Der Transfermarkt brodelt im August, und die Eintracht Frankfurt steht im Zentrum zahlreicher Gerüchte, Abschiede und offener Baustellen. Während der Wechsel von Ellyes Skhiri zum 1. FC Köln nun offiziell ist, überschlagen sich die Meldungen um Torhüter, Verteidiger und die Zukunft weiterer Spieler. Für die Fans am Main bedeutet das eine Zeit der Ungewissheit, kurz vor dem ersten Pflichtspiel der Saison im DFB-Pokal.
Skhiri-Kapitel beendet – Ein Kapitän kehrt heim
Die Rückkehr von Ellyes Skhiri nach Köln ist kein überraschender, aber ein bedeutender Transfer. Der 29-jährige Mittelfeldspieler, der die Eintracht in der vergangenen Saison als Kapitän anführte, verlässt den Verein nach nur einem Jahr. Laut Berichten der Bild-Zeitung erhält Frankfurt eine Ablöse von knapp zwei Millionen Euro. Skhiri unterschrieb beim 1. FC Köln, seinem Verein von 2019 bis 2025, einen Vertrag bis 2028.
Für die Eintracht bedeutet der Abgang nicht nur den Verlust eines erfahrenen Defensivspielers, sondern auch einer Führungspersönlichkeit in der Kabine. Sportvorstand Markus Krösche und Trainer Adi Hütter müssen nun die Nachfolge in der defensiven Mittelfeldzentrale regeln. Der Wechsel zeigt zudem die finanzielle Realität des Vereins: Um selbst aktiv auf dem Markt werden zu können, müssen zuerst Spieler verkauft werden, die nicht mehr in der Planung stehen. Skhiri, mit einem vermutlich hohen Gehalt, fiel in diese Kategorie.
Das große Torwart-Rätsel: Zetterer, Atubolu und eine entrüstete Absage
Die hitzigste Debatte dreht sich jedoch um die Torhüterposition. Die katastrophale 0:7-Niederlage im Testspiel beim FC Brentford, bei der Stammkeeper Kaua Santos erneut Fehler unterliefen, hat die Suche nach einer neuen Nummer Eins zur Chefsache gemacht.
Der Wunschkandidat heißt Noah Atubolu vom SC Freiburg. Der 24-jährige Nationalspieler hat bei den Breisgauern keine Zukunft mehr und steht nicht mal im Europa-Conference-League-Kader. Laut Informationen des hr-sport und der Bild-Zeitung könnte ein Transfer in Form einer Leihe mit anschließender Kaufoption zustande kommen. Atubolu würde dafür seinen Vertrag in Freiburg verlängern, um dann für eine Saison an den Main zu wechseln. Die angestrebte Ablösesumme soll bei etwa 15 Millionen Euro liegen. Eine klare Mehrheit von über 67 Prozent der User auf hessenschau.de sprach sich in einer Umfrage für Atubolu aus.
Doch dieser mögliche Neuzugang wirft Fragen um die aktuellen Torhüter auf. Verschiedene Medien, darunter das englischsprachige Portal «The Athletic», berichteten, der aktuelle Erstkeeper Michael Zetterer stehe vor einem Wechsel zu Leeds United. Die Reaktion darauf ließ nicht lange auf sich warten. Zetterers Berater wies die Gerüchte in der Bild-Zeitung entschieden zurück: «Wir sind sehr überrascht. Die Berichte entsprechen nicht der Wahrheit. Michael und seine Familie fühlen sich in Frankfurt sehr wohl. Ein Wechsel kommt für ihn aktuell nicht infrage.» Stattdessen gelte ein Abschied von Kaua Santos als wahrscheinlicher.
Weitere Personalien: Verteidiger gesucht, Uzun gepokert, Wahi-Problem
Die Defensive bleibt eine weitere große Baustelle. Nach dem Abgang von Willian Pacho und der anhaltenden Verletzung von Nnamdi Collins sucht die Eintracht dringend Verstärkung. Im Gespräch sind laut Bild-Zeitung:
- Diogo Leite – ehemaliger Unioner
- Thilo Kehrer – bereits unter Adi Hütter in Monaco
- Lilian Brassier – französischer Innenverteidiger von Stade Rennes
- Verstärkung für die Defensive
- Willian Pacho – Abgang
- Nnamdi Collins – anhaltende Verletzung
Im Offensivbereich hält der Poker um das Talent Can Uzun an. Medien berichten, der 20-Jährige habe eine Offerte von Galatasaray abgelehnt. Interesse soll es aus Italien und Spanien geben. Die Eintracht schweben bei einem Verkauf aber Ablösesummen von 50 bis 60 Millionen Euro vor, während die Interessenten laut Sky eher 30 bis 35 Millionen zahlen wollen. Ein Verbleib ist also keineswegs gesichert.
Ein echtes Problem ist der Fall Elye Wahi. Der Stürmer, der letzte Saison an Nizza ausgeliehen war, hat laut «Absolut Eintracht» zwei konkrete Angebote in Höhe von 20 Millionen Euro aus England und Italien abgelehnt. Da die Eintracht dringend auf die Einnahmen aus einem Verkauf angewiesen ist, um selbst aktiv zu werden, blockiert Wahi durch seine Ablehnung den gesamten Transferplan des Vereins.
Pyro-Strafe und Präsidentschaft: Rahmenbedingungen im Fokus
Neben dem sportlichen Geschehen sorgten zwei weitere Meldungen für Gesprächsstoff. Das DFB-Sportgericht verurteilte die Eintracht wegen des massiven Pyrotechnik-Einsatzes ihrer Fans am letzten Spieltag der Vorsaison gegen Stuttgart zu einer Geldstrafe von 341.500 Euro. Bei der Aktion waren zwei Personen verletzt und der Spielbeginn um fast sechs Minuten verzögert worden. Der Verein akzeptierte das Urteil.
Auf institutioneller Ebene wurde die erneute Kandidatur von Präsident Mathias Beck für eine zweite Amtszeit bestätigt. Beck war 2024 Nachfolger von Peter Fischer geworden und wird sich auf der Mitgliederversammlung am 19. Oktober zur Wahl stellen. Die Gremien signalisierten einstimmige Unterstützung.
Pokalauftakt als erster Stimmungstest
Inmitten dieses Transferwirbels steht nun das erste Pflichtspiel. Am Freitag (21.08., 18 Uhr) tritt die Eintracht in der ersten DFB-Pokalrunde beim Oberligisten SC St. Tönis an. Trainer Adi Hütter erwartet nach der Brentford-Pleite ein «seriöses, gutes Spiel». Das Tor wird mit Kaua Santos vorerst einem der umworbener Torhüter gehütet, Kapitän Robin Koch soll nach seiner Gehirnerschütterung wieder spielen.
Für die Fans ist dieser Auftakt mehr als nur ein Pokalspiel. Es ist die erste Gelegenheit, die Reaktion der Mannschaft auf das desaströse Testspiel und den gesamten Transfertrubel zu sehen. Die Unruhe im Kader, die offenen Personalien und der Druck, die Saison mit einem klaren Sieg zu beginnen, lasten schwer auf dem Team. Wie die Eintracht mit dieser Situation umgeht, wird erste Rückschlüsse auf den Charakter dieser Mannschaft und den Erfolg der laufenden Transferbemühungen zulassen. Die Tage bis zum Bundesliga-Start werden entscheidend sein.