Gerade las ich Evelyn Pallas erste Bilanz als Bahn-Chefin. Da war diese Zahl: 59 Prozent Pünktlichkeit im Fernverkehr. Mir fiel sofort meine letzte Zugfahrt ein. Verspätung: 45 Minuten. Die Stimmung im Großraumabteil war geprägt von resigniertem Schulterzucken. «Das ist doch normal geworden», hörte ich jemanden sagen. Diese Normalität des Scheiterns – genau daran will Palla rütteln.
Sie spricht offen von einem tiefsitzenden Problem: der Haltung. «Wir brauchen einen Kulturwandel», sagt die DB-Chefin. Damit meint sie nicht nur die Gleise, sondern vor allem die Köpfe. Während DB Regio mit 88 Prozent zeigt, dass es geht, bleibt der Fernverkehr das Sorgenkind. Ein kollegiales Nicken bei Versagen, fehlende Konsequenz – so beschreiben Insider das alte System. Ich erinnere mich an ein Gespräch mit einem ehemaligen Manager. «Der Druck, Fehler zuzugeben, war kaum vorhanden», verriet er. Palla will diese Kultur der Gleichgültigkeit durchbrechen. Es geht um Verantwortung, die jeder Einzelne spüren muss, vom Vorstand bis zum Triebfahrzeugführer.
Spannend ist der Kontrast: Das Unternehmen schreibt schwarze Zahlen, doch der Kundenschmerz bleibt. Die finanzielle Erholung ist die eine Sache. Die kulturelle Wende die viel größere Herausforderung. Palla stellt das Management in die Pflicht. Letztlich geht es um Glaubwürdigkeit. Jede pünktliche Ankunft muss zur neuen Normalität werden. Das wäre ein echter Gewinn für uns alle.
- 59 Prozent Pünktlichkeit im Fernverkehr
- DB Regio zeigt 88 Prozent Pünktlichkeit
- Tiefliegendes Problem: die Haltung
- Kulturwandel gefordert
- Verantwortung für jeden Einzelnen
- Echte Glaubwürdigkeit erforderlich
| Aspekt | Details |
|---|---|
| Pünktlichkeit | 59 Prozent im Fernverkehr |
| Pünktlichkeit DB Regio | 88 Prozent |
| Kulturwandel | Notwendig für neue Normalität |
| Verantwortung | Vom Vorstand bis zum Triebfahrzeugführer |
| Finanzielle Erholung | Schwarze Zahlen erzielt |
| Kundenschmerz | Bleibt trotz finanzieller Erfolge |