Mahnwachen in Sachsen setzen Zeichen der Solidarität nach Berliner CSD-Anschlag
In Dresden, Leipzig und Chemnitz sind am Sonntagabend und Montag Menschen zusammengekommen, um der Opfer des mutmaßlich islamistisch motivierten Angriffs am Rande des Christopher Street Days in Berlin zu gedenken. Die Organisatoren der sächsischen CSD-Veranstaltungen riefen zu Mahnwachen auf, um Mitgefühl mit den Angehörigen und Betroffenen zu zeigen und ein klares Zeichen für Zusammenhalt und Vielfalt zu setzen. Der Anschlag, bei dem eine Frau getötet und 29 weitere Menschen verletzt wurden, hat auch die queere Gemeinschaft und ihre Unterstützer in Sachsen tief getroffen.
Der Treffpunkt für die Dresdner Mahnwache am Sonntag war bewusst gewählt: Hinter dem Kulturpalast an der Ecke Schlossstraße/Rosmaringasse, wo eine Gedenktafel an den islamistisch motivierten Messerangriff auf ein schwules Paar im Oktober 2020 erinnert. Dieser Ort steht symbolisch für die wiederkehrende Bedrohung, der sich die Community ausgesetzt sieht. Ronald Zenker, Vorstandssprecher des CSD Dresden e.V., befand sich zum Zeitpunkt des Anschlags selbst im Gästebereich des Berliner CSD. Nur wenige Minuten vor der Evakuierung des Geländes am Brandenburger Tor hatte er das Areal verlassen. Seine Erleichterung, dass allen rund 40 Menschen aus der Dresdner CSD-Familie in Berlin nichts geschah, ist groß. „Was bleibt, ist tiefe Betroffenheit“, sagte er.
Der CSD Leipzig betonte in einer Mitteilung: „Gerade jetzt ist Zusammenhalt wichtiger denn je.“ Man halte fest an den Werten von Sichtbarkeit, Vielfalt und dem Recht, ohne Angst man selbst sein zu können. Diese Werte sehen viele durch solche Gewalttaten fundamental angegriffen.
Die sächsischen Mahnwachen sind mehr als ein spontanes Trauerritual. Sie sind Ausdruck einer Gemeinschaft, die sich trotz der Bedrohung nicht einschüchtern lässt. Sie zeigen, dass der Wunsch nach einer offenen, freien und diskriminierungsfreien Gesellschaft stärker ist als die Angst. Die Gedenktafel in Dresden erinnert daran, dass diese Bedrohung nicht neu ist. Der Angriff von 2020, bei dem ein Mann starb und ein anderer schwer verletzt wurde, hatte bereits damals tiefe Wunden in der Stadtgesellschaft hinterlassen.
Die Ereignisse werfen auch Fragen nach dem Schutz von Großveranstaltungen und der Sicherheit von Minderheiten im öffentlichen Raum auf. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) sprach von einer ernsten Sicherheitslage. Die Polizei fahndet nach einem 21-jährigen Tatverdächtigen aus dem islamistischen Spektrum.
Für die Menschen, die in Dresden, Leipzig und Chemnitz zusammenkamen, geht es um mehr als Sicherheitsdebatten. Es geht um die grundlegende Frage, ob alle Menschen gleichwertig und frei in unserer Gesellschaft leben können. Die Mahnwachen sind eine klare Antwort: Sie demonstrieren Solidarität mit den Opfern in Berlin, erinnern an die Opfer in Dresden und bekräftigen den gemeinsamen Willen, für diese Freiheit einzustehen – gerade dann, wenn sie angegriffen wird.
- Dresden
- Leipzig
- Chemnitz
- Solidarität
- Zusammenhalt
- Vielfalt
| Stadt | Treffpunkt | Wertesystem |
|---|---|---|
| Dresden | Kulturpalast | Sichtbarkeit, Vielfalt |
| Leipzig | Öffentlicher Raum | Recht auf Selbstsein |
| Chemnitz | Gedenkstätte | Gemeinschaft |