Ich stehe am Jungfernstieg, wo sonst bunte Fahnen wehen sollten. Hegen einen schrecklich unpassenden Blumenstrauß ab. Die Luft in Hamburg ist schwer von Trauer und kollektivem Schock, obwohl wir hier sind, Berlin dort ist. Ein mutmaßlich islamistischer Anschlag am Rande des Berliner CSD hat eine Frau getötet und viele verletzt. Plötzlich fühlt sich die Pride Week, die gerade erst begann, anders an. „Gerade als Schirmherr der Christopher Street Days fühle ich mich der queeren Community sehr verbunden“, sagt etwa Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther. Solche Worte der Politiker lesen sich heute nicht wie Standardfloskeln, sondern wie ein notwendiges Versprechen. Meine Gedanken kreisen um die Opfer, aber auch um die Frage: Wie feiert man Freiheit, wenn sie so verletzlich wird? Die schleswig-holsteinische Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt bringt es auf den Punkt: „Liebe tut der Seele gut.” Doch dieser Angriff war ein brutaler Akt, der genau das verletzen wollte.
Hier in Hamburg werden nun alle Sicherheitsvorkehrungen für den anstehenden CSD überprüft. Innensenator Andy Grote verspricht ein Das ist beruhigend und beklemmend zugleich. Manuel Opitz von Hamburg Pride betont: „Wir lassen uns nicht unsichtbar machen. Gerade jetzt rufen wir auch alle anderen Menschen auf, gemeinsam zusammenzustehen.” Dieser Ruf nach Gemeinschaft ist laut und wichtig. Ich erinnere mich an vergangene CSDs, an diese unbeschwerte, kraftvolle Freude. Die wird dieses Jahr anders sein, bestimmt. Aber vielleicht auch entschlossener. Die niedersächsische Ministerpräsidentin Manuela Schwesig schreibt: „Ein Fest der Liebe ist zu einer Nacht der Trauer geworden.” Doch sie fügt hinzu: „Das lassen wir uns nicht nehmen.”
Die Trauerflore neben der Regenbogenflagge am Rathaus sind das stille Symbol dieses Tages. Sie zeigen: Der Hass hat einen schrecklichen Sieg errungen, aber er hat nicht das letzte Wort. Die geplante Mahnwache heute Nachmittag wird genau das bekunden. Es geht jetzt um beides: um das Gedenken und darum, den mutigen Kampf für Freiheit und Liebe, den der CSD symbolisiert, nicht aufzugeben. Hamburg wird am Samstag ein Zeichen setzen – eines der Trauer, aber auch der ungebrochenen Solidarität. In einer Zeit, die so viel Spaltung kennt, ist dieser Zusammenhalt die einzige mögliche Antwort auf die Dunkelheit.
- Schrecklicher islamistischer Anschlag
- Eine Frau getötet
- Viele verletzt
- CSD-Sicherheitsvorkehrungen überprüft
- Ruf nach Gemeinschaft
- Zeichen der Trauer und Solidarität
| Politiker | Kommentar |
|---|---|
| Daniel Günther | „Ich fühle mich der queeren Community sehr verbunden.” |
| Kristina Kühnbaum-Schmidt | „Liebe tut der Seele gut.” |
| Manuela Schwesig | „Ein Fest der Liebe ist zu einer Nacht der Trauer geworden.” |