Die Vorbereitung auf die neue Saison läuft bei Eintracht Frankfurt auf Hochtouren. Nach den ersten Testspielen und dem intensiven Trainingslager am Chiemsee zeichnet sich unter Trainer Adi Hütter eine klare Richtung ab. Es geht um Erneuerung, um die Rückkehr zu alten Stärken und darum, die Enttäuschung der vergangenen Spielzeit hinter sich zu lassen.
Im Mittelpunkt der letzten Tage stand ein junger Mann aus den eigenen Reihen: Elias Baum. Der 20-jährige Rechtsverteidiger hatte in der abgelaufenen Saison kaum eine Rolle gespielt, gerade mal fünf Kurzeinsätze waren es. Umso bemerkenswerter ist die klare Ansage des Trainers nach dem 1:0-Testspielsieg in Mannheim. «Er wird bei Eintracht Frankfurt bleiben,» sagte Hütter unmissverständlich. Baum hatte in jenem Spiel das Tor von Jonathan Burkardt vorbereitet und sich damit selbst ein starkes Argument geliefert. «Das gibt natürlich Selbstvertrauen,» räumte der Nachwuchsspieler im vereinseigenen Interview ein. Hütter begründete seine Entscheidung mit dem Glauben an die eigenen Talente: «Einem jungen Spieler aus dem eigenen Nachwuchs muss man auch eine Chance geben, wenn er die Qualität hat. Und die hat er.» Diese Rückendeckung für einen Youngster signalisiert einen Kurs: Die Eintracht setzt wieder vermehrt auf Entwicklung und möchte talentierten Eigengewächsen eine Perspektive bieten.
Während Baum also im Fokus steht, ist die Personalplanung im gesamten Kader noch lange nicht abgeschlossen. Hütter machte unmissverständlich klar, dass der aktuelle Spielerstamm zu groß ist. «Ich will keinen 30-Mann-Kader,» stellte der Österreicher fest. «Das heißt, wir müssen ein paar von der Liste streichen.» Als erste Kandidaten für einen Abgang gelten Stürmer wie:
- Michy Batshuayi
- Noel Futkeu
- Jessic Ngankam
- Niels Nkounkou
- Jean-Matteo Bahoya
- Junior Dina Ebimbe
Auch für Niels Nkounkou, Jean-Matteo Bahoya und Junior Dina Ebimbe soll es nach Medienberichten Abnehmer geben. Das Ziel ist ein schlanker, konkurrenzfähiger Kader mit 22 oder 23 Feldspielern.
Gleichzeitig wird weiter verstärkt. Der wohl wichtigste Neuzugang der letzten Tage ist Raphael Onyedika. Der 25-jährige Nigerianer wechselt von Club Brügge an den Main und unterschrieb einen Vertrag bis 2029. Sportvorstand Markus Krösche lobte den defensiven Mittelfeldspieler als robusten Strategen mit «außergewöhnlicher Konstanz.» Onyedika selbst versprach den Frankfurter Fans «100 Prozent Einsatz» und sieht in der Eintracht den «richtigen Ort, um mich weiterzuentwickeln.» Eine andere Transfergeschichte nahm dagegen ein anderes Ende: Der von Hütter umworbene Innenverteidiger Nobel Mendy wechselt laut übereinstimmenden Medienberichten nicht nach Frankfurt, sondern für eine hohe Ablösesumme nach England zu Hull City.
Auf dem Platz zeigte sich die Mannschaft im dritten Testspiel bei Waldhof Mannheim siegreich, wenn auch mit Luft nach oben. Das 1:0 durch Jonathan Burkardt reichte, aber Hütter monierte die Chancenverwertung: «Wir müssen einfach mehr Tore erzielen.» Positiv hob er hervor, dass die Mannschaft versucht habe, trainierten Elemente umzusetzen. Eine taktische Neuordnung betrifft Ansgar Knauff. Der Offensivspieler wurde im Trainingslager vermehrt als Teil einer Doppelspitze eingesetzt – eine Rolle, die ihm laut eigener Aussage sehr entgegenkommt. «In der Doppelspitze mit einem klaren Neuner … könnte ich dem Team durch die Tiefe und mein Tempo viel geben,» so Knauff. Er lobte zudem die «hohe Intensität,» die Hütter dem Team vermittle, und nannte als gemeinsames Ziel die Rückkehr in die europäischen Wettbewerbe.
Diese Ambition teilt auch Hugo Larsson. Der Schwede beendete alle Spekulationen über einen möglichen Abschied mit klaren Worten: «Ich habe keine Pläne, wegzugehen. Es ist dieselbe Story jedes Jahr.» Stattdessen will er in Frankfurt die Enttäuschung der vergangenen Saison wettmachen. Ein anderer Veteran, Timothy Chandler, bescheinigte Trainer Hütter im Interview mit der «Bild»-Zeitung eine positive menschliche Entwicklung seit seiner ersten Amtszeit. Diese offene und direkte Art scheint im Team gut anzukommen.
Trotz der allgemeinen Aufbruchstimmung gibt es auch offene Fragen. So ist die Torhüterposition weiterhin nicht abschließend geklärt. Zwar soll Stammkeeper Kaua Santos laut internem Willen die Nummer eins bleiben, doch der Name des ehemaligen Pokalhelden Lukas Hradecky hält sich hartnäckig in den Gerüchtekesseln. Und im defensiven Mittelfeld sorgt die Situation um Ellyes Skhiri für Gesprächsstoff. Der Tunesier, der nicht mehr ins Trainingslager fuhr, scheint laut aktuellen Berichten jedoch nicht zum 1. FC Köln zu wechseln.
Insgesamt hinterlässt die erste Phase der Vorbereitung unter Adi Hütter einen vielversprechenden Eindruck. Die Rückkehr zu einem intensiven, temporeichen Spiel, der Glaube an junge Talente wie Elias Baum und die Verpflichtung von charakterstarken Spielern wie Onyedika wecken Hoffnungen. Die große Aufgabe wird nun sein, den überfüllten Kader effektiv zu verkleinern und die Mannschaft auf den anspruchsvollen Saisonstart einzustimmen. Die Eintracht-Fans können gespannt sein, ob der neue alte Trainer die Rückkehr in die Erfolgsspur schafft.