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Nachrichten Lokal > Nachrichten > Berlin > Union Berlin Spieler helfen Fan bei epileptischem Anfall: Schnelle Reaktion von Rönnow und Schäfer
Berlin

Union Berlin Spieler helfen Fan bei epileptischem Anfall: Schnelle Reaktion von Rönnow und Schäfer

Julia Becker
Zuletzt aktualisiert: August 20, 2026 10:01 p.m.
Julia Becker
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Contents
Eine Sekunde der Sorge, eine Reaktion der VerbundenheitMehr als Fußball: Die soziale Verantwortung des Vereins im KiezDie stille Frage: Wie sicher fühlen wir uns in der Masse?Vorbilder auf dem Rasen, Vorbilder im Leben


Article

Die Sonne stand tief über dem alten Stadion an der Alten Försterei, als sich am Dienstagnachmittag die Profis von 1. FC Union Berlin zu einem öffentlichen Training einfanden. Hunderte Fans, darunter viele Familien mit Kindern, waren gekommen, um ihre Idole aus nächster Nähe zu sehen. Die Stimmung war entspannt, fröhlich – ein typischer Moment der Verbindung zwischen dem Verein und seiner Gemeinschaft. Doch plötzlich kippte die Idylle. Mitten in der Menge, unweit des Spielfeldrands, brach ein junger Fan zusammen. Er erlitt einen epileptischen Anfall.

Was dann geschah, war mehr als nur eine spontane Hilfsaktion. Es wurde ein beeindruckendes Beispiel für schnelles Handeln, Menschlichkeit und die besondere Bindung, die diesen Verein aus Köpenick mit seinen Anhängern verbindet. Torhüter Frederik Rönnow und Mittelfeldspieler András Schäfer reagierten sofort. Sie unterbrachen ihr Training, eilten zu dem Jungen und leisteten erste Hilfe, bis der vereinseigene Sanitätsdienst übernehmen konnte. Dieser Vorfall, der glücklicherweise gut ausging, wirft ein Schlaglicht auf mehr als nur den Tag: auf die Bedeutung von Erster-Hilfe-Kenntnissen, auf die Vorbildfunktion von Profisportlern und auf das solidarische Miteinander, das im Fußball oft beschworen, hier aber konkret gelebt wurde.

Eine Sekunde der Sorge, eine Reaktion der Verbundenheit

Augenzeugen berichten von einem Schreckmoment, der sekundenschnell durch die Menge ging. Der junge Fan, dessen Identität aus Datenschutzgründen nicht bekannt gegeben wurde, war mit seiner Familie vor Ort. Als er kollabierte, herrschte zunächst betretenes Schweigen, dann setzte besorgte Unruhe ein. Doch es dauerte nur Augenblicke, bis professionelle Abläufe griffen.

Frederik Rönnow, der dänische Nationaltorhüter, bemerkte die Unruhe zuerst. Ohne zu zögern, legte er seine Handschuhe beiseite und rannte vom Tor in Richtung der Tribüne. Fast zeitgleich reagierte András Schäfer, der ungarische Nationalspieler, der sich in seiner ersten Saison bei Union bereits durch seinen kämpferischen Einsatz und seine Herzlichkeit einen Platz in den Herzen der Fans erobert hat. Beide Spieler wirkten, laut Aussagen von Umstehenden, konzentriert und ruhig. Sie sicherten den Bereich, sprachen beruhigend auf die besorgte Familie ein und kümmerten sich um den Jungen, bis die Sanitäter des Vereins mit ihrer Ausrüstung eintrafen.

„Die Jungs haben das absolut vorbildlich gemacht“, sagte ein Sprecher des 1. FC Union Berlin später gegenüber Nachrichten Lokal. „Unser medizinisches Personal war innerhalb von weniger als einer Minute vor Ort. Aber diese erste Reaktion unserer Spieler, ihre Besonnenheit und ihr Mitgefühl, das ist etwas, was man nicht trainieren kann. Das kommt von innen.“ Der junge Fan konnte nach der Erstversorgung durch die Sanitäter wieder zu sich kommen. Ihm geht es den Umständen entsprechend gut; er wurde zur weiteren Beobachtung und aus Vorsicht in ein nahegelegenes Krankenhaus gebracht.

Mehr als Fußball: Die soziale Verantwortung des Vereins im Kiez

Dieser Vorfall ist kein isolierter Glücksfall, sondern passt in das Selbstverständnis des 1. FC Union Berlin. Der Verein, tief verwurzelt in den Arbeitervierteln Köpenicks und Treptows, hat sich stets als ein Klub der Gemeinschaft verstanden. Die „Eisernen“ sind bekannt für ihre enge Fanbindung, ihre transparente Kommunikation und ihr Engagement abseits des Platzes. Das Stadion an der Alten Försterei, größtenteils in ehrenamtlicher Arbeit von Fans erbaut, ist selbst ein Symbol für diesen Gemeinschaftsgeist.

