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Nachrichten Lokal > Nachrichten > München > Aldi Süd startet Pilotprojekt für Nachtparken in München
München

Aldi Süd startet Pilotprojekt für Nachtparken in München

Julia Becker
Zuletzt aktualisiert: Juli 27, 2026 1:58 p.m.
Julia Becker
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Es ist ein allabendliches Ärgernis in vielen Münchner Stadtteilen: Man kommt von der Arbeit nach Hause, und schon beginnt die Suche nach einem freien Stellplatz. Kreisfahren, Einbahnstraßen, gesperrte Bereiche – für viele Anwohner ist der Parkplatzmangel eine der größten Belastungen im Alltag. Währenddessen stehen auf den großen, beleuchteten Parkplätzen von Supermärkten und Discountern abends und nachts Hunderte von Stellflächen leer. Diese ineffiziente Nutzung von innerstädtischem Raum könnte nun ein Stück weit der Vergangenheit angehören. Der Discounter Aldi Süd startet zusammen mit dem Münchner Technologieunternehmen Wemolo ein Pilotprojekt, das genau diese Lücke schließen will. An sechs Standorten in der Stadt können Anwohner die Aldi-Parkplätze nach Ladenschluss digital buchen. Ein kleiner, aber bedeutender Schritt im Kampf gegen den Parkdruck – und ein interessantes Beispiel für die gemeinsame Nutzung von privater Infrastruktur.

Wer, Was, Wo, Wann – Die Fakten zum Pilotprojekt

Das Projekt ist konkret: Ab sofort stellt Aldi Süd an sechs Filialen in München insgesamt 81 Stellplätze für das sogenannte Feierabendparken zur Verfügung. Die beteiligten Standorte liegen in den Stadtbezirken Berg am Laim, Trudering, Neuperlach, Feldmoching-Hasenbergl, Hadern und Freimann. Die Parkplätze, die tagsüber den Kunden vorbehalten sind, können von Montag bis Samstag zwischen 18:30 und 8:30 Uhr sowie sonntags ganztags von Anwohnern gegen Gebühr genutzt werden.

  • Sechs Standorte in München
  • 81 Stellplätze für Feierabendparken
  • Montag bis Samstag: 18:30 bis 8:30 Uhr
  • Sonntags ganztags verfügbar
  • Buchungsprozess über Web-App oder QR-Codes
  • Preis: 5 Euro für eine Nacht

Die Buchung läuft komplett digital über eine Web-App oder QR-Codes an den Filialen. Der Nutzer hinterlegt sein Kennzeichen, und eine Kamera am Parkplatz erfasst bei der Einfahrt die Nummer. Das System gleicht automatisch ab, ob eine gültige Buchung vorliegt. Der Preis liegt bei 5 Euro für eine Nacht, 25 Euro für eine Woche (Montag bis Sonntag) oder 50 Euro für einen ganzen Monat. Laut Wemolo werden die Kennzeichen-Daten innerhalb von 24 Stunden nach Ende der Buchung gelöscht.

Für die Stadt München, wo nach Schätzungen des Referats für Stadtplanung und Bauordnung auf einen öffentlichen Stellplatz bis zu vier Autos kommen können, sind selbst 81 zusätzliche Plätze eine willkommene Entlastung. Besonders in dicht besiedelten Gebieten wie Neuperlach oder Teilen von Hadern, wo Altbauviertel auf moderne Wohnblocks treffen, ist jeder legal zugewiesene Parkplatz ein Gewinn für die Anwohner und ein Beitrag zur Entschärfung von Nachbarschaftskonflikten.

Hintergrund: Der lange Weg zur intelligenteren Flächennutzung

Die Idee, private Parkflächen in Zeiten der Nichtnutzung der Öffentlichkeit anzubieten, ist nicht neu, stieß aber lange auf praktische Hürden. Der wichtigste Grund ist die Verkehrssicherungspflicht. Wer einen Parkplatz öffnet, haftet auch für die Sicherheit. Bei Glatteis muss geräumt werden, bei Schäden an den Fahrzeugen oder Unfällen auf dem Gelände kann der Anbieter in Regress genommen werden. Diese Haftungsfrage und der administrative Aufwand hielten viele Supermärkte und Eigentümer privater Flächen bisher zurück.

Erst mit der Digitalisierung wurden einfache, schrankenlose Lösungen möglich, die die Nutzung steuern und die Haftungsfragen klären. Unternehmen wie das Münchner Wemolo oder der Kölner Anbieter Ampido haben Geschäftsmodelle entwickelt, die diese Risiken für den Flächeneigentümer übernehmen. Sie kümmern sich um Winterdienst, Versicherung und den technischen Betrieb. Für den Discounter wie Aldi bedeutet das zusätzliche Mieteinnahmen bei minimalem Aufwand und ein Imagegewinn als guter Nachbar im Stadtteil.

Standort Anzahl der Stellplätze Öffnungszeiten
Berg am Laim 13 18:30 – 8:30
Trudering 15 18:30 – 8:30
Neuperlach 20 18:30 – 8:30
Feldmoching-Hasenbergl 10 18:30 – 8:30
Hadern 13 18:30 – 8:30
Freimann 10 18:30 – 8:30

In München arbeitet Wemolo bereits mit anderen Supermärkten wie Netto und Edeka zusammen. Zusammen mit den neuen Aldi-Stellplätzen bewirtschaftet das Unternehmen in der Stadt nun 415 digitale Feierabendparkplätze. Auch in anderen deutschen Großstädten wie Hamburg oder Düsseldorf laufen ähnliche Pilotprojekte, etwa mit dem Discounter Lidl. Die Bewegung hin zu einer geteilten Nutzung von Infrastruktur ist ein deutschlandweiter Trend, der durch den digitalen Fortschritt erst richtig möglich wurde.

