Für knapp fünf Monate Arbeit fast eine halbe Million Euro aus der Stadtkasse. Das ist die Bilanz der ehemaligen Geschäftsführerin des Hamburger Unternehmens «Fördern & Wohnen», Kathrin Sommer. Diese Zahl steht in ihrem Jahresabschluss. Sie wirft dringende Fragen zur Kontrolle öffentlicher Gelder und zu Transparenz in der Stadtpolitik auf.
Sommer war von Januar bis Ende Mai des vergangenen Jahres im Amt. Das städtische Unternehmen ist verantwortlich für die Unterbringung von wohnungslosen Menschen und Geflüchteten. Laut den veröffentlichten Dokumenten zahlte «Fördern & Wohnen» an Kathrin Sommer mehr als 200.000 Euro an regulärem Gehalt. Hinzu kamen weitere 200.000 Euro als Abfindung und 25.000 Euro als Erfolgsprämien. Zusammengerechnet ergibt das über 450.000 Euro.
Zum Vergleich verdient Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher im Jahr weniger als die Hälfte dieses Betrags. Diese Diskrepanz macht die Höhe der Zahlungen besonders deutlich. Für Sie als Steuerzahler bedeutet das, dass Ihre Abgaben für einen Arbeitszeitraum von weniger als einem halben Jahr eine außergewöhnlich hohe Summe finanziert haben.
Die eigentliche Frage lautet jedoch nicht nur nach dem Geld. Sie lautet, warum diese Trennung überhaupt notwendig wurde und warum sie so teuer ausfiel. Der CDU-Politiker Andreas Grutzeck stellt die zentrale Frage. «Anfang Mai befasste sich der Personalausschuss mit der Angelegenheit, am 22. Mai fiel die abschließende Entscheidung und bereits am 23. Mai war sie ausgeschieden», sagt er. «Das wirft die Frage auf, was in gerade einmal vier Monaten so gravierend schiefgelaufen sein soll, dass eine vorzeitige Trennung notwendig wurde und warum diese für ‚Fördern & Wohnen‘ offenbar so teuer war.»
Der Hamburger Senat gibt auf diese Fragen keine klaren Antworten. Auf eine Anfrage der CDU verwies die Regierung darauf, dass «Fördern & Wohnen» rechtlich selbständig sei. Die internen Personalvorgänge könne und dürfe der Senat daher nicht offenlegen. In der schriftlichen Antwort wird lediglich bestätigt, dass der Personalausschuss des Aufsichtsrats an zwei Tagen im Mai über die Angelegenheit beriet.
Diese Geheimhaltung stößt auf scharfe Kritik. «Der Verweis auf ‚vertrauliche Vertragsangelegenheiten‘ darf nicht dazu führen, dass die politische Verantwortung für den Umgang mit öffentlichen Geldern im Dunkeln bleibt», argumentiert Grutzeck. «Wer hat diesen Vertrag geprüft, wer hat die finanziellen Risiken bewertet und warum wurde eine derart kostspielige Lösung möglich?» Auch die zuständige Sozialbehörde äußerte sich auf Nachfrage des NDR nicht zu den Gründen für das vorzeitige Ausscheiden.
Ein weiterer Punkt bleibt völlig unklar. Kathrin Sommer erhielt in ihrer kurzen Amtszeit 25.000 Euro als Erfolgsprämien. Welche Erfolge wurden in nur wenigen Monaten erzielt, die eine solche Prämie rechtfertigen? Der Senat beantwortet auch das nicht konkret. In einer Stellungnahme heißt es lediglich, die Höhe der Prämie hänge von der Erreichung von Zielen ab, die der Aufsichtsrat festlegt. Welche Ziele das waren und ob sie erreicht wurden, bleibt im Verborgenen.
Grutzeck bemängelt diese fehlende Nachvollziehbarkeit. «Wenn eine erfolgsabhängige Vergütung gezahlt wird, muss nachvollziehbar sein, welche konkreten Ziele in dieser kurzen Zeit erreicht wurden und worin der Erfolg bestand.» Er fordert eine grundsätzlich sorgfältigere Prüfung der Verträge mit städtischem Spitzenpersonal. «Damit sich so ein Vorgang nicht wiederholt.»
Für Sie als Bürger zeigt dieser Fall ein grundlegendes Problem auf. Ein städtisches Unternehmen, das mit öffentlichen Geldern soziale Aufgaben erfüllt, handelt hier intransparent. Ob die hohen Ausgaben für eine fünfmonatige Führungskraft gerechtfertigt waren, kann nicht beurteilt werden, weil die notwendigen Informationen unter Verschluss bleiben. Das untergräbt das Vertrauen in eine verantwortungsvolle Verwaltung Ihrer Steuergelder.
Die Geschichte von Kathrin Sommer ist damit mehr als eine persönliche. Sie ist ein Prüfstein für die Hamburger Politik. Sie zeigt, ob Kontrollgremien wie der Aufsichtsrat und der Senat ihrer Aufsichtspflicht wirklich nachkommen. Sie zeigt, ob der Umgang mit Millionensummen aus dem Stadtsäckel ausreichend transparent gestaltet wird. Die Antworten darauf liegen bisher im Dunkeln. Die Verantwortung, hier Licht ins Dunkel zu bringen, liegt nun eindeutig bei der Politik. Sie muss erklären, wie es zu diesen Zahlungen kommen konnte und welche Konsequenzen sie für die Zukunft zieht.
- Dringende Fragen zur Kontrolle öffentlicher Gelder
- Diskrepanz zwischen Zahlungen und Bürgermeistergehalt
- Geheimhaltung der internen Vorgänge
- Kritik an intransparenter Vergütung
- Mangelnde Nachvollziehbarkeit bei Erfolgen
- Politische Verantwortung für Ausgaben
| Position | Gehalt | Abfindung | Erfolgsprämien | Gesamt |
|---|---|---|---|---|
| Kathrin Sommer | 200.000 Euro | 200.000 Euro | 25.000 Euro | 425.000 Euro |
| Peter Tschentscher | < 200.000 Euro | N/A | N/A | < 200.000 Euro |