Ein schwerer Sturm hat die Felslandschaft der Sächsischen Schweiz verwüstet und hinterlässt ein Bild der Zerstörung, das für viele Wanderer und Einheimische schockierend ist. Nach dem Unwetter vom vergangenen Freitag, bei dem ein Mensch starb und mindestens 13 verletzt wurden, hat der Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge nun drastische Maßnahmen ergriffen. Mit einer Allgemeinverfügung wurden weite Teile der Vorderen Sächsischen Schweiz gesperrt. Das Betreten ist bei Strafe verboten. Die Sperrung beliebter Ausflugsziele wie der Basteiumgebung, der Schwedenlöcher und des Amselgrunds gilt zunächst bis zum 31. August 2024 und stellt die Region vor enorme touristische und wirtschaftliche Herausforderungen.
Akute Lebensgefahr in den Wäldern
Die Begründung des Landratsamtes ist eindeutig und ernst: Es bestehe akute Lebensgefahr. «Von den beschädigten Bäumen geht eine akute Gefahr für Leben und Gesundheit aus», heißt es in der Verfügung. Die Gewalt des Sturms hat die Wälder schwer getroffen. Zahlreiche Bäume wurden entwurzelt oder sind geborsten. Viele Äste und ganze Kronenteile hängen noch in den Wipfeln und können jederzeit, auch ohne Wind, herabstürzen. Die Behörde warnt ausdrücklich davor, dass selbst Wege, die auf den ersten Blick sicher erscheinen, betroffen sein können. Der Untergrund könnte durch umgestürzte Wurzellöcher instabil sein, und die Gefahr von Nachbrüchen ist hoch. Die Sperrung ist daher keine Vorsichtsmaßnahme, sondern eine notwendige Reaktion auf eine unmittelbare Bedrohung.
Das Sperrgebiet umfasst Waldflächen und Wege in den Gemeinden Rathen, Lohmen, Rathewalde und Hohnstein. Konkret betroffen sind damit ikonische Wanderrouten:
- Die Schwedenlöcher: Die enge, steile Schlucht mit ihren vielen Stufen von der Bastei hinab nach Rathen ist komplett gesperrt.
- Der Amselgrund: Das idyllische Tal mit dem Amselsee, einem klassischen Familienausflugsziel, darf nicht betreten werden.
- Der Wehlgrund und der Raaberkessel: Weitere zentrale Täler im Wandergebiet sind abgeriegelt.
- Das Polenztal: Teile dieses beliebten Tales für längere Wanderungen sind gesperrt.
- Die Bastei: Während die berühmte Basteibrücke selbst über die Zufahrtsstraße von Lohmen aus noch erreichbar bleibt, sind die meisten Wanderwege, die zur und um die Felsformation führen, gesperrt. Auch der Zugang von Rathen über die Stiegen ist blockiert.
- Gamrig: Einzig der Gamrig, ein Aussichtsfelsen bei Rathen, bleibt über den Weg aus Waltersdorf zugänglich.
Für alle anderen gesperrten Bereiche gilt: Betreten verboten. Wer sich nicht daran hält, riskiert ein Bußgeld von bis zu 2.500 Euro. In schwerwiegenden Fällen, etwa wenn man Rettungskräfte durch eigene Leichtsinnigkeit in Gefahr bringt, können sogar bis zu 10.000 Euro fällig werden. Ausnahmen gelten nur für Einsatzkräfte, Forstbeamte, Waldbesitzer und autorisierte Fachfirmen, die mit den dringenden Sicherungsarbeiten beginnen.
Eine Region in der Zange
Die Sperrung trifft das Herz des Tourismus in der Sächsischen Schweiz. Gastronomen, Hoteliers und Vermieter in Rathen, Hohnstein und Umgebung blicken mit Sorge auf die kommenden Wochen. Der August ist traditionell einer der wichtigsten Monate für den Tagestourismus und die Übernachtungsgäste. «Das ist eine Katastrophe für uns», sagt Michael Schober, der in Rathen eine Pension betreibt. «Viele Gäste kommen explizit zum Wandern. Wenn die Hauptattraktionen gesperrt sind, fragen sie stornieren an oder kommen erst gar nicht. Die wirtschaftlichen Folgen werden spürbar sein.»
Auch für die Felsenbühne Rathen, eine der größten Freilichtbühnen Deutschlands, ist die Situation schwierig. Zwar sind ihre Mitarbeiter von der Sperrung ausgenommen, doch die Zuschauerströme könnten deutlich abnehmen, wenn der Zugang über die gesperrten Wege versperrt ist. Die Behörden und Tourismusverbände arbeiten nun unter Hochdruck an Alternativkonzepten. Es wird geprüft, ob andere, weniger betroffene Gebiete wie das Kirnitzschtal oder die Hintere Sächsische Schweiz um Sebnitz und Bad Schandau als Ausweichziele beworben werden können.
Der lange Weg zurück zur Normalität
Die Aufräum- und Sicherungsarbeiten werden Wochen, wenn nicht Monate in Anspruch nehmen. Das Landratsamt betont, dass die Gefahrenlage fortlaufend überprüft wird. Sobald einzelne Wege oder Abschnitte wieder sicher begehbar sind, sollen sie schrittweise freigegeben werden. Priorität haben dabei sicherlich die Hauptverbindungen. Doch bis alle verschlungenen Pfade, steilen Stiegen und Aussichtspunkte wieder freigegeben werden können, wird viel Zeit vergehen. Der Forst muss jeden Baum entlang der Wege genauestens begutachten, umständlich angefahrene Bäume müssen geborgen und instabile Felsbereiche überprüft werden.
Die Sperrung bis Ende August ist daher eher ein erster, vorsichtiger Zeitrahmen. Es ist wahrscheinlich, dass einige der tiefen Waldgebiete noch weit länger gesperrt bleiben müssen. Die Naturkatastrophe zeigt, wie verletzlich die einzigartige Landschaft ist und wie abhängig die Region von ihrer intakten Umwelt ist. Für Wanderer und Naturliebhaber heißt es nun, Geduld zu haben und die Absperrungen unbedingt zu respektieren. Die Sicherheit der Menschen muss vor dem Erholungswert stehen. Die Sächsische Schweiz wird ihre Besucher wieder willkommen heißen – aber erst, wenn die akute Gefahr in den verwundeten Wäldern gebannt ist.
| Aspekt | Details |
|---|---|
| Sperrung | Gilt bis zum 31. August 2024 |
| Verstöße | Bußgelder bis 2.500 Euro |
| Schwerwiegende Fälle | Bußgelder bis 10.000 Euro |
| Sperrgebiet | Rathen, Lohmen, Rathewalde, Hohnstein |
| Betroffene Wanderungen | Schwedenlöcher, Amselgrund, Wehlgrund, Polenztal, Bastei |
| Zugang | Gamrig ist zugänglich |