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Nachrichten Lokal > Nachrichten > Hamburg > Hamburg: 40% mehr Nutrias erlegt – Prämie für Jäger
Hamburg

Hamburg: 40% mehr Nutrias erlegt – Prämie für Jäger

Julia Becker
Zuletzt aktualisiert: August 27, 2026 12:41 p.m.
Julia Becker
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Hamburgs Jagd auf eingewanderte Nagetiere intensiviert sich deutlich

Die Zahl der in Hamburg erlegten Nutrias ist im vergangenen Jagdjahr sprunghaft um rund 40 Prozent gestiegen. Von April 2025 bis Ende März 2026 wurden insgesamt 4.918 dieser auch als Biberratten bekannten Tiere getötet oder tot aufgefunden. Im Vorjahreszeitraum lag die Zahl bei 3.510. Verglichen mit dem Stand von Ende März 2024 hat sie sich sogar nahezu verdoppelt. Diese Daten stammen aus der aktuellen Wildnachweis-Statistik der Hamburger Umweltbehörde.

Der starke Anstieg ist beabsichtigt und geht auf eine gezielte Maßnahme zurück. Weil Nutrias erhebliche Schäden an Deichen und Böschungen entlang der Elbe und anderen Feuchtgebieten verursachen, hat die Umweltbehörde eine sogenannte Schwanzprämie eingeführt. Für jedes erlegte Tier zahlen die Behörden den Jägerinnen und Jägern 14 Euro. Dorothee Giffey, Präsidentin des Landesjagdverbandes Hamburg, bestätigt dieses Vorgehen. Das Ziel sei es, den Bestand der invasiven Art effektiv einzudämmen. Die Tiere werden dabei geschossen oder mit Fallen gefangen.

Eine invasive Art mit großer Vermehrungsrate

Nutrias stammen ursprünglich aus Südamerika. In Hamburg haben sie keine natürlichen Feinde und finden in den vielen feuchten Gebieten der Stadt ideale Lebensbedingungen. „Sie vermehren sich sehr stark,“ erklärt Giffey. Ihre unterirdischen Bauten in Deichen sind das Hauptproblem. Sie können die Stabilität der Hochwasserschutzanlagen gefährden, die für eine Stadt an der Elbe von existenzieller Bedeutung sind.

Christian Gerbich vom Naturschutzbund (Nabu) in Hamburg sieht die Lage ähnlich. Seiner Ansicht nach muss sich die Bekämpfung auf neuralgische Stellen im Hochwasserschutz konzentrieren. „Es ist wichtig, sich auf diese Stellen zu konzentrieren, damit die Nutrias dort keinen Schaden anrichten können.“ Eine großflächige Bejagung hält er für sehr schwierig, vor allem in Naturschutzgebieten. Dort sei es kaum möglich, die Nutrias zu bekämpfen, ohne andere geschützte Tierarten zu stören oder zu gefährden.

Waschbären und Kanadagänse: Weitere Herausforderungen

Neben den Nutrias bereitet der stetig wachsenden Waschbären-Population den Experten Sorgen. Bis Ende März wurden 131 Waschbären in Hamburg erlegt oder tot aufgefunden, im Jahr davor waren es 113. Dorothee Giffey bezeichnet sie als „mordsgefährlich“ für die heimische Tierwelt. „Sie können auf Bäume klettern und in den Bruthöhlen Eier und Jungvögel rauben.“ Auch die Zahl der Kanadagänse, eine weitere invasive Art, wächst. Sie fressen Grünflächen und Aussaaten kahl, was zu Schäden in der Landwirtschaft führt.

Statistik zeigt gemischtes Bild bei anderen Tierarten

Die aktuelle Jagdstatistik zeigt bei anderen heimischen Wildtieren ein unterschiedliches Bild. Die Zahl des erlegten Rehwildes blieb mit 1.489 Tieren nahezu konstant. Auch bei den Wildschweinen liegt die Zahl mit 312 erlegten Tieren auf Vorjahresniveau. Einen deutlichen Anstieg verzeichnet die Statistik hingegen bei tot aufgefundenen Feldhasen. Deren Zahl wuchs von 655 auf 804. Die allermeisten Hasen fallen dem Straßenverkehr zum Opfer. Auch bei Rabenkrähen stieg die Zahl der tot aufgefundenen Tiere von 932 auf 1.127.

  • Erlegtes Rehwild: 1.489
  • Erlegte Wildschweine: 312
  • Tot aufgefundene Feldhasen: 804
  • Tot aufgefundene Rabenkrähen: 1.127
  • Erlegte Waschbären: 131
  • Erlegte Nutrias: 4.918

Rückgänge gab es dagegen bei Füchsen (von 507 auf 419), Marderhunden (von 356 auf 275) und Steinmardern (von 210 auf 174). Insgesamt sind in Hamburg etwa 2.900 Jägerinnen und Jäger aktiv, von denen sich 2.534 im Landesjagdverband organisiert haben.

Ein fortwährender Balanceakt

Die stark gestiegene Nutria-Jagd in Hamburg unterstreicht einen fortwährenden Konflikt. Die Stadt steht vor der Aufgabe, ihre wichtigen Infrastrukturen wie die Deiche zu schützen und gleichzeitig die Artenvielfalt zu erhalten. Die Schwanzprämie zeigt erste Wirkung, doch die Bekämpfung bleibt, wie der Nabu betont, eine komplexe Herausforderung. Sie erfordert weiterhin eine enge und abgewogene Zusammenarbeit zwischen Jägerschaft, Naturschutzverbänden und den Hamburger Behörden. Für die Bewohnerinnen und Bewohner der Hansestadt ist das Ergebnis dieser Arbeit direkt mit ihrer Sicherheit vor Hochwasser verknüpft.

Tierart Erlegtes Tot aufgefunden
Rehwild 1.489 N/A
Wildschweine 312 N/A
Feldhasen N/A 804
Rabenkrähen N/A 1.127
Waschbären 131 N/A
Nutrias 4.918 N/A
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VonJulia Becker
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Julia ist eine engagierte Reporterin für den Süden Deutschlands mit Schwerpunkt auf München und Stuttgart. Sie schreibt über lokale Kulturveranstaltungen, das wirtschaftliche Stadtleben und Geschichten von Menschen, die ihre Region prägen. Ihre Beiträge zeichnen sich durch Nähe, Empathie und starke persönliche Perspektiven aus.
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