Die Entscheidung über die Zukunft eines der bekanntesten Dresdner Wahrzeichen steht unmittelbar bevor. Seit Monaten wird in der Stadt über das Schicksal des Lingnerschlosses diskutiert, das auf einer Klippe über der Elbe thront. Nun gehen die Beratungen im Stadtrat in die entscheidende Phase. Zwei Bieter wollen das Erbbaurecht für die nächsten 44 Jahre erwerben und das Schloss für die Öffentlichkeit erhalten. Am Dienstag stellten sie ihre Konzepte vor. Eine klare Tendenz gibt es jedoch noch nicht.
Der Finanzausschuss des Stadtrats kam am Dienstag zu keiner eindeutigen Empfehlung. Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) hatte den Verkauf des Erbbaurechts für 1,65 Millionen Euro an die Unternehmer Thomas Bohn und Oliver Kreider vorgeschlagen. In einer unverbindlichen Abstimmung stimmten jedoch nur der Oberbürgermeister selbst und die AfD-Fraktion für diesen Plan. Die Fraktionen der Linken, der Partei «Volt» und die Gruppe FDP/Freie Bürger lehnten ab. Die übrigen Stadträte enthielten sich. «Pari pari», beschrieb FDP/FB-Stadtrat Michael Hauck die Situation, «beide Gruppen nehmen sich nicht viel.» Damit bleibt die endgültige Entscheidung, die am 3. September im Stadtrat fällt, völlig offen. Viele Stadträte betonten, sie müssten sich erst noch eine endgültige Meinung bilden.
Die zweite Bieter-Gruppe tritt unter dem Namen «Ein Schloss für alle» auf. Sie wird vom Bauinvestor Frank Wießner angeführt, der unter anderem für das Projekt «Narrenhäusel» bekannt ist. Seine Gruppe besteht derzeit aus 15 Personen, darunter Unternehmer, Apotheker und Händler. Jeder beteiligt sich mit mindestens 95.000 Euro, um gemeinsam das Gebot von 1,7 Millionen Euro aufzubringen.
Frank Wießner warb im Ausschuss für den Vorteil seines Modells. Die Vielfalt der Persönlichkeiten und deren breites Netzwerk seien ideal für den Betrieb eines solchen Kulturguts. Zudem könnten mögliche interne Unstimmigkeiten auch in Jahrzehnten noch per Mehrheitsbeschluss gelöst werden. Eine Besonderheit seines Angebots sei eine Rückkaufoption für die Stadt Dresden. «Sollte die Stadt nicht mehr zufrieden sein mit den Schlossherren, könne sie sich die Liegenschaft für die gezahlte Kaufsumme zurückholen», erklärte Wießner. Dies motiviere zusätzlich, das Schloss im Sinne der Allgemeinheit zu führen.
Ein zentraler Punkt der Diskussion war die Zukunft des bisherigen Fördervereins Lingnerschloss, der insolvent ist. Dessen Vorständin Ines Eschler hatte sich im Vorfeld für die Bewerber Bohn und Kreider ausgesprochen. Sie schätzten die Arbeit des Vereins und wollten ihn künftig breit einbinden. Gegenüber Teilen der 15-köpfigen Bietergruppe um Wießner habe man hingegen Vorbehalte, die auf frühere Unstimmigkeiten zurückgingen. Mitglieder der Gruppe wie Karin Meyer-Götz betonten jedoch den Respekt vor der Vereinsarbeit. Frank Wießner, der selbst früher Vereinsmitglied war, appellierte, vergangene Streitigkeiten ruhen zu lassen: «Wir wollen mit dem Verein zusammenarbeiten.» Das gebiete der Respekt und sei selbstverständlich.
Die Bewerber Thomas Bohn und Oliver Kreider hatten ihr Konzept bereits in früheren Sitzungen vorgestellt. Ihr Plan sieht vor, das Schloss als «Haus der Begegnung» mit gastronomischen Angeboten, Veranstaltungsräumen und öffentlich zugänglichen Bereichen zu etablieren. Sie betonen ihre langjährige Verbundenheit zu Dresden und ihr unternehmerisches Know-how.
Für die Stadtgesellschaft geht es bei dieser Entscheidung um mehr als nur einen Immobilienverkauf. Das Lingnerschloss ist ein starkes emotionales Symbol. Es steht für die Wiederaufbauleistung nach dem Krieg, für bürgerschaftliches Engagement, aber auch für die schwierige Finanzierung von Denkmalschutz. Viele Dresdnerinnen und Dresdner verbinden persönliche Erinnerungen mit dem Ort. Die Frage, wer künftig die Verantwortung trägt, wird daher intensiv und mit großer Leidenschaft diskutiert. Die Befürchtung, ein Investor könne das öffentliche Interesse hinter Gewinnziele stellen, schwingt immer mit.
Die bevorstehende Stadtratsbeschluss am 3. September wird nun genau darauf achten müssen, welches Konzept die nachhaltigste und öffentlichste Zukunft für das Lingnerschloss garantiert. Beide Bieter versprechen, das Schloss für alle zu öffnen und zu erhalten. Die Stadträte müssen nun abwägen, welchem Modell sie über die kommenden vier Jahrzehnte mehr Vertrauen schenken. Es ist eine Entscheidung, die die Dresdner Stadtgesellschaft noch lange beschäftigen wird.
- Entscheidung über das Lingnerschloss steht bevor
- Zwei Bieter wollen Erbbaurecht erwerben
- Diskussionen über die zukünftige Nutzung
- Vielfalt der Bietergruppen betont
- Rückkaufoption für die Stadt
- Bedeutung des Lingnerschlosses für die Stadtgesellschaft
| Bieter | Angebot | Teilnehmer | Besonderheiten |
|---|---|---|---|
| Thomas Bohn und Oliver Kreider | 1,65 Millionen Euro | Unbekannt | Haus der Begegnung mit gastronomischen Angeboten |
| Frank Wießner (Ein Schloss für alle) | 1,7 Millionen Euro | 15 (Unternehmer, Apotheker, Händler) | Rückkaufoption für die Stadt |