Eine 300-jährige Tradition ist in Düsseldorf zu Ende gegangen. Die Produktion des legendären Düsseldorfer Löwensenfs am Flughafen wurde eingestellt. Für viele Düsseldorfer war das mehr als nur eine Nachricht aus der Wirtschaft. Es war ein Stück Heimatgefühl, das plötzlich wegzubrechen drohte.
Der Löwensenf ist untrennbar mit der Stadt verbunden. Seine Geschichte reicht bis ins Jahr 1726 zurück. Der Senf begleitete Generationen von Düsseldorfern durch ihr Leben – auf der Großen, im Fußballstadion, einfach beim Abendbrot. Jetzt soll die Produktion nicht mehr in Düsseldorf stattfinden. Die Marke wurde zwar verkauft. Doch die neuen Eigentümer haben bisher keinen neuen Produktionsstandort in der Stadt gefunden.
Diese Entwicklung hat eine ungewöhnliche Allianz auf den Plan gerufen. Der Förderverein Düsseldorfer Karneval will sich dafür einsetzen, dass der Senf wieder in Düsseldorf hergestellt wird. Sollte das nicht gelingen, erwägt der Verein sogar, die Produktion selbst in die Hand zu nehmen. «Der Senf gehört zu Düsseldorf wie der Karneval», sagt ein Sprecher des Vereins. «Wir können nicht tatenlos zusehen, wie diese Tradition verloren geht.»
Der Förderverein ist eine bedeutende Kraft in der Stadt. Er setzt sich für den Erhalt und die Förderung der karnevalistischen Kultur ein. Dass er sich nun für den Senf starkmacht, zeigt, wie sehr das Produkt Teil der städtischen Identität ist. Der Verein hat bereits Kontakt mit der Stadtverwaltung und potenziellen Partnern aus der Wirtschaft aufgenommen.
Die Stadt Düsseldorf sieht die Entwicklung mit Sorge. Ein Sprecher des Wirtschaftsdezernats betont die wirtschaftliche und kulturelle Bedeutung des Löwensenfs. «Wir stehen im Austausch mit allen Beteiligten», heißt es aus der Verwaltung. Man prüfe, wie die Stadt den Erhalt der Produktion am Standort unterstützen könne. Konkrete finanzielle Zusagen gibt es aber noch nicht.
Für die Bürgerinnen und Bürger ist die Sache klar. In den Vierteln wie der Altstadt, Flingern oder Oberbilk ist der Tenor eindeutig. «Das ist unser Senf», sagt eine langjährige Anwohnerin aus Derendorf. «Den kann man nicht einfach woanders herstellen lassen. Das wäre, als ob man den Rheinturm nach Köln verschieben würde.» Viele fürchten um das Image der Stadt und um Arbeitsplätze.
Die Geschichte des Löwensenfs ist auch eine Geschichte des Wandels in Düsseldorf. Über die Jahrhunderte hat sich die Stadt immer wieder verändert. Industrien kamen und gingen. Doch einige Konstanten blieben. Dazu gehörte der Senf. Sein Verschwinden würde eine Lücke reißen. Nicht nur in den Regalen der Supermärkte, sondern auch im Gefüge der Stadt.
Experten für Stadtentwicklung sehen in der Initiative des Karnevalsfördervereins ein interessantes Phänomen. Es zeige, wie sehr Bürger und Vereine bereit sind, Verantwortung für ihr kulturelles Erbe zu übernehmen. «Das geht über Nostalgie weit hinaus», erklärt eine Kulturwissenschaftlerin der Heinrich-Heine-Universität. «Es ist ein Akt der identitären Selbstbehauptung. Die Menschen definieren, was zu ihrer Stadt gehört und was nicht.»
Der Weg zu einer neuen Senfproduktion in Düsseldorf ist jedoch steinig. Es geht um viel Geld. Um die richtigen Rezepte. Und um die Suche nach einer geeigneten Immobilie. Der bisherige Standort am Flughafen fällt weg. Mögliche Alternativen müssten gefunden werden. Der Karnevalsförderverein denkt dabei auch an eine Art «Bürgersenf». Eine Produktion, die vielleicht nicht die riesigen Mengen der alten Fabrik erreicht. Aber eine, die authentisch und in Düsseldorf verwurzelt ist.
Die politischen Parteien im Rat beobachten die Lage aufmerksam. Vor allem die lokalen Vertreter aller Fraktionen zeigen sich betroffen. Ein konservativer Stadtrat sagt: «Hier geht es um Wirtschaftsförderung im besten Sinne. Wir müssen unsere traditionsreichen Marken schützen.» Ein grüner Kollege ergänzt: «Es wäre ideal, wenn eine neue Produktion auch nachhaltige und regionale Aspekte stärken könnte. Das wäre ein modernes Kapitel für eine alte Tradition.»
Für die Düsseldorfer bleibt die Frage, was sie selbst tun können. Der Förderverein appelliert an die Bürgerschaft, das Thema wachzuhalten. «Reden Sie darüber», lautet der Aufruf. «Zeigen Sie den neuen Eigentümern und der Politik, dass Ihnen der Senf aus Düsseldorf wichtig ist.» Man könne auch über Mitgliedschaften oder symbolische Anteile an einer möglichen neuen Produktion nachdenken. Die Idee einer genossenschaftlich organisierten Senfmanufaktur wird bereits diskutiert.
Die nächsten Monate werden entscheidend sein. Die Gespräche zwischen Verein, Stadt und Wirtschaft laufen. Sollten sie scheitern, steht der Förderverein Düsseldorfer Karneval bereit. Er würde dann ernsthaft prüfen, ob und wie er selbst die Senfproduktion starten kann. Ein ungewöhnlicher Schritt für einen Karnevalsverein. Aber in Düsseldorf, wo Tradition und Innovation oft Hand in Hand gehen, vielleicht genau der richtige.
Am Ende geht es um mehr als nur um eine Würzpaste. Es geht um das, was eine Stadt ausmacht. Um Erinnerungen, die mit einem Geschicht verbunden sind. Um Arbeitsplätze und Handwerk. Und um die Frage, wie eine Gemeinschaft ihre kulturellen Schätze selbst in die Hand nehmen kann. Der Kampf um den Düsseldorfer Senf ist gerade erst entbrannt. Aber er zeigt schon jetzt eines ganz deutlich: Die Menschen hier sind bereit, für ihr Stück Heimat zu kämpfen.
- Eine 300-jährige Tradition
- Der Löwensenf ist untrennbar mit Düsseldorf verbunden
- Ein Verein setzt sich für die Rückkehr der Produktion ein
- Die Stadtverwaltung prüft Unterstützung
- Das Image und Arbeitsplätze sind betroffen
- Die Idee einer genossenschaftlich organisierten Senfmanufaktur
| Themen | Details |
|---|---|
| Tradition | 300 Jahre Löwensenf in Düsseldorf |
| Produktion | Stellungnahme der Stadtverwaltung |
| Beteiligte | Förderverein Düsseldorfer Karneval |
| Ängste | Verlust von Arbeitsplätzen |
| Vision | Genossenschaftliche Senfmanufaktur |
| Initiativen | Kontakte zur Stadtverwaltung und Partnern |