Die Sonne scheint hier auf mein Dach und erzeugt Strom. Das fühlt sich gut an, dieses Stück Unabhängigkeit. Doch mein Blick schweift über die Nachbardächer – da ist noch viel Platz. Deutschland hat sein Solarenergie-Ziel für 2026 früher als geplant erreicht, über 128 Gigawatt Leistung sind installiert. Ein großer Erfolg, keine Frage. Aber was bedeutet das für die kommenden Jahre? Die Stimmung ist gespalten zwischen Stolz und Sorge.
«Der 128-Gigawatt-Meilenstein ist ein Erfolg. Doch wer daraus schließt, der Solarausbau laufe jetzt von allein, irrt», warnt Carsten Körnig vom Bundesverband Solarwirtschaft. Die nächsten Ziele sind ambitioniert: Bis 2030 müssen fast 90 Gigawatt zusätzlich ans Netz. Derzeit stockt es aber. Zwar wurden im ersten Halbjahr 2026 gut 7,5 Gigawatt zugebaut, doch Experten vermuten Sondereffekte. Der eigentliche Jahresbedarf liegt bei 20 Gigawatt. Die Sorge vor einem «Ausbauknick» ist greifbar, vor allem wegen geplanter politischer Änderungen. In meiner Straße höre ich diese Unsicherheit. Der Nachbar zögert mit seiner geplanten Anlage, wartet ab. Das ist das Problem: Momentum ist zerbrechlich.
Die Energiezukunft ist solar, das steht fest. Aber der Weg dorthin braucht mehr als nur Sonne. Er braucht Verlässlichkeit. «Investitionen brauchen verlässliche Rahmenbedingungen», sagt Körnig. Wenn wir jetzt nachlassen, verpassen wir den Anschluss an die eigenen Ziele. Mein eigener Stromzähler dreht sich langsamer, aber für Deutschland muss das Tempo steigen. Die Frage ist nicht mehr ob, sondern wie schnell wir die nächsten Meilensteine erreichen – und ob der politische Wille stark genug ist, diesen Schwung zu halten.
- Über 128 Gigawatt solarer Leistung installiert
- Ziele bis 2030: fast 90 Gigawatt zusätzlich
- Bedarf: 20 Gigawatt pro Jahr
- 7,5 Gigawatt im ersten Halbjahr 2026 zugebaut
- Vorsicht vor einem «Ausbauknick»
- Verlässliche Rahmenbedingungen notwendig
| Jahr | Installierte Leistung (Gigawatt) | Jahresbedarf (Gigawatt) |
|---|---|---|
| 2026 | 128 | 20 |
| 2030 | ~218 | 20 |