Nördlich von Düsseldorf, im Herzen des Ruhrgebiets, ist ein Badewasser gesprungen, das weit mehr ist als nur ein erfrischendes Plätschern. Im Essener Norden, zwischen der gigantischen, rot angestrichenen Gaskaminanlage und den rostigen Rohrleitungen der stillgelegten Kokerei Zollverein, liegt das vielleicht außergewöhnlichste Schwimmbecken Deutschlands. Das Werksschwimmbad Zollverein – zwei zusammengeschweißte Überseecontainer, gefüllt mit 80.000 Litern Wasser – ist für viele Düsseldorfer und Essener längst kein Geheimtipp mehr, sondern ein lebendiges Symbol für den gelungenen Wandel ihrer Region. Seit seiner Entstehung als Kunstprojekt im Jahr 2001 hat es sich zu einem festen und sehr beliebten Sommerangebot auf dem UNESCO-Welterbe-Gelände gemausert.
Nach einer umfassenden Sanierung anlässlich seines 25-jährigen Bestehens strahlt das ungewöhnliche Freibad in dieser Saison frischer denn je. Die neue Holzplattform, moderne Zugänge und Treppen laden ein. Vom 18. Juli bis zum 1. September, täglich von 12 bis 20 Uhr bei gutem Wetter, können Besucher kostenlos in die Fluten springen. Die Kulisse ist einmalig: Man taucht ein in die Geschichte des Ruhrgebiets, umgeben von den mächtigen Backsteingebäuden und Industrieanlagen, die einst Kohle zu Koks verarbeiteten.
Dieses Bad ist mehr als nur ein Ort zur Abkühlung. Es steht für den erfolgreichen Strukturwandel, bei dem sich eine ganze Region neu erfunden hat. „Das Werksschwimmbad ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie wir mit unserer industriellen Vergangenheit kreativ umgehen können“, sagt eine Sprecherin der Stiftung Zollverein. „Es verbindet Freizeitspaß mit Kunst, Geschichte und einem einzigartigen Flair.“ Für die Anwohner in den umliegenden Stadtteilen wie Stoppenberg, Katernberg oder Altenessen ist es ein stark nachgefragtes Angebot gerade an heißen Tagen, wenn die klassischen Freibäder überfüllt sind.
Die Besucherzahlen sprechen eine klare Sprache. An sonnigen Wochenenden tummeln sich nicht selten mehrere hundert Menschen rund um das zwölf Meter lange Becken. Eine Umfrage unter Nutzern ergab, dass für 70 Prozent die einzigartige Atmosphäre und Industriekulisse der Hauptgrund für ihren Besuch sind. Viele verbinden den Badeausflug mit einem Besuch im Ruhr Museum oder einer Führung über das riesige Gelände. „Hier zu schwimmen fühlt sich einfach besonders an. Man ist Teil von etwas Größerem, von dieser beeindruckenden Geschichte“, erzählt Lena (28) aus Düsseldorf, die mit Freunden angereist ist.
Ein Highlight der Saison verspricht der Wettbewerb „Splash! Boom! Bang!“ am 29. August zu werden. Von 12 bis 18 Uhr wird eine Jury bewerten, wer die spektakulärste oder stilvollste „Arschbombe“ zustande bringt. Die Teilnahme ist wie der Badebesuch selbst kostenlos, Anmeldungen sind direkt vor Ort möglich. Solche Events zeigen, wie aus einem Kunstprojekt ein lebendiger Ort der Gemeinschaft geworden ist.
Wer das Werksschwimmbad besuchen möchte, sollte allerdings keine Erwartungen an den Komfort eines klassischen Freibads haben. Umkleidekabinen im herkömmlichen Sinne sucht man vergebens; Besucher wechseln ihre Kleidung in einfachen Kabinen oder kommen schon im Badezeug. Der Fokus liegt eindeutig auf dem Erlebnis und der unvergleichlichen Atmosphäre. Für Familien mit kleinen Kindern ist es aufgrund der begrenzten Wasserfläche und der fehlenden Spielflächen weniger geeignet als für Jugendliche und Erwachsene, die das Besondere suchen.
- Einzigartige Industriekulisse
- Wasserfläche: 80.000 Liter
- Kunstprojekt seit 2001
- Öffnungszeiten: 12 bis 20 Uhr
- Wettbewerb am 29. August
- Kostenloser Eintritt
Das Projekt steht auch exemplarisch für eine neue Art der Stadt- und Freiraumplanung. Es nutzt temporär und kreativ eine Brachfläche innerhalb eines denkmalgeschützten Ensembles. „Solche niedrigschwelligen, unkonventionellen Angebote sind enorm wichtig für die Lebensqualität in einer Stadt“, analysiert ein Essener Stadtplaner. „Sie schaffen bezahlbare Treffpunkte und beleben Orte, die sonst vielleicht ungenutzt blieben.“ Im Vergleich zu anderen Städten, die ähnliche „Pop-up-Pools“ oder kreative Badegelegenheiten testen, punktet Zollverein mit der Einzigartigkeit seines historischen Rahmens.
Für die Essener Stadtverwaltung und die Stiftung Zollverein ist der Erfolg des Werksschwimmbads ein Beleg dafür, dass Investitionen in solche kulturellen Freizeitangebote sich lohnen. Sie stärken die Identifikation der Bürger mit ihrem Stadtteil und ziehen auch Touristen aus der gesamten Region an. Die Sanierungskosten für das 25-jährige Jubiläum wurden dabei aus Mitteln der Stiftung und durch Fördermittel des Landes Nordrhein-Westfalen für die Denkmalpflege und Kulturarbeit gedeckt.
Wer seinen Ausflug plant, sollte die Anfahrt bedenken. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist Zollverein bestens erreichbar, Parkplätze sind jedoch begrenzt und an Wochenenden oft schnell belegt. Ein Tipp der erfahrenen Besucher: Kommen Sie am besten unter der Woche oder am späten Nachmittag, um etwas mehr Ruhe zu genießen. Denken Sie an Sonnenschutz, ausreichend Wasser und vielleicht einen Picknickkorb, denn die Gastro-Angebote auf dem Gelände sind zwar vorhanden, aber nicht direkt am Becken.
| Aspekt | Beschreibung |
|---|---|
| Standort | Nördlich von Düsseldorf, im Essener Norden |
| Freibadtyp | Werksschwimmbad Zollverein |
| Kapazität | 80.000 Liter Wasser |
| Öffnungszeiten | 18. Juli bis 1. September, täglich von 12 bis 20 Uhr |
| Besucherzahl | Mehrere hundert an Wochenenden |
| Kunstprojekt | Seit 2001 |
Das Werksschwimmbad auf Zollverein ist mehr als nur ein kurioses Sommervergnügen. Es ist ein Ort, an dem Geschichte spürbar wird, an dem sich Menschen aus allen Teilen der Region begegnen und an dem der Geist des Ruhrgebiets – hart, gradlinig, aber immer mit Herz und Humor – weiterlebt. Es zeigt, wie aus den Relikten der Schwerindustrie lebendige Orte der Gemeinschaft und der Erholung entstehen können. Ein Sprung in diesen Container-Pool ist deshalb immer auch ein kleines Eintauchen in die Identität einer ganzen Region, die gelernt hat, ihr industrielles Erbe nicht als Last, sondern als einzigartige Chance zu begreifen.