Wer in diesen Tagen an einer der großen Münchner U-Bahn-Stationen wie Marienplatz oder Hauptbahnhof wartet, dem fällt vielleicht ein kurzer Film auf den digitalen Infoscreens auf. Es geht nicht um Werbung oder die nächste Abfahrtszeit. Stattdessen stellt eine Quizfrage ein alltägliches Szenario in den Raum: Was tun, wenn plötzlich der Strom für mehrere Tage ausfällt? Oder welche Vorräte sollten für den Notfall im Haus sein? Diese zehn Sekunden sind Teil einer besonderen Kampagne der Münchner Feuerwehr. Sie will die Menschen genau dort erreichen, wo sie täglich unterwegs sind: in den öffentlichen Verkehrsmitteln.
Die Branddirektion München hat zusammen mit dem Außenwerbeunternehmen Ströer eine Aktion zum Bevölkerungsschutz gestartet. Seit Anfang August laufen auf 180 Bildschirmen in Bussen und Straßenbahnen sowie an 20 S- und U-Bahn-Stationen kurze Videoclips. Ihr Ziel ist es, das Bewusstsein für persönliche Krisenvorsorge zu schärfen. Krisenvorsorge ist eine Gemeinschaftsaufgabe, betont Feuerwehr-Chef Wolfgang Schäuble. „Je besser die Bevölkerung informiert und vorbereitet ist, desto wirksamer können Feuerwehr und Rettungsdienst im Ernstfall helfen.“
Die Zahlen zeigen, warum das Thema an Bedeutung gewinnt. Laut einer Umfrage des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) aus dem Jahr 2023 hat nur rund ein Drittel der deutschen Haushalte einen Notvorrat für mindestens zehn Tage angelegt. In einer Großstadt wie München, mit über 1,5 Millionen Einwohnern auf engem Raum, kann eine unvorbereitete Bevölkerung im Krisenfall schnell zu einer enormen Herausforderung für die Rettungskräfte werden. Die Kampagne setzt deshalb auf einfache, klare Botschaften, die im Vorbeigehen verstanden werden.
Vom Notvorrat bis zum Blackout: Was die Clips vermitteln
- Notfallvorräte: Welche Lebensmittel und Getränke sollte man für mindestens zehn Tage vorrätig haben?
- Richtiges Verhalten: Wie verhalte ich mich bei einem Brand in meinem Haus oder bei einer Evakuierung?
- Warnmittel: Die Clips werben für die Installation der offiziellen Warn-App NINA (Notfall-Informations- und Nachrichten-App).
- Erste Hilfe: Sie erinnern an die Wichtigkeit von aktuellem Erste-Hilfe-Wissen.
- Stromausfall: Sie geben Hinweise zur Vorbereitung auf einen länger andauernden Blackout.
Das spielerische Quiz-Format soll zum Mitdenken anregen. Eine Frage lautet beispielsweise: „Welche offizielle bundesweite Warn-App sollte auf dem Smartphone installiert sein?“ Nach einer kurzen Denkpause erscheint die Antwort: NINA. „Mit diesem niederschwelligen Ansatz wollen wir Aufmerksamkeit wecken und die Menschen motivieren, sich aktiv mit dem Thema zu befassen, ohne Angst zu machen“, erklärt eine Sprecherin der Branddirektion.
Warum Eigenvorsorge für München so wichtig ist
Hinter der Aktion steht ein strategischer Gedanke des modernen Bevölkerungsschutzes: Resilienz. Damit ist die Fähigkeit einer Gemeinschaft gemeint, Krisen zu bewältigen und sich schnell zu erholen. In einer dicht besiedelten Metropole kann bei einer großen Schadenslage nicht jeder sofort von den professionellen Rettungskräften versorgt werden. Wer selbst für einige Tage vorgesorgt hat und weiß, wie man sich im Ernstfall verhält, ist nicht nur selbst besser geschützt. Er entlastet auch die Einsatzkräfte der Feuerwehr und des Rettungsdienstes, die sich dann auf die akutesten Notfälle konzentrieren können.
„Wer im Krisenfall selbst handlungsfähig ist, hilft uns allen“, bringt es Kreisverwaltungsreferentin Dr. Hanna Sammüller auf den Punkt. Die Stadt München habe die Unterabteilung Bevölkerungsschutz innerhalb der Branddirektion genau aus diesem Grund gestärkt. Die digitale Kampagne in Bussen und Bahnen ist dabei nur ein zusätzlicher Kanal. Sie ergänzt bestehende Angebote wie Informationsstände bei Stadtfesten, Vorträge oder die aktive Kommunikation in den sozialen Medien.
Ein Thema, das alle Münchnerinnen und Münchner angeht
Die Zielgruppe der Kampagne ist bewusst gewählt. Der öffentliche Nahverkehr wird von allen Gesellschaftsschichten genutzt – von Schülerinnen und Schülern, Pendlerinnen und Pendlern, Seniorinnen und Senioren. Man erreicht Menschen, die vielleicht nicht aktiv nach Informationen zum Katastrophenschutz suchen würden. Gerade für ältere Menschen oder solche, die weniger im Internet unterwegs sind, können die Screens im öffentlichen Raum ein wichtiger erster Impuls sein.
Die Reaktionen der Fahrgäste sind bisher durchweg positiv. „Ich habe mir tatsächlich überlegt, wann ich das letzte Mal meinen Vorratsschrank überprüft habe“, sagt Michael, ein Pendler am Harras. „Die paar Sekunden regen schon zum Nachdenken an.“ Eine andere Fahrgastin, Frau Bauer, ergänzt: „Besonders der Hinweis auf die NINA-App war mir neu. Die habe ich mir direkt runtergeladen.“
Die Kampagne läuft noch bis Ende August. Die Feuerwehr München hofft, dass die kurzen Denkanstöße nachhaltig wirken. Wer mehr wissen möchte, findet alle Details und den kompletten BBK-Ratgeber auf der Website der Landeshauptstadt München und des Bundesamts für Bevölkerungsschutz. Es geht nicht darum, in Angst zu leben, sondern darum, mit einem gewissen Grundwissen und ein paar Vorkehrungen gelassener in die Zukunft zu blicken – eine Haltung, die in unruhigen Zeiten für eine ganze Stadtgemeinschaft wertvoll sein kann.