Hamburg-Nord: 94 Boote aus Grünanlagen entfernt – Bilanz nach neuem Regeln
Es ist ein vertrautes Bild, das seit Jahren die Ufer vieler Hamburger Kanäle und Teiche prägt: verlassene Kanus, Kajaks und Stand-Up-Paddleboards (SUPs), die zwischen Schilf und Bäumen liegen, verwittert und vergessen. Sie blockieren Zugänge, stören das Landschaftsbild und nehmen Pflanzen und Tieren den Lebensraum. Im Bezirk Hamburg-Nord ist dieser Zustand nun zumindest an vier konkreten Orten Geschichte. Im Juli wurden dort, als Folge einer neuen kommunalen Regelung, insgesamt 94 solcher „Schrottkanus“ und Boards aus den Grünanlagen entfernt. Die Aktion zeigt den schmalen Grat, den die Stadt zwischen der Freude am Wassersport und dem Schutz der kostbaren innerstädtischen Natur finden muss.
Die genauen Zahlen der eingesammelten Wassersportgeräte sprechen eine deutliche Sprache: Der Kuhmühlenteich in Uhlenhorst war mit 51 Fundstücken der mit Abstand größte „Hotspot“. Es folgten der Barmbeker Stichkanal (16), der Goldbekkanal in Winterhude (10) und der Eppendorfer Mühlenteich (4). Der zuständige Dienstleister ReBoat – maritime recycling hat die Boote und Boards zentral eingelagert. Eigentümer können sie gegen eine Gebühr und Vorlage eines Nachweises zurückholen. Doch die eigentliche Botschaft der Aktion ist eine andere: Das wilde Abstellen von privaten Wassersportgeräten in öffentlichen Grünanlagen wird in Hamburg-Nord nicht mehr toleriert.
Hintergrund: Von der Duldung zur klaren Regelung
Das Problem ist alles andere als neu. „Früher haben wild abgestellte Kanus an den vier Hotspots das Pflanzenwachstum behindert und Tieren den Lebensraum genommen“, erklärt Dr. Bettina Schomburg, die Bezirksamtsleiterin von Hamburg-Nord. Über Jahre hinweg fehlte es jedoch an einer einheitlichen und durchsetzbaren Rechtsgrundlage, um gegen die zunehmende Vermüllung der Uferbereiche vorzugehen. Private Boote vermischten sich mit dem Grün, Holz splitterte, Kunststoff verblasste, und die Geräte wurden zu einem dauerhaften – und illegalen – Teil der Parkeinrichtung.
Dies änderte sich im Frühjahr 2026. Mit Unterstützung der Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (BUKEA) erließ der Bezirk Hamburg-Nord sogenannte Allgemeinverfügungen für die vier besonders betroffenen Gewässer. Diese stellen das unerlaubte Lagern von Booten und Boards auf öffentlichem Grün explizit unter Strafe. Vor Ort wurden deutlich sichtbare Hinweisschilder aufgestellt, die über das Verbot informieren. Den Eigentümern wurde eine sechswöchige Frist eingeräumt, ihre Geräte eigenständig zu entfernen. Erst nach Ablauf dieser Phase startete im Juli die Räumaktion durch den beauftragten Dienstleister.
Kommunale Stimmen: Schutz der Natur als gemeinsames Ziel
Für die Hamburger Umweltpolitik ist die Aktion ein wichtiger Schritt, um ein lange schwelendes Problem anzugehen. „Wir müssen die Ufer von Alster und Kanälen mitten im Herzen unserer Stadt respektvoll behandeln“, sagt Katharina Fegebank, Senatorin für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft. „Deshalb dürfen Wassersportgeräte nicht dort abgestellt werden – das schadet Natur und Tierwelt.“ Sie betont den Pilotcharakter der Maßnahme in Hamburg-Nord: Sollte sich das Vorgehen als erfolgreich erweisen, sei eine Ausweitung auf weitere Bezirke denkbar.
Aus Sicht der Bezirksverwaltung geht es neben dem Umweltschutz auch um die gerechte Nutzung des öffentlichen Raums. „Jetzt können sich Tiere und Pflanzen wieder dort ansiedeln“, so Bezirksamtsleiterin Schomburg. In ihrem Appell verbindet sie die Freude an der Stadt mit der Verantwortung jedes Einzelnen: „Genießen Sie unsere schönen Kanäle in Hamburg-Nord – sie sind ein echtes Privileg. Doch bitte nehmen Sie dabei Rücksicht auf Ihre Mitmenschen und unsere Natur.“ Die entrümpelten Ufer sollen wieder für alle Bürger zugänglich und erlebbar sein, ohne von privatem Eigentum blockiert zu werden.
Praxis und Perspektiven: Wie geht es für die Boote und die Stadt weiter?
Für die 94 eingesammelten Boote und Boards ist der Weg vorgezeichnet. Sie lagern nun bei der ReBoat GmbH. Wer sein vermisstes Sportgerät zurückhaben möchte, muss einen Termin vereinbaren und kann es gegen Zahlung einer Gebühr – die die Kosten für Transport und Lagerung deckt – auslösen. Als Nachweis reicht im Idealfall ein Kaufbeleg oder ein Foto mit Seriennummer. Wo dieser fehlt, kann auch eine eidesstattliche Versicherung abgegeben werden. Alle Boote, die nach einer bestimmten Frist nicht abgeholt werden, werden fachgerecht recycelt.
Die Bilanz der Juli-Aktion wird in der Verwaltung genau ausgewertet. Im Fokus steht die Frage, ob die Kombination aus klarer Rechtsetzung, deutlicher Kennzeichnung vor Ort und konsequenter Durchsetzung nachhaltig wirkt. Werden die Uferbereiche jetzt langfristig frei bleiben, oder ist mit einem schleichenden Wiederaufbau der privaten Bootslager zu rechnen? Die Antwort darauf wird den Erfolg des gesamten Projektes messen. Für viele Anwohner und Spaziergänger in Barmbek, Eppendorf, Winterhude und Uhlenhorst ist die Veränderung bereits jetzt sichtbar: Wo früher Schrott lag, ist jetzt wieder grünes Ufer. Ein kleines, aber bezeichnendes Stück geordneteres Stadtleben.
- Verlassene Kanus und Kajaks blockieren Zugänge
- Schutz der innerstädtischen Natur ist erforderlich
- Räumung betroffener Gewässer in Hamburg-Nord
- Klarere Regelungen für öffentliche Grünanlagen
- Recycling für nicht abgeholte Boote
- Umweltpolitik als gemeinsames Anliegen der Stadt
| Gewässer | Anzahl der Fundstücke |
|---|---|
| Kuhmühlenteich | 51 |
| Barmbeker Stichkanal | 16 |
| Goldbekkanal | 10 |
| Eppendorfer Mühlenteich | 4 |