Der Sprit ist weg – und mit ihm das Vertrauen. In der Nacht zum vergangenen Wochenende haben Unbekannte in Bernau bei Berlin eine mobile Tankstelle, im Volksmund oft „Tankbombe“ genannt, angezapft und Dieselkraftstoff im Wert von etwa 2.000 Euro abgezapft. Die Tat geschah auf einer Baustelle in der Johann-Friedrich-A.-Borsig-Straße. Die Polizei sicherte Spuren und ermittelt nun wegen Diebstahls. Was auf den ersten Blick wie ein simpler Eigentumsdelikt wirkt, offenbart bei näherer Betrachtung ein Problem, das viele Gewerbetreibende und auch Privatleute in der Region beschäftigt: Die Sicherheit von Baustellen, Höfen und abgelegenen Grundstücken.
Für die betroffenen Unternehmen – oft mittelständische Bau- oder Landwirtschaftsbetriebe – ist ein solcher Verlust mehr als nur ärgerlich. „2.000 Euro Diesel – das ist nicht nur der reine Materialwert“, erklärt mir ein Bernauer Baubetriebsleiter, der anonym bleiben möchte. „Das ist eine massive Betriebsstörung. Die Maschinen stehen still, die Arbeiter können nicht weiterarbeiten, und der entstandene Zeitverzug kostet zusätzliches Geld und kann Vertragsstrafen nach sich ziehen.“ Der wirtschaftliche Schaden ist also deutlich höher als der reine Wert des gestohlenen Kraftstoffs. Besonders in Zeiten ohnehin gestiegener Energiekosten trifft solche Kriminalität die lokale Wirtschaft empfindlich.
Ein wiederkehrendes Phänomen mit saisonalen Spitzen
Der Diebstahl in Bernau ist leider kein Einzelfall. Polizeiliche Statistiken zeigen, dass Diebstähle von Kraftstoffen, Baumaschinen oder auch Metallen in ländlicheren Gebieten oder an abgelegenen Baustellen ein wiederkehrendes Problem darstellen. Besonders in den dunkleren Herbst- und Wintermonaten verzeichnen die Behörden regelmäßig einen Anstieg solcher Taten. Die mobile, oft nur notdürftig gesicherte „Tankbombe“ ist dabei ein vergleichsweise einfaches Ziel.
„Die Täter sind oft gut vorbereitet“, sagt Polizeihauptkommissar Michael Schultze vom zuständigen Revier. „Sie kommen mit geeignetem Werkzeug und eigenen Kanistern oder sogar mit einem Fahrzeug, das eine Pumpe an Bord hat. Das Ganze dauert oft nur wenige Minuten.“ Die Beute wird dann meist schnell weiterverkauft, etwa auf dem Schwarzmarkt oder an „kundenunbewusste“ Tankstellen.
Was können Betroffene tun? Prävention ist der Schlüssel
- Sichere Unterbringung: Mobile Tankstellen sollten nach Feierabend, wenn möglich, in abgeschlossenen Containern oder Garagen untergebracht werden.
- Technische Sicherungen: Zusätzliche Vorhängeschlösser an den Entnahmeventilen, Tankalarmanlagen oder sogar GPS-Tracker können abschrecken und im Diebstahlsfall die Wiederbeschaffung erleichtern.
- Organisatorische Maßnahmen: Die Kraftstoffbestände sollten regelmäßig kontrolliert und eine genaue Dokumentation geführt werden, damit ein Diebstahl schnell auffällt.
- Nachbarschaftliche Aufmerksamkeit: In Wohngebieten oder Gewerbegebieten kann eine aufmerksame Nachbarschaft helfen. Ungewöhnliche Aktivitäten, besonders nachts, sollten umgehend der Polizei gemeldet werden.
- Regelmäßige Schulungen: Gewerbetreibende und Mitarbeiter sollten in Bezug auf Sicherheitsvorkehrungen geschult werden.
- Zusammenarbeit mit der Polizei: Ein regelmäßiger Dialog mit der Polizei über präventive Maßnahmen stärkt das Sicherheitsgefühl.
Für die Bernauer Politik ist der Vorfall ein weiteres Signal. „Wir müssen das Sicherheitsgefühl der Bürger und unserer Unternehmen stärken“, sagt die Bernauer Stadtverordnete Katrin Vogel (SPD). „Dazu gehört auch der regelmäßige Dialog mit der Polizei über präventive Maßnahmen und eine gute Ausleuchtung von Gewerbegebieten.“ Einige Städte und Gemeinden fördern beispielsweise die Installation von Überwachungskameras in gewerblichen Bereichen durch Zuschüsse.
Das größere Bild: Sicherheit als Gemeinschaftsaufgabe
Letztlich zeigt der Dieseldiebstahl in der Johann-Friedrich-A.-Borsig-Straße, dass Sicherheit keine Selbstverständlichkeit ist. Sie ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Während die Polizei ihre Ermittlungen fortsetzt, sind auch die Unternehmen selbst gefordert, ihre Verwundbarkeit zu reduzieren. Und die Zivilgesellschaft kann durch Wachsamkeit einen wichtigen Beitrag leisten.
Für die betroffenen Bernauer Betriebe geht der Alltag jetzt mit erhöhten Sicherheitsvorkehrungen weiter. Die Hoffnung ist, dass die Täter schnell gefasst werden können. Die größere Hoffnung aber ist, dass solche Vorfälle durch gemeinsame Anstrengungen seltener werden – damit sich Handwerk, Landwirtschaft und Gewerbe, die das Rückgrat unserer regionalen Wirtschaft bilden, auf ihre eigentliche Arbeit konzentrieren können und nicht auf die Sicherung ihres Eigentums vor Dieben.