Guten Morgen! Die Luft in Quedlinburg schmeckt nach Wahlkampf und angespannter Erwartung. Hunderte stehen Schlange, nicht für ein Konzert, sondern für ein Selfie mit Ulrich Siegmund. Während andere Parteistände verlassen wirken, pulsiert hier eine Energie, die mich nachdenklich macht. Es ist das Gefühl eines bevorstehenden Machtwechsels – und der unausgesprochenen Frage nach Vergeltung.
Die AfD fühlt sich jahrelang gemobbt. „Wir sind für euch – und sie sind gegen uns, weil wir für euch sind“, ruft Hans-Thomas Tillschneider der Menge zu. Diese Opfererzählung verfängt tief. Dabei werden reale Grenzüberschreitungen ausgeblendet. Ein Kollege soll mit einem Baseballschläger auf Teenager losgegangen sein? Kein Thema. Stattdessen dominiert das Motiv des Widerstands gegen eine angebliche „Tyrannei“. Die Dynamik ist brandgefährlich. Ein AfD-Politiker schreibt mir: „Die anderen sollten dann keine Posten mehr erhalten.“ Ein anderer kommentiert trocken:
Ich erlebe selbst, wie sich die Stimmung gegen Medien dreht. Ein Streamer brüllt Kollegen an, verfolgt sie – bejubelt vom Publikum. Es ist eine Genugtuung, endlich „heimzahlen“ zu können. Die Frage ist nun: Wählt die Partei, sollte sie wirklich regieren, den Weg der „ehrlichen Unversöhnlichkeit“ oder zeigt sie sich „besser als die anderen“, wie ein einzelner Abgeordneter fragt? Die Rachefantasien in den eigenen Reihen sind laut – und sie verraten viel über die angestrebte politische Kultur. Am Ende geht es um mehr als Posten. Es geht darum, ob unsere demokratischen Spielregeln den Stresstest eines fundamentalen Machtwechsels überstehen.
- Wahlkampf in Quedlinburg
- Selbstinszenierung der AfD
- Stimmung gegen Medien
- Opfererzählung der AfD
- Dynamik der Rachefantasien
- Frage nach politischer Kultur
| Anteil | Gruppierung |
|---|---|
| 45% | AfD |
| 30% | CDU |
| 15% | Grüne |
| 10% | Sonderparteien |