Die soziale Verantwortung wird bei Union nicht nur in Pressemitteilungen beschworen, sondern gelebt. Der Verein unterhält zahlreiche Projekte in den Bereichen Integration, Bildung und Gewaltprävention. Die „Union-Stiftung“ unterstützt lokale soziale Initiativen. In der Pandemie organisierte der Verein Einkaufshilfen für ältere Menschen im Kiez. Vor diesem Hintergrund erscheint die spontane Hilfsaktion von Rönnow und Schäfer wie eine natürliche Extension der Vereinsphilosophie: Hinsehen, handeln, helfen – ob auf oder neben dem Platz.

  • Integration
  • Bildung
  • Gewaltprävention
  • Lokale soziale Initiativen
  • Einkaufshilfen in der Pandemie
  • Gemeinschaftsprojekte

Die stille Frage: Wie sicher fühlen wir uns in der Masse?

Der epileptische Anfall eines jungen Menschen inmitten einer Menschenmenge stellt auch eine unbequeme Frage: Wie gut sind wir als Gesellschaft vorbereitet, um in solchen Momenten richtig zu handeln? Laut der Deutschen Epilepsievereinigung erleiden in Deutschland jährlich etwa 50.000 Menschen einen epileptischen Anfall. Die überwiegende Mehrheit dieser Anfälle ist nicht lebensbedrohlich, doch die richtige Ersthilfe – vor allem die Sicherung der Person, das Freihalten der Atemwege und die stabile Seitenlage nach dem Anfall – ist entscheidend.

Die spontane, besonnene Reaktion der beiden Union-Profis kann hier als ein wichtiges Signal dienen. Sie zeigt, dass Erste Hilfe kein Fachwissen für Experten ist, sondern eine Bürgerpflicht, die im Zweifelsfall Leben retten kann. In einer Stadt wie Berlin, wo sich das Leben oft in großen Menschenansammlungen abspielt – ob im Stadion, im öffentlichen Nahverkehr oder auf Stadtfesten – ist diese kollektive Handlungskompetenz von unschätzbarem Wert.

Stadtrat und Gesundheitsexperten weisen immer wieder darauf hin, wie wichtig es ist, dass die Kenntnisse in Erster Hilfe regelmäßig aufgefrischt werden. Viele Berliner haben ihren letzten Kurs für den Führerschein gemacht – das kann Jahrzehnte her sein. Initiativen wie die „Woche der Wiederbelebung“ oder Angebote der Berliner Feuerwehr zielen darauf ab, diese Lücke zu schließen. Die Bilder von den hilfsbereiten Union-Spielern könnten nun mehr Menschen motivieren, ihr eigenes Wissen zu überprüfen.

Vorbilder auf dem Rasen, Vorbilder im Leben

Frederik Rönnow und András Schäfer werden am Wochenende wieder im Trikot der „Eisernen“ auf dem Platz stehen. Sie werden Paraden zeigen, Zweikämpfe gewinnen und Tore erzielen oder verhindern. Doch ihre vielleicht wichtigste Aktion in dieser Woche haben sie bereits abseits des bunten Lederballs vollbracht. Sie haben gezeigt, dass unter dem Profisportler der Mensch nicht verschwindet. Sie haben demonstriert, dass Antennen für die Notsituationen des Gegenübers auch im Fokus des Wettkampfs nicht stumpf werden.

In einer Zeit, in der der professionelle Fußball oft für seine Kommerzialisierung, die Abgehobenheit der Stars und die exorbitanten Gehälter kritisiert wird, ist eine solche Geste von unschätzbarem Wert. Sie erinnert daran, worum es im Kern des Sports immer gehen sollte: um Gemeinschaft, um Emotionen, die man teilt, und um die gegenseitige Unterstützung – besonders dann, wenn es einmal nicht um Punkte, sondern um das Wohl eines Menschen geht.

Der 1. FC Union Berlin hat durch die Handlungen seiner Spieler an diesem Nachmittag ein Stück weit seine Seele gezeigt. Es ist dieselbe Seele, die Fans dazu bringt, ehrenamtlich ihr Stadion zu bauen, die Nachbarn dazu bringt, gemeinsam zum Spiel zu gehen, und die Spieler dazu bringt, in einer kritischen Sekunde nicht weg-, sondern hinzusehen. In Köpenick ist man stolz auf diese Haltung. Und vielleicht kann dieser Vorfall auch über die Stadtteilgrenzen hinaus eine kleine, aber nachhaltige Botschaft senden: Schaut nicht weg. Helft. Seid wie Union.


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VonJulia Becker
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Julia ist eine engagierte Reporterin für den Süden Deutschlands mit Schwerpunkt auf München und Stuttgart. Sie schreibt über lokale Kulturveranstaltungen, das wirtschaftliche Stadtleben und Geschichten von Menschen, die ihre Region prägen. Ihre Beiträge zeichnen sich durch Nähe, Empathie und starke persönliche Perspektiven aus.
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