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Nachrichten Lokal > Nachrichten > Düsseldorf > Neues Streetfood-Highlight in Düsseldorf: Jianbing im Test
Düsseldorf

Neues Streetfood-Highlight in Düsseldorf: Jianbing im Test

Julia Becker
Zuletzt aktualisiert: August 13, 2026 2:58 p.m.
Julia Becker
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In der Friedrichstraße, direkt gegenüber der nie endenden Baustelle und zwischen den bewährten Imbissbuden, hat sich etwas Neues eingefunden. Seit Juni duftet es an der Nummer 39 nach geröstetem Sesam, Sojasauce und einem Hauch von frittiertem Teig. „Two Eggs JianBing“ hat seine Türen geöffnet und bringt damit einen Snack nach Düsseldorf, der in China so alltäglich ist wie hier die Currywurst: den Jianbing. Mehr als nur eine weitere Neueröffnung in der ständig pulsierenden Düsseldorfer Gastro-Szene, wirft dieser kleine Laden Fragen auf. Kann sich dieses traditionelle Frühstücks- und Streetfood-Gerät in einer Stadt etablieren, die bereits von exzellenter asiatischer Küche verwöhnt wird? Und was bedeutet sein Erscheinen für das sich wandelnde Gesicht unserer Innenstadt und die Essgewohnheiten der Bewohner?

Contents
Was ist Jianbing und warum kommt es jetzt nach Düsseldorf?Unser Test: Geschmack, Textur und die Gretchenfrage der SchärfeMehr als nur ein Snack: Gemeinschaftsauswirkungen und städtischer WandelFazit: Ein bereicherndes neues Angebot mit Raum für Entwicklung

Wir haben den Laden besucht und nicht nur den Geschmack, sondern auch die Geschichte dahinter getestet.

Was ist Jianbing und warum kommt es jetzt nach Düsseldorf?

Um den Besuch einzuordnen, lohnt ein Blick auf den kulinarischen und städtischen Kontext. Jianbing (ausgesprochen etwa „Djian-Bing“) ist ein herzhafter Crêpe aus Nordchina, oft als „Chinas beliebtestes Streetfood“ bezeichnet. Sein Weg nach Deutschland folgt einem bekannten Muster der kulinarischen Migration. Zuerst etabliert sich eine Küche in ihrer authentischen, oft restaurantbasierten Form – wie die vielen exzellenten Sichuan-, Kantonesen- oder Uigurischen-Restaurants in Düsseldorf. Dann folgt die nächste Welle: die vereinfachte, transportable und häufig virale Streetfood-Variante, die für den schnellen Imbiss zwischendurch konzipiert ist.

„Two Eggs JianBing“ ist dabei kein Pionier aus dem Nichts. Ein erster Laden des Betreibers läuft bereits in Essen. Die Eröffnung in der Friedrichstraße, einer Straße mit viel Fußgängerverkehr zwischen Hauptbahnhof und Kö, ist strategisch klug gewählt. Sie spricht nicht nur die wachsende Community von Asien-Enthusiasten und Studierenden an, sondern auch den allgemeinen Laufkundschaft, der nach einer schnellen, günstigen und interessanten Mahlzeit sucht. Die Preise, die zwischen 5,50 Euro für die vegetarische Basisversion und 9,50 Euro für die Premium-Variante mit Entenfleisch liegen, positionieren sich im unteren bis mittleren Segment der Düsseldorfer Imbiss-Landschaft.

Unser Test: Geschmack, Textur und die Gretchenfrage der Schärfe

Der Laden selbst ist schlicht und funktional. Ein paar wenige Sitzgelegenheiten laden zum Verweilen ein, doch der Fokus liegt klar auf dem „To-go“-Geschäft. Die Zubereitung ist das Highlight: Vor den Augen der Kunden wird der flüssige Teig aus Soja-, Mais- und Weizenmehl auf einer heißen, runden Platte verteilt, ein Ei wird darüber geschlagen und mit einem Spachtel zerrieben. Dann folgt der charakteristische Schritt: Ein Stück „Bocui“, ein knusprig-frittiertes Teigfladenstück, wird in die Mitte gelegt. Abschließend kommen eine würzige Sauce (oft auf Basis von fermented bean paste), Sesam, Frühlingszwiebeln und Salat darauf, bevor der ganze Crêpe kunstvoll zusammengefaltet wird.

Wir haben zwei Varianten probiert: den klassischen vegetarischen Jianbing und die Version mit Hähnchenschnitzel.

  • Der äußere, dünne Pfannkuchen ist weich und leicht elastisch.
  • Das Innenliegende „Bocui“ bietet einen satten, luftigen Knuspereffekt.
  • Die Geschmackskomposition ist umami-reich durch die Sauce.
  • Die als „scharf“ bezeichnete Sauce hinterlässt kaum ein Brennen auf der Zunge.
  • Die Variante mit Hähnchenschnitzel ist voluminös und sättigend.
  • Die feinen Nuancen der Sauce und Gewürze treten in den Hintergrund.

