In der schwäbischen Wirtschaftsmetropole gibt es nicht nur in der Automobilbranche beeindruckende Zahlen. Auch der VfB Stuttgart hat für das abgelaufene Geschäftsjahr 2025 Rekorde gebrochen, die weit mehr bedeuten als nur sportlichen Erfolg. Sie sind ein Spiegelbild der tiefen Verbindung zwischen dem Fußballverein und der Stadtgesellschaft. Der Verein erzielte einen Gesamtertrag von 383,6 Millionen Euro und einen Gewinn nach Steuern von 22,5 Millionen Euro, wie Vorstandschef Alexander Wehrle auf der Mitgliederversammlung berichtete. Das Eigenkapital stieg auf 83,4 Millionen Euro an. „Wachstum und Profitabilität gehen beim VfB Stuttgart Hand in Hand“, betonte Wehrle vor den anwesenden Mitgliedern.
Diese Zahlen sind keine Selbstverständlichkeit im oft von finanziellen Turbulenzen geprägten Profifußball. Sie sind das Ergebnis einer breiten Basis. Der höchste Zuschauerschnitt der Vereinsgeschichte, 156.500 verkaufte Trikots und ein stetig wachsendes Sponsoring zeigen eine gesunde, vielschichtige wirtschaftliche Basis. Dieser wirtschaftliche Erfolg ist nicht isoliert zu betrachten. Der Mutterverein, die VfB Stuttgart 1893 AG, schloss ebenfalls mit einem deutlichen Plus ab. Ein Gesamtertrag von 7,2 Millionen Euro und ein Überschuss von 1,4 Millionen Euro unterstreichen die Stabilität der gesamten Organisation. Mit 135.000 Mitgliedern ist der VfB eine der größten Bürgerinitiativen der Stadt. Präsident Dietmar Allgaier strebt für die Zukunft eine solide „schwarze Null“ an. Eine klare Aussage zur Vertragsverlängerung von Sportvorstand Fabian Wohlgemuth solle zudem „alsbald“ folgen, kündigte er an. Das sind Zeichen für eine strategische Planung, die über den nächsten Spieltag hinausreicht.
Der vielleicht wichtigste Indikator für die Bedeutung des VfB spielte sich jedoch jenseits der Bilanzen ab. Als die Mannschaft von Trainer Sebastian Hoeneß in der Porsche-Arena erschien, erhoben sich die knapp 700 anwesenden Mitglieder zu stehenden Ovationen. Diese Geste des Respekts gilt nicht nur den sportlichen Leistungen der vergangenen Saison. Sie symbolisiert eine emotionale Rendite, die in keiner Gewinn- und Verlustrechnung auftaucht. In einer Stadt, die stolz auf Ingenieurskunst und Wirtschaftskraft ist, schafft der gemeinsame Identifikationspunkt VfB Zusammenhalt. Er verbindet Menschen aus Bad Cannstatt und Degerloch, aus dem Stuttgarter Norden und dem Talkessel, unabhängig von Beruf oder Hintergrund. Das Stadion wird jeden Spieltag zu einem lebendigen Stück gelebter Stadtkultur.
Die finanziellen Rekorde sind daher auch eine kommunale Nachricht. Ein wirtschaftlich starker VfB bedeutet sichere Arbeitsplätze, steuerliche Erträge für die Stadt und eine internationale Strahlkraft, die weit über den Sport hinausreicht. Investitionen in die Jugendakademie, in die Infrastruktur oder soziale Projekte des Vereins werden auf einem soliden Fundament möglich. Dieser finanzielle Spielraum ist entscheidend, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben und damit das Vereinsvermögen der Stadtgesellschaft – den Fußball auf höchstem Niveau – zu erhalten. Die wirtschaftliche Gesundheit des VfB ist ein Faktor für die Lebensqualität in Stuttgart.
Natürlich bringt dieser Erfolg auch neue Fragen und Verantwortung mit sich. Wie geht der Verein mit dem steigenden finanziellen Druck im internationalen Wettbewerb um? Wie kann er seine Werte und die besondere Verbundenheit mit den Mitgliedern bewahren, während die Kommerzialisierung des Sports voranschreitet? Die Ankündigung Allgaiers, eine „schwarze Null“ im Mutterverein anzustreben, ist ein wichtiges Signal für Nachhaltigkeit. Es zeigt, dass der Erfolg nicht zu leichtfertigem Ausgeben führen darf. Die anstehende Entscheidung über die Zukunft von Sportvorstand Wohlgemuth wird zeigen, wie der Verein seine sportliche Linie in dieser erfolgreichen Phase weiterzeichnen will.
Für die Stuttgarterinnen und Stuttgarter bedeuten diese Rekordzahlen vor allem eines: Stabilität und Perspektive. In unsicheren wirtschaftlichen Zeiten ist der VfB eine Konstante, die nicht nur Freude, sondern auch wirtschaftliche Substanz bringt. Die nächste Herausforderung wird sein, diese einzigartige Symbiose aus finanzieller Stärke, sportlichem Anspruch und emotionaler Verbundenheit zu pflegen. Der stehende Applaus für die Mannschaft war auch ein Applaus für dieses Modell. Es ist ein Stück Stuttgart, das funktioniert.
- Gesamtertrag von 383,6 Millionen Euro
- Gewinn nach Steuern von 22,5 Millionen Euro
- Eigenkapital von 83,4 Millionen Euro
- 156.500 verkaufte Trikots
- 135.000 Mitglieder
- Gesamtertrag von 7,2 Millionen Euro im Mutterverein
| Indikator | Wert |
|---|---|
| Gesamtertrag VfB Stuttgart | 383,6 Millionen Euro |
| Gewinn nach Steuern | 22,5 Millionen Euro |
| Eigenkapital | 83,4 Millionen Euro |
| Mitglieder | 135.000 |
| Gesamtertrag Mutterverein | 7,2 Millionen Euro |
| Überschuss Mutterverein | 1,4 Millionen Euro |