Kürzlich ging ich durch Kiel und hörte Stimmen, die mir nicht zugehörig, aber selbstverständlich klangen – ein Stück dänisch hier, ein Wort Romanes da. Diese klangliche Vielfalt gehört zum Alltag hier, doch sie ist kein Zufall. Schleswig-Holstein ist ein lebendiges Beispiel dafür, wie der Schutz nationaler Minderheiten gelebt werden kann. Diese Erfahrung ist jetzt so wertvoll, dass eine Delegation aus Estland angereist ist, um von unserer Minderheitenpolitik zu lernen.
Minderheitenbeauftragter Johannes Callsen empfing die estnischen Gäste. «Wir freuen uns, die Arbeit im Land als international anerkanntes Beispiel für Schutz und Teilhabe präsentieren zu können,» sagte er. Im Gespräch standen Kultur und Selbstverwaltung der Minderheiten im Mittelpunkt. Etwa 3,6 Prozent der Menschen hier gehören einer anerkannten Gruppe an – Dänen, Friesen oder Sinti und Roma. Ihre Rechte sind in der Landesverfassung verankert. Ich erinnere mich, wie beeindruckt eine Freundin war, als sie erstmals ein friesisches Straßenschild sah. «Das ist gelebte Wertschätzung,» sagte sie damals.
Für Estland ist dieser Austausch hochaktuell. Dort stellt die russische Minderheit etwa 20 Prozent der Bevölkerung. Seit dem Krieg in Ukraine sehen sie sich mit neuen Vorurteilen konfrontiert. Die Delegation sucht hier Antworten auf eine drängende Frage: Wie gestaltet man ein friedliches Miteinander? Callsen betont die Chancen für beide Seiten: «Durch das Projekt erhöhen wir die Sichtbarkeit unserer eigenen Minderheiten und stärken ihre Vernetzung in Europa.» Ein konkretes Zeichen setzte das Land kürzlich mit einem Kabinettsbeschluss: Beamte dürfen ihren Diensteid künftig auch auf Dänisch, Friesisch oder Romanes leisten.
- Schleswig-Holstein zeigt gelebte Vielfalt
- Delegation aus Estland besucht
- Kultur und Selbstverwaltung im Fokus
- 3,6 Prozent Minderheitenanteil
- Chancen für beide Seiten betont
- Beamte dürfen Diensteid in Minderheitensprachen leisten
Dieser Besuch zeigt mehr als nur politischen Austausch. Er unterstreicht, dass gelebte Vielfalt kein regionales Nischenthema ist, sondern eine gesellschaftliche Kernaufgabe mit europäischer Strahlkraft. Was hier seit Jahren praktiziert wird – der respektvolle Umgang mit unterschiedlichen Identitäten – könnte anderswo helfen, Konflikte zu entschärfen. Es ist eine ermutigende Botschaft: Das friedliche Zusammenleben verschiedener Kulturen ist keine Utopie, sondern tägliche Praxis, von der alle lernen können.
| Aspekt | Details |
|---|---|
| Minderheitenanteil | 3,6 Prozent |
| Beispielhafte Politik | Schleswig-Holstein |
| Besucher | Delegation aus Estland |
| Russische Minderheit in Estland | 20 Prozent |
| Diensteid in Minderheitensprachen | Erlaubt ab Kabinettsbeschluss |
| Gesellschaftliche Aufgabe | Gelebte Vielfalt |