Der erste Biss des Klassikers ist eine Offenbarung der Textur. Der äußere, dünne Pfannkuchen ist weich und leicht elastisch, während das innenliegende „Bocui“ einen satten, luftigen Knuspereffekt bietet – ein perfekter Kontrast. Die Geschmackskomposition ist komplex: umami-reich durch die Sauce, nussig durch den Sesam und frisch durch die Kräuter. Allerdings offenbart sich hier auch die erste Anpassung an den „europäischen Gaumen“, wie es im Ursprungsartikel heißt. Die als „scharf“ bezeichnete Sauce hinterlässt bei uns kaum ein Brennen auf der Zunge. Für Liebhaber authentisch-scharfer chinesischer Küche mag das enttäuschend sein; für den Durchschnittskunden in der Friedrichstraße ist es vermutlich die sicherere Wahl.

Die Variante mit Hähnchenschnitzel ist eine andere Geschichte. Sie ist voluminös, fast schon üppig gefüllt, und macht definitiv satt. Doch genau in dieser Fülle geht die filigrane Balance des Originals teilweise verloren. Das Schnitzel dominiert, die feinen Nuancen der Sauce und Gewürze treten in den Hintergrund. Es schmeckt gut, erinnert aber stärker an einen herzhaften gefüllten Pfannkuchen allgemeiner Art als an das spezifische Jianbing-Erlebnis. Es ist, als ob das Gericht hier einen Kompromiss zwischen Authentizität und dem deutschen Verlangen nach substanzieller, fleischlastiger Füllung eingeht.

Mehr als nur ein Snack: Gemeinschaftsauswirkungen und städtischer Wandel

Die Eröffnung von „Two Eggs JianBing“ ist ein kleines, aber bezeichnendes Puzzleteil im größeren Bild der Düsseldorfer Innenstadt. Die Friedrichstraße ist im Wandel. Sie ist keine reine Einkaufsmeile mehr, sondern entwickelt sich zunehmend zu einer Flaniermeile mit gemischter Nutzung: Einzelhandel wechselt sich ab mit Dienstleistern, Cafés und nun auch internationalen Streetfood-Angeboten. Solche kleinen gastronomischen Betriebe beleben die Straße, schaffen Fußgängerfrequenz und machen den urbanen Raum interessanter.

Gleichzeitig wirft das Konzept Fragen der kulturellen Aneignung und Authentizität auf, die in einer vielfältigen Stadt wie Düsseldorf immer präsent sind. Wird hier ein traditionelles Gericht vermarktet, ohne seinen kulturellen Hintergrund angemessen zu würdigen? Der Besuch vor Ort zeigt eine pragmatische Herangehensweise. Eine Infotafel erklärt kurz die Herkunft, aber der Fokus liegt eindeutig auf dem Produkt als leckerem, neuartigem Imbiss. Dies kann man als Vereinfachung kritisieren oder aber als notwendige Anpassung für den erfolgreichen Markteintritt sehen. Entscheidend ist, dass solche Öffnungen Türen sind. Sie können Neugierde wecken und Interessierte vielleicht dazu bringen, sich mit der ursprünglichen, komplexeren Küche Chinas in den etablierten Restaurants der Stadt auseinanderzusetzen.

Für die Bewohner Düsseldorfs bedeutet es schlichtweg mehr Auswahl. In einer Zeit, in der die Preise in der Gastronomie stetig steigen, bietet der Jianbing eine bezahlbare Alternative zum belegten Brötchen oder Döner. Er ist vegetarisch in der Grundversion gut verfügbar, schnell zubereitet und leicht zu essen – Eigenschaften, die perfekt zum Rhythmus einer modernen Großstadt passen.

Fazit: Ein bereicherndes neues Angebot mit Raum für Entwicklung

Lohnt sich ein Besuch? Absolut. „Two Eggs JianBing“ ist eine gelungene und willkommene Bereicherung der Düsseldorfer Streetfood-Landschaft. Der klassische Jianbing überzeugt durch sein einzigartiges Texturspiel und den harmonischen Geschmack. Er ist ein ideales Mittagessen für den kleinen Hunger oder einen schnellen Snack unterwegs. Wer ein üppigeres, sättigenderes Mahl sucht, wird bei den Fleischvarianten fündig, sollte aber nicht die höchste Schule der authentischen chinesischen Würzkunst erwarten.

Die größte Stärke des Ladens liegt vielleicht genau in dieser Zugänglichkeit. Er demokratisiert ein Stück chinesischer Esskultur, macht es unkompliziert und für jeden erschwinglich. Ob der Jianbing hier nachhaltig Fuß fasst, wird die Zeit und der Düsseldorfer Gaumen zeigen. Sicher ist: In einer Stadt, die sich ihrer internationalen Küche rühmt, ist jede neue, ehrliche Geschmacksrichtung eine Bereicherung für das städtische Leben. Die Friedrichstraße 39 ist auf jeden Fall einen Abstecher wert – nicht trotz, sondern auch wegen des Blickes auf die Dauerbaustelle, die ja schließlich auch nur ein Zeichen für eine Stadt in stetiger Veränderung ist.

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VonJulia Becker
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Julia ist eine engagierte Reporterin für den Süden Deutschlands mit Schwerpunkt auf München und Stuttgart. Sie schreibt über lokale Kulturveranstaltungen, das wirtschaftliche Stadtleben und Geschichten von Menschen, die ihre Region prägen. Ihre Beiträge zeichnen sich durch Nähe, Empathie und starke persönliche Perspektiven aus.
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