Fritz Schramma, Oberbürgermeister von Köln von 2000 bis 2009, ist tot. Der CDU-Politiker starb am Montag im Alter von 78 Jahren nach schwerer Krankheit. Sein Tod hinterlässt in der Domstadt eine große Lücke und lässt viele Kölnerinnen und Kölner zurückblicken auf eine bewegte Amtszeit, die die Stadt nachhaltig prägte.
Im Historischen Rathaus liegt seit Mittwoch ein Kondolenzbuch aus. Bürger können dort noch bis zum 27. August ihren Respekt und ihre Anteilnahme bekunden. Die Stadt hat zudem angeordnet, an allen städtischen Gebäuden Trauerbeflaggung zu setzen – ein sichtbares Zeichen der Wertschätzung für einen Mann, der neun Jahre lang das Gesicht der Stadt war.
Ein Leben für Köln und seine Menschen
Fritz Schramma war kein Politiker der großen, lauten Worte. Sein Stil war besonnen, sein Fokus klar auf den Menschen gerichtet. Besonders am Herzen lagen ihm stets die Jüngsten der Stadt. Als langjähriger Lehrer und Schulleiter vor seiner politischen Karriere setzte er sich als Oberbürgermeister intensiv für Bildung und Betreuung ein. Die Sanierung maroder Schulen und der Ausbau von Kita-Plätzen waren zentrale Projekte seiner Amtszeit.
Chorleiter Michael Kokott erinnert sich an einen kinderlieben Menschen: „Ich leite in Köln viele Chöre. Ich hatte mit dem Jugendchor St. Stephan und den Lucky Kids viele Momente, in denen wir ihm begegnet sind, wo er auch immer auf die Kinder und Jugendlichen zugegangen ist und die Hände abgeklatscht hat.“ Diese persönliche, unkomplizierte Art machte ihn bei vielen Kölnerinnen und Kölnern beliebt. Marianne Friedrichs bringt es auf den Punkt: „Wir hoffen, dass er ein erfülltes Leben hatte und ich glaube, die Liebe der Kölner zu ihm war sein Lebenselixier.“
Prägende Jahre zwischen Aufbruch und Katastrophe
Die Schramma-Jahre waren eine Zeit großer Kontraste für Köln. Auf der einen Seite standen ambitionierte Stadtentwicklungsprojekte wie die Neugestaltung des Rheinauhafens, der heute zu den modernsten und lebendigsten Quartieren der Stadt zählt. Ein weiteres historisches Projekt war der Bau der Zentralmoschee in Ehrenfeld – ein Vorhaben, das nicht unumstritten war.
Der heutige Oberbürgermeister, Torsten Burmester, würdigte Schramma genau dafür in einer offiziellen Pressemitteilung. Er habe als Mittler gegen Widerstände und politische Intoleranz gewirkt. „Damit hat er einen wichtigen Beitrag zur Integration und zum Frieden in unserer Stadt geleistet“, so Burmester. Die Moschee steht heute als Symbol für ein weltoffenes Köln.
Doch seine Amtszeit war auch von einer der größten Katastrophen der jüngeren Stadtgeschichte überschattet: dem Einsturz des Historischen Stadtarchivs im März 2009. Das Ereignis, bei dem zwei Menschen starben und unersetzliche Kulturschätze für immer verloren gingen, traf die Stadt ins Mark. Schramma stand in diesen Tagen als Oberhaupt der Stadt vor der schwierigen Aufgabe, Trost zu spenden und klare Aufklärung zu versprechen. Die tiefe Betroffenheit war ihm damals deutlich anzumerken.
Würdigungen über Parteigrenzen hinweg
Die Trauer über seinen Tod vereint die politischen Lager in Köln. NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) betonte, Schramma habe in einer für Köln wichtigen Zeit Verantwortung übernommen und sich mit Tatkraft für den Zusammenhalt der Stadt eingesetzt. „Dabei war ihm der Dialog mit den Menschen immer besonders wichtig“, so Wüst. „Fritz Schramma stand für eine Politik, die zuhört, vermittelt und unterschiedliche Interessen zusammenführt.“
Auch aus der eigenen Partei kommt großer Respekt. Bernd Petelkau, Vorsitzender der CDU-Fraktion im Kölner Rat, nannte ihn einen „großen Oberbürgermeister“, der viel für die Stadt geleistet habe.
Besonders bemerkenswert sind die Worte seines ehemaligen politischen Gegenspielers. Jochen Ott, bis 2019 Chef der Kölner SPD und damals Fraktionsvorsitzender im Rat, äußerte sich tief betroffen. „Mit Fritz Schramma verliert Köln einen Menschen, der die Stadt über viele Jahre geprägt und sich mit großer Leidenschaft für sie eingesetzt hat“, sagte Ott. „Wir hatten unterschiedliche Meinungen, haben gestritten und viele gute und gemeinsame Momente miteinander geteilt – immer verbunden durch unsere Liebe zu Köln und mit gegenseitigem Respekt.“ Bei ihrem letzten Treffen habe man sich herzlich verabschiedet und auf ein Wiedersehen gefreut. Diese Nachricht stimme ihn „sehr traurig“. Diese persönliche Erinnerung zeigt die politische Kultur, die Schramma mitgeprägt hat: hart in der Sache, aber stets mit Respekt für den Menschen auf der anderen Seite.
Das Vermächtnis eines Kölner Bürgermeisters
Fritz Schrammas Politik war geprägt vom Gedanken des Miteinanders. Ob beim schwierigen Moscheebau, in der Bildungs- oder Stadtentwicklungspolitik – stets suchte er den Ausgleich und den Dialog. In einer zunehmend polarisierten Zeit ist dieses Vermächtnis wertvoller denn je. Er bewies, dass politische Führung nicht bedeutet, alle vor sich herzutreiben, sondern auch, zuzuhören und Brücken zu bauen.
Die Stadt Köln verliert mit ihm eine prägende Persönlichkeit, die ihre Spuren hinterlassen hat – im Stadtbild, in den Schulen und Kitas, und vor allem in der Erinnerung der Menschen, die ihm begegnet sind. Sein sanftes, bestimmtes Wesen wird vielen fehlen.
| Wichtige Projekte | Beschreibung |
|---|---|
| Rheinauhaven | Neugestaltung zu einem modernen Quartier |
| Zentralmoschee | Ein umstrittenes, historisches Bauprojekt |
| Sanierung maroder Schulen | Verbesserung der Bildungsinfrastruktur |
| Ausbau von Kita-Plätzen | Schaffung von Betreuungsplätzen für Kinder |
| Einsturz des Stadtarchivs | Eine der größten Katastrophen in Kölns Geschichte |
| Trauerbeflaggung | Zeichen der Wertschätzung nach seinem Tod |
Der Termin und Ort für die offizielle Beisetzungsfeier werden zu einem späteren Zeitpunkt bekanntgegeben. Bis dahin bleibt das Kondolenzbuch im Historischen Rathaus und im Spanischen Bau für alle Bürger geöffnet, um von der Liebe der Kölner zu zeugen, die, wie Marianne Friedrichs sagte, sein Lebenselixier war.