Eine Win-Win-Situation mit Herausforderungen

Aus Sicht der Stadtplanung und der Gemeinschaft ist das Projekt prinzipiell zu begrüßen. Es macht eine vorhandene Ressource effizienter nutzbar, entlastet den öffentlichen Straßenraum und bietet Anwohnern eine legale, bezahlbare Alternative zum Parken in zweiter oder dritter Reihe. «Jedes Auto, das nachts von der engen Wohnstraße auf einen Supermarktparkplatz wechselt, erhöht die Sicherheit für alle», sagt ein Stadtplaner des Münchner Planungsreferats, der nicht namentlich genannt werden möchte. «Rettungsfahrzeuge kommen besser durch, Müllabfuhr und Straßenreinigung haben es leichter. Das ist ein klassisches Win-Win.»

Dennoch gibt es auch kritische Stimmen. Stadträtin Anna Lisa Bender (Bündnis 90/Die Grünen) begrüßt zwar die Initiative, warnt aber vor zu großer Euphorie: «Das Feierabendparken ist eine sinnvolle Übergangslösung, aber es darf nicht davon ablenken, dass unser langfristiges Ziel eine autoarme Stadt sein muss. Wir müssen in erster Linie den öffentlichen Nahverkehr ausbauen und die Fahrradinfrastruktur verbessern. Private Parkplatz-Sharing-Modelle sind ein Pflaster auf eine Wunde, heilen aber nicht die Ursache des Problems – nämlich zu viele Autos in der Stadt.»

Auch die soziale Komponente wird diskutiert. Fünf Euro pro Nacht sind für viele erschwinglich, können für Familien mit kleinem Budget oder Studierende auf Dauer aber eine spürbare finanzielle Belastung darstellen. Es besteht die Gefahr, dass sich bezahlbares Parken zunehmend nur noch für Besserverdienende leistbar wird. «Wir müssen darauf achten, dass solche digitalen Angebote nicht neue Ungleichheiten schaffen», so Bender weiter. «Die Digitalisierung der Parkraumbewirtschaftung darf nicht zur sozialen Spaltung führen.»

Die Perspektive der Anwohner: Erleichterung und Skepsis

Bei den betroffenen Anwohnern in den Pilot-Stadtteilen trifft das Projekt auf ein geteiltes Echo. Michael Berger, der in einer Altbauwohnung in Neuhausen lebt und seit Jahren jeden Abend nach einem Parkplatz sucht, ist erleichtert: «Endlich eine klare, legale Lösung. Die fünf Euro pro Nacht sind mir das absolut wert, wenn ich dafür meine Nerven behalte und nicht zehn Minuten um den Block fahren muss.» Er hat sich bereits für ein Monatsticket an der Aldi-Filiale in Neuperlach registriert, die auf seinem Nachhauseweg liegt.

Anders sieht es Petra Schmidt aus Trudering. Sie fürchtet, dass das Angebot den Parkdruck in den Seitenstraßen ihres Viertels nur verlagert, aber nicht löst. «Jetzt kommen vielleicht noch Autos von außerhalb, die sich dort für die Nacht einmieten. Die, die sich die fünf Euro nicht leisten können oder wollen, parken dann bei mir um die Ecke. Das Problem verschiebt sich nur.» Ihre Sorge ist nicht unbegründet. Ohne eine ganzheitliche Parkraumbewirtschaftung im gesamten Stadtbezirk könnten isolierte Lösungen tatsächlich zu Verlagerungseffekten führen.

Ausblick: Ein Modell mit Zukunft?

Wemolo schätzt, dass es im Münchner Stadtgebiet potenziell über 500 private Parkflächen gibt, die für eine solche Mehrfachnutzung infrage kommen – nicht nur bei Supermärkten, sondern auch bei Bürogebäuden, Hotels oder Kliniken. Das Potenzial ist also enorm. Ob das Pilotprojekt bei Aldi erfolgreich wird und ausgeweitet werden kann, hängt von mehreren Faktoren ab: der Akzeptanz bei den Anwohnern, der technischen Zuverlässigkeit und nicht zuletzt von der Bereitschaft weiterer Flächeneigentümer, ihre Parkplätze zu öffnen.

Die Stadtverwaltung steht dem Modell grundsätzlich positiv gegenüber. Es entspricht dem im «Münchner Verkehrsentwicklungsplan 2035» formulierten Ziel, den bestehenden Verkehrsraum effizienter zu nutzen. Allerdings, so ein Sprecher der Stadt, «ersetzt das private Parkplatz-Sharing nicht die Notwendigkeit eines umfassenden, bezirksweisen Parkraummanagements mit Anwohnerparken.» Beides müsse Hand in Hand gehen.

Für die Münchnerinnen und Münchner bedeutet das Pilotprojekt vor allem eins: eine konkrete, sofort wirksame Entlastung an sechs Standorten. Es ist ein Testballon, der zeigen wird, ob die digitale und gemeinsame Nutzung von Infrastruktur ein gangbarer Weg im Kampf gegen den Parkplatzmangel sein kann. Sollte es Erfolg haben, könnte das Modell Schule machen und in vielen weiteren Stadtteilen Nachahmer finden. Der Abend in München könnte für einige Autobesitzer dann etwas entspannter beginnen.

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Julia ist eine engagierte Reporterin für den Süden Deutschlands mit Schwerpunkt auf München und Stuttgart. Sie schreibt über lokale Kulturveranstaltungen, das wirtschaftliche Stadtleben und Geschichten von Menschen, die ihre Region prägen. Ihre Beiträge zeichnen sich durch Nähe, Empathie und starke persönliche Perspektiven aus.
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