätze der Zukunft aussehen könnten: grüner, wassersensibler und sozialer. Die anstehenden Projekte in Derendorf und Rath werden den Weg weitergehen. Der Sommer wird auch 2025 wieder heiß werden. Aber an einigen Orten in Düsseldorf wird man dann vielleicht schon einen spürbaren Unterschied erleben – mehr Schatten, kühlere Luft und ein Stück lebenswertere Stadt.